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Die geplanten US-Zölle treffen die Verbraucher - vor allem in den Vereinigten Staaten. Müssen auch Konsumenten hierzulande wegen möglicher Gegenzölle der EU demnächst mehr bezahlen?
Der Handelskonflikt hat mit den von der US-Regierung geplanten Zöllen auf Produkte weltweit ein neues Niveau erreicht. Auf EU-Produkte sollen künftig Zölle in Höhe von 20 Prozent erhoben werden. Noch ist vollkommen unklar, wie die Europäische Union konkret auf die Drohungen des US-Präsidenten Donald Trump reagieren wird. Das es eine Reaktion geben wird, dürfte klar sein.
Als ebenso sicher gilt, dass für US-Verbraucher viele liebgewonnene Produkte aus Europa wohl bald deutlich teurer werden. Aber wie sieht es bei uns aus? Müssen die Deutschen künftig mehr für Produkte US-amerikanischer Hersteller bezahlen, etwa das iPhone oder den Bourbon-Whiskey aus Kentucky?
Erste Gegenzölle werden demnächst fällig
Für einige Produkte aus den USA hatte sich die EU angesichts des schon länger anhaltenden Handelsstreits bereits vor der jüngsten Eskalation auf Gegenmaßnahmen geeinigt. EU-Extrazölle in Höhe von 10 bis 50 Prozent sollen deshalb etwa ab Mitte April auf die Einfuhr von US-Produkten wie Bourbon, Jeans, Motorräder, Boote, US-Süßwaren wie Schokoriegel und Chips oder auf Erdnussbutter fällig werden.
Nach Angaben der EU-Kommission sind insgesamt US-Warenexporte im Wert von rund 26 Milliarden Euro von den geplanten EU-Reaktionen betroffen. Zunächst soll es um Waren im Wert von etwa acht Milliarden Euro gehen, anschließend würden Waren im Wert von etwa 18 Milliarden Euro folgen.
Harleys "Made in Thailand"
Eines der berühmtesten Beispiele für den "American Way of Life" sind die Motorräder der US-Marke Harley Davidson, die nun deutlich teurer werden dürften. Zwar hat der Konzern die Produktion längst teilweise nach Thailand verlagert. Die EU-Kommission war jedoch der Ansicht, dass eine Umgehung von Zolltatbeständen vorliege, sodass sie weiterhin als US-Produkte behandelt werden dürfen. Das wurde vom Europäischen Gerichtshof im vergangenen Jahr letztinstanzlich festgestellt.
Im vergangenen Jahr wurden Unternehmensangaben zufolge gut 8.700 Harley-Davidson-Motorrädern in Deutschland neu zugelassen, das entspricht einem Anstieg von knapp 20 Prozent verglichen mit 2023. Ob sich der Erfolg mit höheren Preisen wiederholen lässt?
Kaum US-Jeans auf dem Markt
Auch Levi’s-Jeans wird von vielen Konsumenten noch als uramerikanisches Produkt betrachtet. Historisch gesehen ist das zwar zutreffend, aber produziert werden die Jeanshosen längst unter anderem in China, Bangladesch, Vietnam, Indien oder in Polen. Insofern dürften die Preise in Europa kaum signifikant steigen.
Insgesamt hält der Modeverband Deutschland die Auswirkungen neuer Zölle für überschaubar. Produkte, die direkt aus den USA kämen, spielten auf dem Jeans-Markt hierzulande keine große Rolle. Das zeigen auch Daten des Statistischen Bundesamts, wonach der Einfuhrwert für Jeans "Made in USA" lediglich bei verschwindend geringen rund drei Millionen Euro lag.
Bourbon-Trinker müssen mehr bezahlen
Anders sieht es hingegen bei amerikanischem Bourbon-Whiskey mit seinen vielen beliebten Marken aus, die ebenfalls von den Zollerhöhungen betroffen sein werden. Hier ist tatsächlich mit Preissteigerungen zu rechnen. Sparsame Connaisseure könnten auf schottischen, irischen oder kanadischen Whiskey ausweichen. Auch in Japan wird das hochprozentige Getränk hergestellt, so dass es Alternativen gibt.
Anziehende Preise für Softgetränke wie Coca-Cola müssen Verbraucher nicht befürchten. Coca-Cola wird in Deutschland produziert und abgefüllt. Da es sich bei McDonald’s um ein Franchise-System handelt, dürfte auch der Big Mac nicht aufgrund einer EU-Zollreaktion teurer werden. Und wer die Burger lieber zuhause selber macht: Ketchup der US-Marke Heinz wird unter anderen in den Niederlanden und Polen produziert.
Der Schaden für Apple
Der Technologiekonzern Apple wird von den geplanten neuen Zöllen, wenn sie sie so kommen, hart getroffen. Allerdings dürften die Folgen zunächst vor allem in den Vereinigten Staaten selbst spürbar werden. Schließlich werden Apple-Produkte wie iPad, iPhone, Apple Watch oder Mac-Computer weit überwiegend in Asien hergestellt, in China, Vietnam, Thailand oder Indien.
Für Waren von dort will Trump zum Teil hohe Zölle erheben. Die Produkte werden deshalb vermutlich in den USA teurer, weil der Hersteller die Zoll-Kosten an seine Kunden weiterreicht. Analysten schätzen, dass es massive Preiserhöhungen von bis zu 40 Prozent geben könnte.
Betrifft das auch Apple-Kunden hierzulande? Zu bedenken ist, dass die Zölle in den USA die Gewinnspanne von Apple drücken würden - und damit den Gewinn. Es ist deshalb nicht ausgeschlossen, dass der Technologiekonzern die Preise insgesamt anheben wird, um diese Einbußen wieder auszugleichen. Das wiederum würde auch in Europa spürbar.
Als mögliche Gegenmaßnahmen der EU werden derzeit außerdem Steuern oder Abgaben auf digitale Dienstleistungen aus den USA diskutiert. Das könnte Kunden von Unternehmen wie Google, Meta, Amazon, Netflix oder auch Apple treffen. Sollte sich die EU-Kommission auf Regelungen einigen, könnte das ebenfalls Folgen für die Geldbörsen der Verbraucher haben.
Sinken Europas Preise unter dem Strich?
Aber es könnte auch positive Auswirkungen geben. Moritz Schularick, der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), hält zumindest kurzfristig in Europa sogar sinkende Preise für möglich. Der Ökonom rechnet im Gespräch mit dem "Handelsblatt" mit einem deutlichen Preisrückgang von bis zu minus zwei Prozent. "Wenn unsere Exporte in den USA weniger nachgefragt werden, kommen mehr Produkte in Europa auf den Markt. Und auch chinesische Waren werden in den weiter offenen europäischen Markt drängen. Das drückt die Preise", so seine Einschätzung.
Ebenfalls kurzfristig könnte das Tanken billiger werden. Denn wegen der massiven globalen Konjunktursorgen sinken die Ölpreise, womit auch Benzin und Diesel voraussichtlich günstiger werden. Die geplante US-Zollpolitik hat nicht nur die Börsen ins Wanken gebracht, sie hat auch an den Rohstoffmärkten zu deutlichen Preissenkungen geführt.
Vieles ist ungewiss
Letztlich hängen die möglichen Auswirkungen bei den Verbraucherpreisen in Deutschland stark von den bislang unklaren Gegenmaßnahmen der EU ab. Ob und in welchem Umfang betroffene Hersteller die durch Zölle gestiegenen Importkosten auf ihre Kunden umlegen können, wird sehr unterschiedlich sein. Hier müsste jedes Produkt einzeln betrachtet werden.
Während Apple-Kunden möglicherweise auch bereit sind, für ein iPhone mehr zu bezahlen, könnte das bei Erdnussbutter und Whiskey ganz anders aussehen. Und: Viele Konsumgüter, die aus den USA zu stammen scheinen, werden in Wahrheit längst anderswo hergestellt.