Die Proteste gegen die Inhaftierung von Istanbuls Ex-Bürgermeister Ekrem Imamoglu gehen weiter – auch die Festnahmen von Kritikern und Journalisten. Nun trifft es einen schwedischen Reporter.
Wegen Terrorvorwürfen ist ein schwedischer Journalist in der Türkei festgenommen worden. Die Behörden beschuldigen ihn der Mitgliedschaft in einer bewaffneten terroristischen Organisation sowie der Beleidigung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu.
Kaj Joakim Medin, der für die schwedische Tageszeitung "Dagens ETC" arbeitet, war kurz nach seiner Landung in Istanbul am Donnerstag festgenommen worden, wie die Zeitung zunächst berichtete. Später wurde er offiziell verhaftet, nachdem er per Videokonferenz vor einem Gericht in Ankara erschienen war, berichtete Anadolu am Freitagabend weiter.
Türkische Oppositionspartei fordert Freilassung Imamoglus
Seit Beginn der Proteste in der Türkei gegen die Inhaftierung des mittlerweile abgesetzten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem Imamoglu wurden neben Demonstranten und Regierungskritikern auch Journalisten festgenommen. Am Donnerstag etwa wurde ein BBC-Reporter nach seiner Festnahme aus der Türkei abgeschoben. Er hatte sich nach Angaben des britischen Senders mehrere Tage im Land aufgehalten, um über die Proteste zu berichten.
Derweil gehen die Proteste gegen die Inhaftierung Imamoglus weiter. Auch für heute ist eine Großkundgebung in Istanbul angekündigt. Auf ersten Fotos waren zahlreiche Menschen mit Flaggen der größten türkischen Oppositionspartei CHP zu sehen. Die CHP will erreichen, dass Imamoglu – ihr Präsidentschaftskandidat – freigelassen wird.
Zu dem Massenprotest im Stadtteil Maltepe wurden Tausende Menschen erwartet. Die Demonstranten werfen dem autoritär regierenden Erdogan vor, Imamoglu mit Hilfe der Justiz politisch kaltstellen und sich so seines wichtigsten Rivalen entledigen zu wollen.
Festnahme im Zuge laufender Ermittlungen
Der Journalist Medin wurde Anadolu zufolge im Rahmen einer laufenden Ermittlung türkischer Behörden zu einer Demonstration 2023 in Stockholm festgenommen, bei der ein Bildnis von Erdogan an der Außenseite des Rathauses aufgehängt wurde. Anadolu zitierte zudem Behörden, wonach der Schwede in den sozialen Medien Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK verbreitet haben soll.
Die Behörden beriefen sich auch auf Medins Berichterstattung aus Konfliktgebieten in Syrien, der PKK-Hochburg im Irak und dem Südosten der Türkei zwischen 2014 und 2017. Der Chefredakteur von Medins Zeitung, Andreas Gustavsson, schrieb auf der Plattform X: "Ich weiß, dass die Anschuldigungen falsch sind. Hundertprozentig falsch."
Der Deutsche Journalisten-Verband verurteilte das Vorgehen der türkischen Behörden scharf. DJV-Bundesvorsitzender Mika Beuster sagte, willkürliche Verhaftungen türkischer Journalisten seien zur traurigen Routine geworden. "Die Inhaftierung von ausländischen Korrespondenten markiert eine neue Eskalationsstufe und verdeutlicht die Nervosität des Präsidenten." Die Wahrheit könne jedoch nicht unterdrückt werden. "Wir Journalisten beobachten genau, was in der Türkei geschieht, und lassen uns nicht zum Schweigen bringen."