23 hours ago

"Liberation Day": Trumps Zölle: Welche gelten schon und was noch auf uns zukommen könnte



US-Präsident Donald Trump hat den 2. April kürzlich als "Befreiungstag" bezeichnet – er dürfte seine aggressive Zollpolitik fortsetzen. Ein Überblick.

Trump nennt diesen Tag "Befreiungstag": Der US-Staatschef hat Pläne für weitreichende sogenannte reziproke Zölle unterzeichnet, die US-Gegner wie Verbündete treffen könnten. Als Gründe führt er "unfairen Handel", mangelnde Bekämpfung der irregulären Migration und den Schmuggel der tödlichen Droge Fentanyl in die USA an.

Die Idee ist, dass ein Produkt eines Landes bei Lieferung in die USA mit ebenso hohen Aufschlägen belastet wird, wie ein gleiches US-Produkt bei Lieferung in dieses Land. Allerdings wollen die USA dabei nicht nur die Zölle, sondern auch sogenannte nichttarifäre Handelshemmnisse wie etwa Subventionen oder Regularien in die Kalkulation mit einbeziehen.

Venezuela und Russland

Zudem kündigte Trump für den 2. April einen drastischen Strafzoll gegen Länder an, die Öl und Gas aus Venezuela beziehen. Diese Maßnahme könnte insbesondere China und Indien hart treffen, wohin das südamerikanische Land unter dem Druck von US-Sanktionen einen Teil seiner Exporte verlagert hatte.

Mit seiner Zollpolitik will Trump auch in den Ukraine-Konflikt eingreifen. Er drohte dem russischen Präsidenten Wladimir Putin für den Fall, dass es keine Einigung für ein Ende des Krieges gibt, die Käufer von russischem Erdöl mit Zöllen zu belegen.

Autos und Autoteile

Ende März kündigte Trump zusätzliche Zölle auf Auto-Importe an, die ab dem 3. April fällig werden. Die Aufschläge gelten für Autos und leichte Nutzfahrzeuge. Auch Autoteile sollen später darunter fallen. Für Fahrzeugimporte, die unter das nordamerikanische USMCA-Freihandelsabkommen mit Kanada und Mexiko fallen, kann je nach in den USA produziertem Anteil ein niedriger Zollsatz gelten.

Stahl und Aluminium

Seit dem 12. März gelten US-Zölle von 25 Prozent auf Stahl- und Aluminium-Einfuhren. Die USA importieren etwa die Hälfte des im Land genutzten Stahl und Aluminiums. An erster Stelle der Lieferanten steht Kanada, danach folgt Brasilien, dann die EU.

Kanada reagierte mit zusätzlichen Aufschlägen auf US-Waren im Wert von fast 21 Milliarden Dollar, darunter Stahl- und Aluminiumprodukte und unterschiedliche Güter wie Computer und Sportausrüstung. Die Provinz Ontario verlangte zwischenzeitlich eine Zuzahlung von 25 Prozent auf Stromexporte in drei US-Bundesstaaten, woraufhin Trump eine Verdopplung der Stahlzölle androhte. Beide Seiten zogen ihre Drohung später zurück.

Die EU antwortete ebenfalls mit Gegenmaßnahmen auf ausgewählte US-Produkte wie Jeans, Whiskey und Motorräder, die zunächst ab dem 1. April greifen sollten. Ihr Start wurde aber auf Mitte April verschoben, es soll noch verhandelt werden. Brüssel will die Aufschläge gegebenenfalls ausweiten.

Wein, Champagner und andere Alkoholika

Ein Grund für die Verschiebung dürfte Trumps Androhung von Zöllen in Höhe von 200 Prozent auf alkoholische Getränke wie Wein und Champagner sein. Das wäre ein enormer Schlag für den europäischen Markt: Europa lieferte laut Welthandelsorganisation WTO 2023 Wein und Champagner im Wert von fast 5,2 Milliarden Euro in die USA. Trumps Drohung war eine Antwort auf die Gegenmaßnahmen der EU, etwa die Zölle auf Whisky.

Das nordamerikanische Hin und Her

Die ersten Zölle trafen kurz nach Trumps Amtseinführung die beiden nordamerikanischen Freihandelspartner der USA, Mexiko und Kanada. Strafzölle in Höhe von meist 25 Prozent sollten zunächst ab dem 1. Februar fällig werden. Doch nur Stunden vor Inkrafttreten stimmte Trump einem Aufschub um einem Monat zu.

Einen Monat später, am 4. März, traten die US-Zölle auf mexikanische Einfuhren sowie kanadische Importe dann in Kraft - bis Trump sie drei Tage später in den meisten Fällen wiederum für einen Monat aussetzte. Der Aufschub gilt für Produkte, die unter das Freihandelsabkommen USMCA fallen. Daraufhin verschob Kanada seinerseits eine zweite Runde von Vergeltungsaufschlägen auf US-Waren in Höhe von umgerechnet 87 Milliarden Dollar.

China

China erhielt von Trump keinen Aufschub. Seit dem 4. Februar gelten zusätzlich Zölle von zehn Prozentpunkten auf chinesische Importe in die USA, am 4. März wurden sie auf 20 Prozent erhöht. China ist das Land, mit dem die USA das größte Handelsdefizit haben.

Peking reagierte mit Gegenmaßnahmen und verhängte neue Zölle von zehn und 15 Prozent auf eine Reihe landwirtschaftlicher Produkte wie Sojabohnen und Hirse sowie Energieprodukte aus den USA.

Gesamten Artikel lesen





© Varient 2025. All rights are reserved