
Nach einem russischen Raketenangriff auf die ukrainische Stadt Krywyj Rih äußern westliche Vertreter in den sozialen Medien Solidarität. Die US-Botschafterin in Kiew ist "entsetzt" - vergisst aber, den Schuldigen zu benennen, wie der ukrainische Präsident Selenskyj beanstandet.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Reaktion der Kiewer US-Botschaft auf den jüngsten russischen Raketenangriff in Krywyj Rih als "schwach" verurteilt. Bei einem russischen Raketenangriff auf die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten sind nach ukrainischen Angaben 18 Menschen getötet worden. Mindestens 62 weitere Menschen wurden verletzt, darunter zwölf Kinder.
Am Samstag schrieb Selenskyj in einem Post auf X: "Es ist von entscheidender Bedeutung, dass dieser russische Angriff auf Zivilisten und die Stadt - jeder dieser Angriffe - nicht ohne eine Reaktion der Welt bleibt. Krywyj Rih und die gesamte Ukraine wurden gestern und heute bereits von vielen unterstützt." Er bedankte sich für die Solidarität aus Tschechien, Finnland, Litauen, Lettland, Estland und Österreich und der EU sowie Japan, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz und Deutschland.
Weiter heißt es in dem Post: "Leider ist die Reaktion der US-Botschaft überraschend enttäuschend - ein so starkes Land, ein so starkes Volk und doch eine so schwache Reaktion. Er kritisierte US-Botschafterin Bridget Brink insbesondere dafür, dass sie Russland nicht explizit als Verursacher des Angriffs mit 18 Toten genannt habe. "Sie haben Angst, das Wort 'russisch' auch nur auszusprechen, wenn sie über die Rakete sprechen, die Kinder getötet hat", heißt es in dem Post weiter.
Entsetzen ohne Anklage
Brink hatte am Freitagabend erklärt, sie sei "entsetzt" über den Angriff mit einer Rakete, die "neben einem Spielplatz und einem Restaurant" in Krywyj Rih eingeschlagen sei. Sie verwies darauf, dass unter den Todesopfern auch Kinder waren. "Darum muss der Krieg enden", fügte die Botschafterin hinzu. Russland als Angreifer nannte sie nicht.
Brink war vom ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden berufen worden und ist seit Mai 2022 Botschafterin in der Ukraine. Bis Mitte Februar hatte sie regelmäßig Russland als Aggressor genannt. In jüngeren Onlinebotschaften, nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump, tat sie dies nicht mehr.
Nach Angaben des Chefs der Militärverwaltung der Stadt, Oleksandr Wilkul, traf die Rakete ein Wohngebiet nahe eines Spielplatzes. Er sprach von einem "Massenmord an Zivilisten", der "Kinder, Familien, Senioren" getroffen habe. Für kommende Woche kündigte Wilkul drei Tage Trauer an. Krywyj Rih liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich der Frontlinie und zählte vor dem Krieg mehr als 600.000 Einwohner.
Das russische Verteidigungsministerium sprach von einem "Präzisionsangriff", der sich gegen ein Restaurant in der Stadt gerichtet habe, in dem sich "Kommandeure" und "westliche Ausbilder" getroffen hätten. Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hatte sich in den vergangenen Wochen für eine baldige Waffenruhe in dem seit mehr als drei Jahren andauernden Krieg eingesetzt. Russland lehnte eine von den USA und der Ukraine vorgeschlagene Feuerpause ohne Vorbedingungen allerdings ab.