Winter und Frühling waren in Deutschland sehr trocken. Was das bedeutet, kann man am Rhein beobachten: Die Pegel sinken deutlich – aber was sind die Folgen?
Nach dem trockenen Wetter der vergangenen Wochen beeinträchtigen niedrige Pegelstände die Schifffahrt auf dem Rhein. Laut Händlern müssen Frachtschiffbetreiber erneut Zuschläge auf die Frachtraten erheben, da die Schiffe nicht voll beladen fahren können. Dies führt zu höheren Transportkosten.
"Schiffe können auf den meisten Abschnitten des Flusses, einschließlich Duisburg und Kaub, nur zu etwa 40 bis 50 Prozent beladen fahren", sagte ein deutscher Getreidehändler am Donnerstag. "Wir müssen für zwei Schiffe statt eines bezahlen oder auf teuren Straßentransport umsteigen." Es gebe einen regelrechten Wettbewerb um die noch verfügbaren Schiffe.
Die Wettervorhersage für die kommenden Tage deutet darauf hin, dass die Trockenheit in den Flusseinzugsgebieten weiter anhalten wird, sodass keine schnelle Besserung der Lage zu erwarten ist.
Noch können Konzerne den niedrigen Rheinpegel verkraften
Der Regenmangel im März und April hat die Wasserstände auf dem gesamten Fluss südlich von Duisburg und Köln, einschließlich der Engstelle Kaub, stark sinken lassen. In dieser Woche fielen die Pegel erneut. Die Marktpreise für einen Tankschiff-Frachter von Rotterdam nach Karlsruhe stiegen am Donnerstag auf etwa 46 Euro pro Tonne Fracht, nach 34 Euro in der Vorwoche. Der Rhein ist ein wichtiger Transportweg für Güter wie Getreide, Kohle, Benzin und Heizöl.
Nach einer Dürre- und Hitzewelle im Sommer 2022 sahen sich deutsche Unternehmen mit Versorgungsengpässen und Produktionsproblemen konfrontiert, weil die Wasserstände auf dem Rhein ungewöhnlich niedrig waren. Der Chemiekonzern BASF – dessen größtes Werk in Ludwigshafen rund 40 Prozent der Rohstoffe über den Fluss erhält – hatte sich nach dem Extrem-Niedrigwasser 2018 mit speziellen Niedrigwasser-Schiffen gewappnet. BASF erklärte nun, die derzeitige Niedrigwasserlage sei beherrschbar. Die Rohstoffversorgung und die Belieferung der Kunden seien gesichert, da die Logistik auf schwankende Pegelstände eingestellt sei.
Der Spezialchemiekonzern Lanxess erklärte, dass der Niedrigwasserstand bislang keine gravierenden Auswirkungen auf die Schiffsversorgung seiner Werke in Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen habe. Aufgrund des geringeren Tiefgangs der Schiffe müsse jedoch derzeit mehr Transportkapazität bereitgestellt werden, um dieselbe Menge an Fracht umzuschlagen. Sollte das Wasser weiter sinken, werde man auf alternative Transportmittel wie Lkw ausweichen.
"Wir haben derzeit keine Probleme mit unserer Rohstoffversorgung", erklärte der Stahlriese Thyssenkrupp Steel Europe. "Effekt des niedrigen Pegelstandes ist, dass wir etwas öfter fahren und die Schiffe etwas weniger beladen." Deutschlands größter Stromerzeuger RWE gab ebenfalls Entwarnung. Der Versorger betreibe in Deutschland nur noch Braunkohlekraftwerke, für deren Versorgung die Kohle direkt per Bahn aus den nahegelegenen Tagebauen zu den Kraftwerken transportiert werde. Zur Kühlung werde Sümpfungswasser aus den Tagebauen genutzt, sodass der Kraftwerksbetrieb bei RWE nicht von unterschiedlichen Wasserständen des Rheins betroffen sei.