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US-Handelsminister: Verhandlungen denkbar - aber nur unter Bedingungen



Stand: 03.04.2025 21:02 Uhr

Die US-Zölle versetzen die Weltwirtschaft schon am ersten Tag in Unruhe: Auch an der Wall Street brachen die Kurse ein. US-Handelsminister Lutnick stellte derweil Verhandlungen in Aussicht - aber nur mit Staaten, die den US-Forderungen nachgeben.

US-Handelsminister Howard Lutnick geht nach der Verkündung des gewaltigen Zollpakets davon aus, dass betroffene Länder ihre Handelspolitik überdenken. "Ich erwarte, dass die meisten Länder beginnen werden, ihre Handelspolitik gegenüber den Vereinigten Staaten von Amerika genauer zu prüfen und aufhören, uns zu schikanieren", sagte Lutnick im US-Fernsehen. "Das ist die Neuordnung des fairen Handels."

Dass Trump ganz von den Zöllen abrücke, schloss er aus. Der US-Präsident werde die Ankündigungen des Vortages nicht zurücknehmen, sagte Lutnick dem Sender CNN. Trump werde auch nur verhandeln, wenn andere Länder ihre Zölle und andere Handelshemmnisse abbauen. "Und nur dann wird Donald Trump mit jedem Land einen Deal machen, wenn sie wirklich ihr Verhalten ändern."

Lutnick ließ offen, ob die USA im Gegenzug ihre Zölle senken würden. "Wir sprechen mit allen großen Ländern der Welt. Wir führen diese Gespräche seit über einem Monat." Das Zollpaket sei absehbar gewesen. Die entscheidende Frage sei, ob andere Länder die USA künftig "fair behandeln" würden. "Die Antwort ist, dass dies mit der Zeit geschehen wird - amerikanische Produkte werden sich besser auf den Weltmärkten verkaufen."

Trump-Sprecherin: "Es geht nicht um Verhandlungen"

Trumps Sprecherin Karoline Leavitt ließ hingegen offen, inwieweit die US-Regierung nun zu Verhandlungen über die Zölle bereit ist. "Der Präsident hat gestern klargestellt, dass es nicht um Verhandlungen geht", sagte sie. Trump sei aber "immer bereit, ans Telefon zu gehen, um Anrufe zu beantworten". Allerdings hätten die Handelspartner 70 Jahre Zeit gehabt, das Richtige zu tun. "Sie haben sich dagegen entschieden. Sie haben die amerikanischen Arbeiter über den Tisch gezogen, sie haben unsere Arbeitsplätze ins Ausland verlagert. Der Präsident hat dem gestern ein Ende bereitet."

Trump selbst verglich seine weltweiten Zölle mit einer riskanten, aber notwendigen medizinischen Operation für die heimische Wirtschaft: "Der Patient lebt und erholt sich", schrieb er in Großbuchstaben auf seiner Onlineplattform Truth Social. Seine Prognose laute: Der Patient werde künftig "stärker, größer, besser und widerstandsfähiger" sein.

Dow Jones bricht ein

Von Erholung ist an der US-Börse noch keine Spur. Nach Handelsbeginn sind die Aktienkurse an der Wall Street deutlich eingebrochen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte fiel um drei Prozent auf 41.173 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 gab 3,7 Prozent auf 5.461 Punkte nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq brach um 4,8 Prozent auf 16.760 Punkte ein und steuerte auf seinen schwärzesten Tag seit Beginn der Corona-Pandemie im März 2020 zu.

WTO rechnet mit weltweiten Rückgang im Warenhandel

Die Welthandelsorganisation (WTO) fürchtet wegen der geplanten und bereits eingeführten US-Zölle einen Rückgang im weltweiten Warenhandel um ein Prozent. Das entspreche einer Korrektur der aktuellsten Prognose um 4 Prozentpunkte nach unten, teilte WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala mit. Sie äußerte sich tief besorgt. Die Situation könnte mit möglichen Vergeltungsmaßnahmen zu einem Zollkrieg eskalieren, der den Handel dann weiter beeinträchtige.

Mexiko sucht nach Zollerleichterungen für Autobauer

Andere Länder diskutieren, wie sie auf die Zölle reagieren wollen. Mexiko etwa sucht nach Wegen, um die Folgen für deutsche Autobauer in dem lateinamerikanischen Land zu minimieren. Laut Präsidentin Claudia Sheinbaum sind Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz bereit, ihre Produktion anzupassen, um die Ursprungsregeln des nordamerikanischen Freihandelsabkommens USMCA einzuhalten. Mexiko wolle mit Washington weiter über eine Präferenzbehandlung für Autoimporte im Rahmen des Abkommens verhandeln.

Das Abkommen hatte Importe von Zöllen befreit, wenn der Wertschöpfungsanteil in Nordamerika bei mindestens 75 Prozent liegt. Trump verhängte aber trotzdem Zölle von 25 Prozent auf Autoimporte, für Autoteile gilt unter USMCA zunächst eine Sonderregelung.

Kanada erhebt Gegenzölle auf US-Autoimporte

Kanada reagierte bereits und verhängte Gegenzölle auf bestimmte Fahrzeugimporte aus den Vereinigten Staaten. Ottawa werde alle Autos, die nicht im Rahmen des nordamerikanischen Handelspaktes USMCA produziert wurden, mit 25 Prozent Einfuhrgebühren belegen, kündigte der kanadische Ministerpräsident Mark Carney an.  Die Maßnahmen sollten maximalen Schaden für die US-Wirtschaft anrichten, die kanadische Ökonomie aber so weit wie möglich verschonen.

Kritik kam auch aus Frankreich: Präsident Emmanuel Macron sprach von einer "brutalen und unbegründeten Entscheidung". Von den Waren im Wert von 500 Milliarden Euro, die die Europäer in die USA exportieren, seinen mehr als 70 Prozent von den Zöllen betroffen. "Wie man sieht, ist dies eine massive Auswirkung, die alle Sektoren der europäischen Wirtschaft und des Exports betreffen wird."

Meloni: "Das ist keine Katastrophe"

Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni warnte hingegen: "Wir dürfen keinen Alarmismus schüren, es ist keine Katastrophe." Die angekündigten Handelszölle seien ein Fehler, aber ihre Auswirkungen sollten nicht überschätzt werden und die Reaktion müsse sorgfältig abgewogen werden, sagte sie in einem Interview mit dem staatlichen italienischen Fernsehsender RAI. "Ich bin nicht davon überzeugt, dass man auf Zölle am besten mit anderen Zöllen reagieren sollte."

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