
marktbericht
Nach dem erfolgreichen Jahresauftakt gerät die DAX-Rally ins Stocken. Zur Wochenmitte halten sich die Anleger bedeckt, zu sehr verunsichert der starke Anstieg der US-Kapitalmarktzinsen.
Der DAX ist verhalten in den Handel zur Wochenmitte gestartet. Zur XETRA-Eröffnung geben die deutschen Standardwerte um 0,1 Prozent auf 20.322 Punkte nach. Das deutsche Börsenbarometer zollt damit auch seinem erfolgreichen Jahresauftakt Tribut - bislang stand ein Plus von 2,2 Prozent zu Buche.
Angesichts der jüngsten Kursgewinne hatte sich auch das technische Bild im DAX deutlich verbessert: "Charttechnisch wurde gestern die Abwärtskurslücke vom 19. Dezember geschlossen", betont HSBC-Experte Jörg Scherer. "Damit rückt das bisherige Allzeithoch bei 20.523 Punkten wieder in den Mittelpunkt."
Allerdings sind die Vorgaben von den Überseebörsen klar negativ. An der Wall Street und vor allem an der Technologiebörse Nasdaq ging es am Vortag deutlich bergab. Der Standardwerteindex Dow Jones ging mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 42.528 Punkten aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 verlor 1,1 Prozent auf 5.909 Punkte und der technologielastige Nasdaq büßte 1,9 Prozent auf 19.489 Zähler ein.
Auch japanische Aktien schwächelten. Der Leitindex Nikkei 225 sank am Morgen um 0,3 Prozent auf 39.981 Punkte und folgte damit den US-Vorgaben. Der CSI 300 mit den wichtigsten chinesischen Festlandwerten sank um 0,2 Prozent, während der Hang Seng der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong zuletzt um 0,9 Prozent nachgab.
Fundamentaler Anlass für die Minuszeichen an den Börsen sind Befürchtungen, dass die Fed die Zinsen länger als erwartet hochhalten könnte. Zuletzt war am US-Anleihemarkt die viel beachtete Rendite für zehnjährige Papiere mit knapp 4,7 Prozent auf den höchsten Stand seit April vergangenen Jahres gestiegen - ein deutlicher Hinweis auf die sinkende Wahrscheinlichkeit von US-Zinssenkungen in diesem Jahr.
Am Abend veröffentlicht die US-Notenbank Fed die Protokolle ihrer Zinssitzung vom Dezember. Aus den Mitschriften erhoffen sich Investoren weitere Hinweise auf die nächsten Schritte der Währungshüter. Die US-Notenbank hatte auf ihrer jüngsten Sitzung noch einmal den Leitzins gesenkt und für 2025 eine langsamere Lockerung ihrer Geldpolitik signalisiert.
Derweil kam am Morgen von der krisengeschüttelten deutschen Industrie die nächste Hiobsbotschaft: Ihre Aufträge fielen im November um 5,4 Prozent geringer aus als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Ökonomen hatten lediglich mit einer Stagnation gerechnet. Allerdings ist das Bild durch Großaufträge verzerrt: Werden diese ausgeklammert, wären die Bestellungen um 0,2 Prozent gewachsen.
"Entscheidend sind die Orders ohne die stark schwankenden Großaufträge", sagte Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer dazu. "Und diese Kerngröße bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau seitwärts."
Im frühen Devisenhandel büßt der Euro 0,1 Prozent ein auf 1,0332 Dollar. Wenig Bewegung auch beim Goldpreis: Eine Feinunze des gelben Edelmetalls kostet am Morgen 2.652 Dollar und damit 0,1 Prozent mehr als am Vorabend.
Auf dem Rohstoffmarkt ziehen die Ölpreise an, da sich das Angebot aus Russland und den OPEC-Ländern verknappt, während Daten über einen unerwarteten Anstieg der offenen Stellen in den USA auf eine anziehende Konjunktur und damit eine steigende Ölnachfrage hindeuten. Rohöl der Nordseesorte Brent verteuert sich um 0,4 Prozent auf 77,32 Dollar je Barrel (159 Liter). US-Öl der Sorte WTI notiert 0,5 Prozent fester bei 74,60 Dollar.
Im DAX könnte die VW-Aktie einen Blick wert sein. Die Führungsetage von Volkswagen will sich mit einem millionenschweren Gehaltsverzicht am Sparprogramm des Konzerns beteiligen. Das Management werde bis 2030 voraussichtlich insgesamt einen Beitrag von über 300 Millionen Euro leisten, sagte VW-Personalvorstand Gunnar Kilian der Braunschweiger Zeitung/Wolfsburger Nachrichten.
Tarifrunde bei Deutscher Post beginnt
Für die 170.000 Postboten, Paketzusteller und anderen Beschäftigten der Deutschen Post beginnen heute die Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft verdi fordert unter anderem sieben Prozent mehr Lohn und weitere Urlaubstage bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. "Nur mit deutlichen Lohnsteigerungen für die Beschäftigten lassen sich die noch immer hohen Kosten und Lebensmittelpreise bewältigen", sagte verdi-Verhandlungsführerin Andrea Kocsis laut Mitteilung.
Bei Teamviewer sind die Geschäfte besser gelaufen als erwartet. Nach ersten Berechnungen erzielte der Spezialist für Fernwartungssoftware 2024 einen Umsatzanstieg um neun Prozent auf etwa 671 Millionen Euro und übertraf damit das ausgegebene Ziel von 662 bis 668 Millionen. Haupttreiber seien Vertragsabschlüsse mit Großkunden in den letzten Wochen des vierten Quartals gewesen.
Nach Zahlen zum Neugeschäft geht die Bodenbildung bei Grenke mit Kursgewinnen weiter. Grenke schloss im abgelaufenen Jahr trotz der schwierigen Konjunktur so viel Neugeschäft ab wie nie zuvor. Ein Händler lobte die Margenentwicklung im vierten Quartal. Die Aktien, die Ende Oktober im Zuge einer Gewinnwarnung abgestürzt waren, versuchen sich seither zu stabilisieren.
Der südkoreanische Technologiekonzern Samsung hat sein operatives Ergebnis im vierten Quartal 2024 deutlich gesteigert, die Gewinnschätzungen der Analysten aber klar verfehlt. Samsung rechnet für das Quartal von Oktober bis Dezember mit einem Ergebnis von 6,5 Billionen Won (rund 4,3 Milliarden Euro) - das liegt deutlich unter der durchschnittlichen Analystenschätzung von 7,7 Billionen Won (rund 5,1 Milliarden Euro).
Der US-Ölriese ExxonMobil rechnet wegen deutlich niedrigerer Margen im Raffineriegeschäft und Schwächen in allen Geschäftsbereichen mit einem deutlichen Gewinneinbruch im vierten Quartal. Insgesamt erwarte der Konzern ein Minus von rund 1,75 Milliarden Dollar im Vergleich zum dritten Quartal, teilte das Unternehmen gestern in einer Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC mit.