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Marktbericht: DAX-Korrektur in vollem Gange



marktbericht

Stand: 27.01.2025 09:59 Uhr

Das vorläufige Ende der Trump-Euphorie an den Börsen ist eingeläutet. Der DAX startet mit deutlichen Kursverlusten in die neue Börsenwoche. Wie tief kann der deutsche Börsenindex jetzt fallen?

Die Konsolidierung der Rekordrally im DAX ist angelaufen. Nach dem Turnaround am Rekordhoch bei 21.520 Punkten am Freitag weitet der deutsche Leitindex seinen Rücksetzer zu Beginn der neuen Börsenwoche aus. Im frühen XETRA-Handel rauscht der DAX um 1,1 Prozent auf 21.155 Punkte nach unten.

So tief kann der DAX nun fallen

Anleger rätseln: Wo kann der DAX jetzt Halt finden? Eine Antwort darauf gibt die Charttechnik. So stellt die untere Begrenzung der jüngsten Aufwärtskurslücke (21.046 zu 21.262 Punkte) eine erste Auffangzone dar. Das alte Rekordlevel bei 20.523 Punkten stecke dann eine weitere Unterstützung ab, erläutert Jörg Scherer, Leiter Technische Analyse HSBC.

Auch an der Wall Street dürfte es heute mächtig bergabgehen, darauf deuten die US-Futures hin. Besonders hohe Verluste von 2,6 Prozent verzeichnet dabei der Future auf den technologielastigen Nasdaq 100, während der Dow-Future um 0,9 Prozent fällt. Bereits zum Wochenschluss hatten die großen US-Börsenindizes deutlich nachgegeben.

Ein Dämpfer für die hoch bewerten US-Technologie-Papiere kommt zum Wochenstart aus China. Die Einführung eines kostenlosen und offenen Modells für Künstliche Intelligenz (KI) durch das chinesische Startup DeepSeek, das mit ChatGPT von OpenAI konkurrieren soll, hat laut Anysten die Angst vor einer Disruption der Technologielandschaft geschürt.

"Es herrscht die Ansicht, dass das (Open-Source-KI-Modell) von DeepSeek das beste der Welt werden könnte", sagte Yeap Jun Rong von der IG Bank. Es scheine "einige Bedenken über die Dominanz der US-Technologie zu geben", was "die hohe Bewertung von Technologieunternehmen auf den Prüfstand" stelle.

An den asiatischen Märkten stand zu Wochenbeginn der DeepSeek-Erfolg im Fokus, der Chinas Technologiewerte stützte und für Verluste im japanischen Technologiesektor sorgte. Der japanische Leitindex Nikkei 225 beendete den Handel mit einem Minus von 0,9 Prozent auf 39.565 Punkte.

Der CSI 300 mit den 300 wichtigsten chinesischen Festlandwerten sank um 0,4 Prozent, während der Hang Seng der chinesischen Sonderverwaltungsregion Hongkong im späten Handel um 0,6 Prozent stieg.

Mit Blick auf die konjunkturelle Lage hierzulande bleiben Experten derweil skeptisch. Im Fokus steht im weiteren Handelsverlauf der ifo-Geschäftsklimaindex, der wohl wichtigste deutsche Konjunkturfrühindikator. "Die Stimmung der Unternehmen in Deutschland ist schlecht, und daran dürfte sich auch im Januar nichts Grundlegendes geändert haben", betont Ulrich Kater von der Dekabank. Der Chefvolkswirt prognostiziert den Index weitgehend stabil auf niedrigem Niveau.

Im frühen Devisenhandel kann der Euro seine jüngsten Kursgewinne zum Dollar weitgehend verteidigen. Die europäische Gemeinschaftswährung tendiert bei 1,0465 Dollar seitwärts. Die Feinunze Gold kostet am Morgen 2.750 Dollar und damit 0,6 Prozent weniger.

Am Rohstoffmarkt stehen die Ölpreise weiter unter Druck, nachdem US-Präsident Donald Trump die OPEC erneut zu Preissenkungen gedrängt hat. Rohöl der Nordseesorte Brent verbilligt sich aktuell um 0,5 Prozent auf 77,19 Dollar je Barrel (159 Liter).

Die steigende Risikoaversion der Anleger spiegelt sich derweil auch am Krypto-Markt wider: Zu Wochenbeginn ist der Preis für die älteste und wichtigste Cyberdevise, den Bitcoin, unter die viel beachtete Marke von 100.000 Dollar gefallen. Die von Trump entfachte Euphorie am Krypto-Mark hatte zuletzt merklich nachgelassen.

Im DAX steht BASF im Fokus. Abschreibungen und Restrukturierungskosten haben das Ergebnis des Chemiekonzerns im vergangenen Jahr belastet. So fiel das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) vorläufigen Zahlen zufolge von 2,2 Milliarden auf 2,0 Milliarden Euro. Dies lag deutlich unter den Analystenerwartungen, die im Konsens mit 3,2 Milliarden Euro gerechnet hatten.

Der größte deutsche Wohnimmobilienkonzern Vonovia kann seine Tochter Deutsche Wohnen wie geplant noch enger an sich binden. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung stimmten 99,97 Prozent des anwesenden Grundkapitals für einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag und die damit verbundene Kapitalerhöhung.

Der Medienkonzern ProSiebenSat.1 muss sich einen neuen Aufsichtsratsvorsitzenden suchen. Andreas Wiele beabsichtige, mit der Beendigung der ordentlichen Hauptversammlung am 28. Mai 2025 aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden, teilte das Unternehmen mit. Die Suche nach einem Nachfolger werde unmittelbar eingeleitet.

Der Industrie- und Autozulieferer Stabilus ist vor allem dank der Konsolidierung der Tochter Destac gewachsen und hat dabei mehr verdient. Der Umsatz wuchs im ersten Quartal um 6,7 Prozent auf 326 Millionen Euro, der Gewinn stieg auf 14,3 Millionen Euro von 12,2 Millionen Euro. Im Stammgeschäft musste der im SDAX notierte Konzern allerdings Federn lassen.

Ryanair kappt wegen der verzögerten Lieferung neuer Boeing-Flugzeuge erneut seine Passagierprognose. Statt mit 210 Millionen rechnet der Vorstand nun mit 206 Millionen Passagieren für das nächste Geschäftsjahr (per Ende März 2026). Ursprünglich hatte die Airline 215 Millionen Reisende angepeilt, diese Erwartung aber bereits im November wegen der Boeing-Probleme runtergeschraubt.

Die Kaffeehaus-Kette Starbucks schwört so sehr auf ihren neuen Chef Brian Niccol, dass sie sich seine Verpflichtung 80 Millionen Dollar extra kosten ließ. Niccol bekam Starbucks-Aktienoptionen in diesem Wert, weil er durch den Wechsel das Anrecht auf ein ähnliches Paket bei seinem vorherigen Arbeitgeber verlor - der auf mexikanisches Essen spezialisierten Fast-Food-Kette Chipotle.

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