
marktbericht
Nach den jüngsten Gewinnen bleiben die Anleger heute zurückhaltend. Trotz einer überraschend starken Industrieproduktion bremst die Sorge vor weiteren Ideen des künftigen US-Präsidenten Trump zur Handelspolitik.
Der DAX startet mit einem Abschlag von 0,3 Prozent auf 20.269 Zählern in den Handelstag. Das Rekordhoch von Mitte Dezember bei 20.522 Zählern bleibt somit in Reichweite.
Noch sei das technische Bild konstruktiv und eine erneute Befestigung scheine möglich, heißt es von der Helaba. Widerstände zeigten sich bei 20.461 und an der Bestmarke bei 20.522, so die Fachleute. Die Charttechnik-Experten der UBS bleiben dagegen eher skeptisch: "Nach dem vorerst gescheiterten Ausbruch über die 20.400er-Marke könnte es nun zu einer Konsolidierung der vorangegangenen Gewinne kommen."
Gestern hatte der deutsche Leitindex kaum verändert bei 20.329 Punkten geschlossen. Für Zurückhaltung unter den Anlegern sorgten uneinheitliche Konjunkturdaten und Sorgen um den handelspolitischen Kurs des künftigen US-Präsidenten Donald Trump. Laut einem Bericht des US-Senders CNN erwägt Trump die Ausrufung einer nationalen Wirtschaftsnotlage, um eine rechtliche Grundlage für umfassende Zölle zu schaffen.
"Donald Trump dominiert derzeit die Bewegungen an den Aktienmärkten und dies dürfte sich in den kommenden Tagen, Wochen und Monaten fortsetzen", kommentiert Frank Sohlleder, Marktanalyst beim Broker ActivTrades.
Von Konjunkturseite gibt es positive Nachrichten: Die deutschen Unternehmen haben ihre Produktion im November überraschend stark hochgefahren. Industrie, Bau und Energieversorger stellten zusammen 1,5 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Wachstum von 0,5 Prozent gerechnet nach einem Rückgang von 0,4 Prozent im Oktober und von 2,1 Prozent im September.
Ökonomen lesen aus den Daten aber keine Trendwende heraus. "Der Produktionsanstieg ist ein Lebenszeichen, mehr nicht", sagte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger. Selbst wenn der Dezember ein weiteres Plus liefere, werde die Produktion im Jahresschlussquartal gesunken sein. "Für eine echte Produktionsbelebung fehlt es an Aufträgen", sagte der Experte. Auch die Exporte sind im November überraschend deutlich gestiegen.
In den USA bleiben die Märkte wegen des nationalen Trauertages anlässlich des Todes des ehemaligen Präsidenten Jimmy Carter geschlossen. Am Freitag wird dann der US-Arbeitsmarktbericht veröffentlicht, der wichtige Hinweise auf den weiteren Kurs der US-Notenbank geben könnte.
"Die vom designierten US-Präsidenten Trump angekündigten Senkungen der Steuern und Erhöhungen der Importzölle könnten mittel- bis längerfristig für eine erhöhte Inflation in den USA sorgen. Die US-Notenbank Fed dürfte deshalb zurückhaltender vorgehen und 2025 nicht mehr als zwei Zinsschritte vornehmen", meint Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.
Wachsende Zoll- und Zinssorgen hatten die New Yorker Börsen gestern in Schach gehalten. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 42.635 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,2 Prozent auf 5.918 Punkte, und der technologielastige Nasdaq stagnierte bei 19.478 Stellen.
Angesichts der anhaltenden Unsicherheit über die globale Wirtschaftsentwicklung nahmen die Anleger in Asien heute Gewinne mit. In Tokio büßte der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,1 Prozent auf 39.538 Punkte ein, der breiter gefasste Topix notierte 1,2 Prozent tiefer bei 2.737 Punkten. "Der Nikkei hat ein Niveau erreicht, das Anleger dazu veranlasst, Gewinne mitzunehmen", sagte Masahiro Ichikawa, Chefstratege bei Sumitomo Mitsui DS Asset Management. "Die Anleger brauchen neue marktbewegende Impulse, um zu glauben, dass der Nikkei weiter steigen wird."
An der chinesischen Börse ging es ebenfalls bergab. Der Shanghai-Index verlor 0,6 Prozent, der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen notierte 0,3 Prozent niedriger.
Heimische Autokonzerne dominieren in Deutschland den Markt für E-Autos. Zwar gingen die Verkaufszahlen im Jahr 2024 im Vergleich zum Vorjahr deutlich zurück, die deutschen Hersteller konnten ihren Marktanteil jedoch von 49 Prozent auf 61 Prozent steigern, wie aus einer Untersuchung von Daten des Kraftfahrtbundesamts durch die Beratungsfirma EY hervorgeht. Besonders stark gingen demnach die Verkaufszahlen von Tesla, Stellantis und Renault zurück.
Wirbelstürme, Überschwemmungen und andere Naturkatastrophen haben nach Berechnungen der Munich Re 2024 weltweit deutlich überdurchschnittliche Schäden in Höhe von 320 Milliarden US-Dollar verursacht. Die Geowissenschaftler des weltgrößten Rückversicherers sehen einen immer klarer werdenden Zusammenhang mit dem Klimawandel, da warme Temperaturen die Entstehung von Unwettern begünstigen.
"Die Welt ist so heiß wie nie zuvor", sagte Chefklimatologe Tobias Grimm. "Und das bedingt stärkere Stürme, Unwetter und auch Überschwemmungen." Die 320 Milliarden Dollar sind die globalen volkswirtschaftlichen Gesamtschäden, versichert waren davon 140 Milliarden Dollar.
Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy (früher Shop Apotheke) hat 2024 stark vom Wachstum mit elektronischen Rezepten in Deutschland profitiert. Der Umsatz legte im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2023 um 32 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro zu, wie das im MDAX notierte Unternehmen mitteilte. Der Erlös mit rezeptpflichtigen Medikamenten zog um 64 Prozent auf 749 Millionen Euro an. Hierzulande wächst der Bereich vor allem seit Mitte des Jahres.
Der Bitcoin gibt weiter nach und ist wieder auf das Niveau von Ende 2024 zurückgefallen. Die älteste und bekannteste Kryptowährung kostete auf der Handelsplattform Bitstamp am Morgen rund 94.200 Dollar. Damit weitete der Bitcoin die jüngsten Verluste aus. Anfang der Woche hatte ein Bitcoin noch fast 103.000 Dollar gekostet. Starke Kursausschläge sind beim Bitcoin durchaus normal. In den vergangenen zwei Jahren hatte der Wert unterm Strich deutlich zugelegt.
Nutzer von Disneys Streaming-Diensten mit dem günstigeren Werbe-Abo sollen künftig personalisierte Anzeigen zu sehen bekommen. Dabei will der Unterhaltungskonzern im US-Markt auch auf Künstliche Intelligenz setzen. So sollen Anzeigenkunden mehrere Versionen ihrer Clips bei Disney hochladen können und bei Live-Übertragungen sucht die KI-Software automatisch das Video aus, dessen Stimmung besser zur aktuellen Entwicklung passt.
Zuschauer sollen auch die Möglichkeit bekommen, Produkte aus Sendungen direkt aus der App zu kaufen. Außerdem will Disney in den USA unter anderem Sportwetten einbinden. Die Werkzeuge, mit denen Werbekunden die Effizienz ihrer Anzeigen messen können, werden international eingeführt.
Im Kleinwerteindex SDAX wird ein Übernahmekandidat durch den nächsten ersetzt. Am Montag (13. Januar) muss die Kliniksoftware-Firma Nexus den Index verlassen, nachdem sich der US-Finanzinvestor TA Associates knapp 95 Prozent an dem Unternehmen aus Donaueschingen gesichert hat. Damit kommt Nexus nicht mehr auf den Mindest-Streubesitz von zehn Prozent, der Voraussetzung für die Mitgliedschaft in dem Index ist.
Dafür kehrt der Online-Modehändler About You zurück, doch auch seine Tage dort dürften gezählt sein. Denn der weitaus größere Konkurrent Zalando hat für About You erst im Dezember ein 1,13 Milliarden Euro schweres Übernahmeangebot angekündigt und hat bereits drei Viertel der Anteile sicher.