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Album-Comeback nach sieben Jahren: Mumfords & Sons sind zurück



Mumford & Sons veröffentlichen nach sieben Jahren wieder ein Album. Hinter der britischen Folk-Rock-Band liegen turbulente Zeiten.

Mumford & Sons veröffentlichen am 28. März ihr fünftes Studioalbum. 2018 kam mit "Delta" ihr bis dato letztes Album, jetzt folgt "Rushmere", das für die Band eine neue Ära einleitet. Denn die Band besteht mit Sänger und Gitarrist Marcus Mumford, 38, Keyboarder Ben Lovett, 38, und Kontrabassist Ted Dwane, 40, jetzt als Trio. Banjospieler und Gitarrist Winston Marshall, 37, ist seit 2021 nicht mehr Teil der Band. Ein Rückblick.

Nach der Gründung 2007 folgte zwei Jahre später das Debütalbum von Mumford & Sons. "Sigh No More" lieferte Hits wie "Little Lion Man", "The Cave" oder "Winter Winds". Die Band brachte frischen Wind in die Folk-Szene, auch mit dem zweiten Album "Babel" (2012). Mit "Wilder Mind" (2015) und "Delta" schlugen die vier einen rockigeren Sound an, was nicht bei allen Fans gut ankam, die die Akustik-Klänge mit Banjo und Kontrabass vermissten. Doch das vierte Album schaffte es trotz dessen an die Spitze der US-Charts und auf Platz zwei der UK-Charts. Es sollte die letzte Platte mit Winston Marshall werden.

Ein Tweet mit Folgen

Der Musiker sorgte 2021 für öffentliche Diskussionen, nachdem er in einem inzwischen gelöschten Beitrag auf seinem X-Account den umstrittenen Journalisten Andy Ngo, 39, und dessen Buch "Unmasked" mit Kritik an der Antifa lobte. Es folgte eine Entschuldigung: "Ich habe nicht nur viele Leute beleidigt, die ich nicht kenne, sondern auch die, die mir am nächsten stehen, einschließlich meiner Bandkollegen, und das tut mir wirklich leid", schrieb Marshall laut "Rolling Stone" im März 2021. "Aufgrund meiner Aktionen nehme ich mir eine Auszeit von der Band."

Im Juni 2021 folgte ein längeres Statement, in dem der Gitarrist seinen Weggang von der Band bestätigte. "Ich konnte nicht vorhersehen, dass mein Kommentar zu einem Buch, das die extreme Linke kritisiert, als Zustimmung zur ebenso verabscheuungswürdigen extremen Rechten interpretiert werden könnte. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein." Trotz des Drucks, ihn "abzuservieren", hätten ihn seine Kollegen dazu eingeladen, in der Band weiterzumachen. "Das erforderte Mut, besonders im Zeitalter der sogenannten 'Cancel Culture'. Ich entschuldigte mich und erklärte mich bereit, vorübergehend einen Schritt zurückzutreten."

Danach sei ein weiterer "viraler Mob" hinter ihm her gewesen, "diesmal wegen der Sünde, mich zu entschuldigen. Dann folgten verleumderische Artikel, in denen ich als 'rechts' und dergleichen bezeichnet wurde." Für Marshall blieb aus seiner Sicht nur noch der Abschied aus der Band: "Ich könnte bleiben und mich weiterhin selbst zensieren, aber das würde meinen Sinn für Integrität untergraben. An meinem Gewissen nagen. Der einzige Weg nach vorne ist für mich, die Band zu verlassen." Er hoffe, dass er nun in der Lage sei, seine Meinung zu sagen, ohne dass die Band unter den Konsequenzen leiden müsse, "wenn ich mich von ihnen distanziere. Ich verlasse die Band mit Liebe in meinem Herzen und wünsche den drei Jungs nur das Beste. Ich habe keinen Zweifel daran, dass ihre Sterne noch lange in der Zukunft leuchten werden."

Wollte die Band seinen Abschied?

"Ich habe ihn wirklich angefleht, nicht zu gehen", gab Marcus Mumford 2022 in einem Interview mit "GQ" an. Er teile viele von Marshalls Überzeugungen nicht, aber man könne "unterschiedlicher Meinung sein und trotzdem zusammenarbeiten". Weiter erklärte er: "Ich glaube einfach nicht, dass es die Aufgabe von Musikern ist, all diese Gedanken zu haben. Und ich denke, Win sieht das wahrscheinlich genauso. [...] Das ist auch der Grund, warum er aufhören wollte. Weil er das Gefühl hatte, dass seine Prioritäten nicht mit der Art und Weise übereinstimmten, wie er über Dinge sprechen und sein Leben leben wollte. Und deshalb unterstütze ich ihn dabei, etwas anderes zu tun."

Im Januar 2024 blickte Winston Marshall im Podcast "Heretics." noch einmal zurück. "Ich habe diese Seite der Medien zuvor nicht gekannt", erklärte er über die Schlagzeilen über ihn. "Mein Bleiben in der Band war nicht mehr vertretbar, wenn ich weiter meine Meinung sagen will. Es hätte sie verletzt [die Bandkollegen, Anm. d. Red.]." Dass er zu der öffentlichen Entschuldigung gezwungen war, sei für ihn persönlich "sehr beschämend" gewesen. Er habe aber jetzt ein reines Gewissen, der Band gehe es gut, also habe sich alles ausgezahlt. Auf die Aussage des Podcast-Hosts, dass Marcus Mumford ihn angefleht habe, in der Band zu bleiben, antwortete Winston Marshall: "Es gab keinen Einwand, als ich die Situation erklärte. Ich wurde nicht gebeten, zu bleiben." Das ganze Ende sei traurig für ihn gewesen. "Aber wenn ich mich heute traurig fühle, denke ich auch an die 14 Jahre, die wir zusammen hatten und wie wunderbar sie waren. Die Jungs sind unglaublich talentiert, ich bin sicher, sie kommen gut ohne mich zurecht."

Wo alles begann

Der Musiker setzte sein Ansinnen, sich frei äußern zu wollen, in die Tat um. Er veröffentlichte die Podcasts "Marshall Matters" und später "The Winston Marshall Show". In letzterem begrüßte er vor wenigen Tagen besagten Andy Ngo.

Für Mumford & Sons folgte nach seinem Abschied die bisher längste Zeit ohne Albumveröffentlichung. Carey Mulligans, 39, Ehemann Marcus Mumford widmete sich einem Solo-Projekt und veröffentlichte 2022 sein Werk "Self-Titled". 2024 kam es zu einer Zusammenarbeit mit Pharrell Williams, 51, für den Song "Good People". Nun folgt also "Rushmere", das mit dem Titeltrack zurück an die Anfänge blickt. Denn Rushmere heißt ein kleiner Teich im Londoner Park Wimbledon Common. In der Ankündigung heißt es, dass Marcus Mumford, Ben Lovett und Ted Dwane dort zum ersten Mal über die Idee sprachen, zusammen eine Band zu starten. Auch der Sound von "Rushmere" und dem zweiten Vorab-Song "Malibu" deutet bereits eine Rückkehr zu den Mumford-&-Sons-Wurzeln an, was dem Trio den Erfolg sichern könnte.

Die Begeisterung für die starken Live-Performances der Band ist zumindest schon einmal ungebrochen. Bereits Anfang März spielten sie eine kleine Club-Tour und traten unter anderem im Berliner Metropol auf. Es folgt eine "Record Store"-Tour zum Album-Release in UK und eine Herbsttour in UK und Europa. Die Konzerte der Tournee in Großbritannien und Irland sind bereits ausverkauft, sodass die Band neue Termine in Newcastle und Leeds hinzufügte. Am 10. und 12. November 2025 können sich dann auch die deutschen Fans freuen. Dann kommt die Band in die Berliner Uber Arena und in die Kölner Lanxess-Arena.

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