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Marktbericht: Trump-Effekt bringt nächstes Rekordhoch im DAX



marktbericht

Stand: 24.01.2025 09:39 Uhr

Wirtschaftsfreundliche Töne von US-Präsident Donald Trump geben den Börsen weiter Auftrieb. Der DAX stellt eine neue Bestmarke auf - es ist bereits das siebte Rekordhoch im noch jungen Börsenjahr 2025.

Die "Trump-Euphorie" der Anleger an den Börsen ist ungebrochen. Die jüngsten Forderungen des US-Präsidenten auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos nach niedrigeren Ölpreisen und Zinssenkungen geben den Kursen weiter Auftrieb. Der DAX schnellt im frühen Handel auf ein Rekordhoch bei knapp 21.492 Punkten - es ist bereits das siebte Rekordhoch in diesem Monat.

Zum Vergleich: Das Börsenjahr 2024 hatte der DAX bei 19.909 Zählern beendet. Unterm Strich haben die deutschen Standardwerte damit im noch jungen Börsenjahr 2025 in der Spitze bereits um 8,0 Prozent zugelegt.

Zwar warnen immer mehr Marktbeobachter davor, dass der DAX "heiß gelaufen" und "überkauft" sei. Anzeichen für Gewinnmitnahmen oder gar eine Korrektur lassen sich aber bislang nicht ausmachen. "Der laufende Aufwärtstrend ist absolut intakt und hat jüngst sogar nochmals an Dynamik gewonnen", unterstreicht Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse HSBC.

"Die Rally trägt zunehmend Anzeichen eines veritablen Short-Squeeze", gibt derweil Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets zu bedenken. Immer wieder versuchten kurzfristig orientierte Investoren, den Fuß in die Tür zu bekommen, um auf fallende Kurse zu setzen, würden aber durch die Hausse ständig wieder aus dem Markt gedrängt. "Es ist eine sich selbst verstärkende Entwicklung, und umso steiler die Kurse steigen, desto instabiler wird der Markt auf dem Weg nach oben."

Positive Vorgaben für den Handel hierzulande kommen einmal mehr von der Wall Street, wo wirtschaftsfreundliche Töne von Präsident Donald Trump und starke Firmenbilanzen den Kursen Auftrieb gaben.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss gestern 0,9 Prozent höher bei 44.565 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,5 Prozent auf ein Rekordhoch von 6.118 Stellen und der Index der Technologiebörse Nasdaq 0,2 Prozent auf 20.053 Zähler.

Trump hatte in einer Rede per Video auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos seine "America First"-Politik bekräftigt. Er wolle die Inflation bekämpfen, Steuern senken, Bürokratie abbauen und für sinkende Zinsen sorgen. Gleichzeitig warb Trump für Investitionen von in- und ausländischen Konzernen in den USA. Wer dort nicht produziere, müsse mit Zöllen rechnen.

Insgesamt hatten Marktteilnehmer im Zuge seines Amtsantritts mit drastischeren Ankündigungen gerechnet - insofern überwiegt an den Märkten aktuell die Erleichterung. Ausgestanden ist das Thema aber deswegen noch lange nicht: Die Einführung von Zöllen könnte einen globalen Handelskrieg heraufbeschwören, den Preisdruck verstärken und das Tempo der geldpolitischen Lockerung der US-Notenbank verlangsamen, fürchten Experten.

Die asiatischen Börsen haben zum Wochenschluss keine gemeinsame Richtung gefunden. In China hofften Anleger nach Aussagen von US-Präsident Donald Trump auf ein Handelsabkommen mit den USA: Die Börse Shanghai gewann 0,7 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,8 Prozent.

Dagegen bremste die Anhebung der Zinsen auf den höchsten Stand seit der globalen Finanzkrise 2008 durch die Bank of Japan die Kurse in Tokio aus. Der 225 Werte umfassende Tokioter Nikkei-Index gab 0,1 Prozent auf 39.931 Punkte nach.

Die Ölpreise bleiben am Morgen deutlich unter 80 Dollar pro Barrel. Sie stehen unter Druck, nachdem US-Präsident Donald Trump angekündigt hatte, er werde Saudi-Arabien und die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auffordern, die Ölpreise zu senken. Nach den deutlichen Vortagesverlusten notiert die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee am Morgen 0,1 Prozent höher bei 78,39 Dollar je Barrel (159 Liter).

Der Kurs des Euro hat sich zum Dollar weiter erholt und ist auf den höchsten Stand seit Dezember gestiegen. Am Morgen kostet die Gemeinschaftswährung 1,0456 Dollar und damit 0,4 Prozent mehr als am Vortag.

Hintergrund ist die nachlassende Furcht der Marktteilnehmer vor hohen Strafzöllen der USA, welche die Inflation in den Vereinigten Staaten ankurbeln und die US-Notenbank zu einer schärferen Gangart zwingen könnte. Trump forderte auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos, die Fed solle die Zinsen senken.

Am Edelmetallmarkt nimmt derweil Gold Kurs auf seine Bestmarke bei 2.790 Dollar. Das gelbe Edelmetall befindet sich in einem intakten Aufwärtstrend. Am Morgen kostet die Feinunze Gold 2.775 Dollar - ein Plus von 0,7 Prozent.

Im DAX ist die Infineon-Aktie im frühen Handel der mit Abstand größte Verlierer. Der Halbleiterkonzern leidet unter negativen Branchennachrichten aus den USA. Dort hatte Texas Instruments am Vorabend nach Börsenschluss Resultate vorgelegt und einen enttäuschenden Ausblick abgegeben. TI signalisierte eine immer noch schwache Chip-Nachfrage und höhere Herstellungskosten.

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena will nun auch beim Übernahmepoker in der italienischen Bankenbranche mitmischen. Das Institut legte heute ein Übernahmeangebot für die Konkurrentin Mediobanca über 13,3 Milliarden Euro vor. Die Banca Monte dei Paschi verdient nach ihrer Rettung durch den italienischen Staat inzwischen wieder Geld.

Die britische Regierung hat einen Deal über Atom-U-Boot-Reaktoren im Wert von neun Milliarden Pfund (etwa 10,67 Milliarden Euro) mit dem Triebwerkhersteller Rolls Royce geschlossen. Dem Verteidigungsministerium in London zufolge umfasst der auf acht Jahre angelegte Vertrag die Entwicklung, die Herstellung und Instandhaltung für Nuklearreaktoren, um die Atom-U-Boote des Landes anzutreiben.

Nach US-Börsenschluss öffnete Boeing seine Bücher. Man gehe nun von einem unerwartet hohen Verlust aus, teilte der Airbus-Rivale mit. Dies sei auf Belastungen in seiner Verteidigungssparte und durch einen Streik zurückzuführen. Boeing geht nun von einem Quartalsverlust pro Aktie von 5,46 Dollar aus. Analysten bislang ein Minus von 1,84 Dollar erwartet.

Der US-Elektroautobauer Tesla hat in den USA eine überarbeitete Version seines Modells Y vorgestellt. Das Elektroauto wird laut der Website des Autobauers zu einem Einstiegspreis von 59.990 Dollar angeboten. Die Auslieferungen der neuen Version des Model Y sollen im März beginnen.

Der Elektro-Lkw-Hersteller Nikola prüft angesichts von Finanzierungsproblemen einem Medienbericht zufolge Optionen wie den Verkauf von Teilen seines Geschäfts oder gar des gesamten Unternehmens. Auch das Hinzuziehen von Partnern oder die Beschaffung neuer Finanzmittel sei eine Option, berichtete die Agentur Bloomberg unter Berufung auf Insider.

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