
Kurz vor dem Dreikönigstreffen der FDP geht der frühere Bundesinnenminister Baum hart mit dem eigenen Parteichef ins Gericht. Lindners Verhalten beim Ampel-Aus habe in zutiefst verstört, die Partei befinde sich inzwischen in der Selbstisolation.
Der ehemalige Bundesinnenminister Gerhart Baum hat Parteichef Christian Lindner für seine positiven Aussagen zu Elon Musk kritisiert. "Über die Annäherungsversuche von Lindner an Elon Musk sind meine Freunde und ich entsetzt. Ein Milliardär steigt in den Wahlkampf von Trump ein, er macht aus Politik ein persönliches Geschäft, um sich zu bereichern. Das ist doch irre!", sagte Baum im Interview mit der "Zeit".
"Hauptsache Staatsausgaben senken, Hauptsache Behörden zurechtstutzen - das ist doch kein Liberalismus mehr, sondern eine vulgäre Kettensägenideologie. Und nun gibt Musk auch noch eine Wahlkampfempfehlung für Deutschland ab: FDP? Nein, AfD!", so der Liberale.
Ferner kritisierte Baum Ausrichtung und Führungsstil des Parteichefs. "Unter Lindner sind parteiinterne Diskussionen von der Furcht geprägt, durch sie entstünde etwas Schädliches", sagte er. "Dabei ist der Diskurs das Lebenselixier für die Demokratie. Ohne Diskurs stirbt die Partei." Angesprochen auf das Verhalten der FDP-Führung beim Ende der Ampelkoalition sagte Baum, das Verhalten des Vorsitzenden habe ihn zutiefst verstört. "Lindners Denke ist machtorientiert, auch innerparteilich."
Baum würdigte Lindner dafür, dass er die FDP in den Bundestag zurückgebracht habe. "Aber danach hat er sie in die Selbstisolation geführt." Die Partei habe sich zu sehr auf eine Führungsfigur reduziert. "Wo ist die personelle Vielfalt? Wo ist die kämpferische Frau?" Angesprochen auf die FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann erwiderte er: "Sie ist nicht sichtbar in der Außenpolitik." Nötig sei eine Vielfalt der Gesichter, die man mit bestimmten Themen verbindet. "Die Verengung auf ökonomische Ziele ist eine Verarmung des Liberalismus."
Die FDP kommt am Montag in Stuttgart zu ihrem traditionellen Dreikönigstreffen zusammen. Der 92 Jahre alte Baum gehört zu den prominentesten Liberalen. Er war von 1978 bis 1982 Bundesinnenminister.