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50. Geburtstag: Windows Vista ist nicht dabei: Microsofts zehn größte Flops



Vor 50 Jahren wurde Microsoft gegründet – und machte den PC zum Massenmedium. Doch der Konzern entwickelte auch einige Produkte, über die man lieber nicht mehr spricht.

Wohl kaum eine Firma hat ein so starkes Auf und Ab durchgemacht wie Microsoft in seiner jetzt fünfzigjährigen Geschichte: Mit Windows verhalf der Konzern dem PC zu seinem Durchbruch. Dann verschlief das Unternehmen aber zuerst die Internet– und dann die Smartphone-Revolution – um später als Cloud- und KI-Konzern wieder so richtig durchzustarten. So wurde es zu einem der heute wertvollsten Konzerne der Welt. Auf dem Weg griff man aber manchmal spektakulär daneben. Die schönsten Fails haben wir für Sie gesammelt.

Windows Bob

Einen der größten Flops leistete sich Microsoft schon vor 30 Jahren: Ein Betriebssystem namens Bob sollte 1995 den PC revolutionieren. Statt auf einer Desktop-Oberfläche klickte man sich durch eine Comic-Wohnung, die Suchfunktion übernahm Cartoon-Hund Rover. Das funktionierte so schlecht, dass die Software es auf die Liste der 50 schlechtesten Erfindungen aller Zeiten des "Time"-Magazins schaffte. Auch finanziell war es ein gigantischer Flop: Bob verkaufte sich weltweit insgesamt nur 30.000 Mal. Beim wenige Monate später erschienenen Windows 95 waren es 45 Millionen Verkäufe – in nur etwa 90 Tagen.

Windows Bob

Windows Phone

Auf lange Sicht noch schmerzhafter war aber das Scheitern im Smartphone-Bereich. Unter der Führung des damaligen CEO Steve Ballmer verschlief der Konzern komplett, wie revolutionär das iPhone war. Es habe ja nicht mal eine Tastatur, lästerte Ballmer und setzte weiter auf das auf Tastaturen optimierte Windows Mobile. Microsoft brauchte Jahre, um den technischen Rückstand aufzuholen. Der Zug war da aber längst abgefahren: Obwohl die gemeinsam mit Nokia entwickelten Lumia-Smartphones gute Hardware boten und Windows Phone einen eigentlich starken, eigenen Ansatz hatte, wurde es von den Kunden verschmäht. Wie sehr Microsoft scheiterte, zeigte der letzte Versuch im Smartphone-Markt: Das 2020 eingeführte Surface Duo setzte auf Android. Erfolg blieb ihm trotzdem versagt.

Zune

Es war nicht das erste Mal, dass Microsoft erfolglos Apple hinterher hechelte: Als der Konkurrent mit dem iPod den Musikmarkt aufmischte, wollte auch Microsoft sein Stück vom Kuchen. Der Zune genannte MP3-Player des Konzerns ging nach der Vorstellung schnell viral – weil sich die Internetnutzer über die Farbwahl amüsierten. Neben Schwarz und Weiß gab es ihn nämlich auch in einem viel kritisierten Braun. Technisch hatte der Zune und seine zwei Nachfolger durchaus etwas auf dem Kasten, erlaubte etwa das Teilen von Songs per WLAN. Die Kunden blieben aber aus. Nach fünf Jahren kündigte Microsoft an, keine weiteren Geräte mehr herzustellen. 

Microsoft Kin

Der Konzern war von seiner Zune-Software so überzeugt, dass man sie sogar für einen weiteren Angriff auf Apple nutzen wollte: Unter dem Namen Kin veröffentlichte der Konzern zwei Smartphones, deren System auf Zune basierte. Dass Sie noch nie davon gehört haben, liegt wohl daran, dass der Kin wirklich spektakulär scheiterte: Die Verkäufe waren so schlecht, dass er nach nur 48 Tagen vom Markt genommen wurde. Vorher veröffentlichte der Konzern in den USA noch eine merkwürdige Werbekampagne, in der ein männlicher Teenager mit seinem Kin unter dem Shirt ein Foto seiner Brust machte und es an seine ebenfalls minderjährige Freundin schickte. Nach Kritik löschte das Unternehmen den Clip wieder.

Microsoft Kin SMartphoneMit dem Kin wollte Microsoft den Smartphone-Markt erobern – und nahm es nach 48 Tagen aus dem Handel
© Microsoft Corp.

Groove Music

Noch ein gescheitertes Projekt stammte vom Zune ab. Zuerst als "Zune Marketplace" gestartet sollte die später in "Groove Music" umbenannte Musikplattform zuerst iTunes und dann Spotify Konkurrenz machen. Dafür wurde sie auch in Windows und der Spielekonsole Xbox prominent platziert. Trotz Apps für iPhone, Android und 50 Millionen verfügbaren Songs blieb der Erfolg aber aus. 2017 zog Microsoft den Stecker.

Xbox Kinect

Auch Microsofts Konsole hat einen veritablen Flop zu verzeichnen. Nach dem Erfolg der Nintendo Wii wollte Microsoft gegenhalten. Der Konzern entwickelte mit Kinect eine Methode, die Konsole ohne Controller steuern zu können. Die Kinect-Sensoren sollten ein integraler Teil der Xbox One werden. Entsprechend wurde die Konsole zunächst nur im Kinect-Bundle verkauft. Das Problem: Damit war sie 100 Euro teurer als die konkurrierende Playstation 4. Hinzu kam, dass nur wenige Spiele die Gestensteuerung wirklich attraktiv eingebaut hatten. Als Microsoft erst ein Jahr später eine Xbox One ohne Kinect anbot, war das Rennen schon gelaufen: Die Playstation 4 verkaufte sich über die Jahre mehr als doppelt so oft. Die Entwicklung der Kinect-Sensoreinheit war immerhin nicht wertlos: Sie bildet einen wichtigen Baustein der AR-Brille Hololense. 

Surface RT 

Auch wenn Microsofts Surface-Geräte mittlerweile am Markt etabliert sind, war das nicht immer so. Mit dem Surface RT wollte es der Konzern 2012 mit dem iPad aufnehmen. Doch obwohl es ein technisch gutes Gerät war, blieben die Käufe aus. Als Microsoft im Juli 2013 knapp 900 Millionen Dollar Verlust in der Sparte verkündete, brach der Aktienkurs dramatisch ein: Mehr als 15 Milliarden Dollar oder 6 Prozent büßte der Börsenwert auf einen Schlag ein. Microsoft lernte seine Lektion – und konzentrierte sich bei den Surface-Tablets vor allem auf Konzern-Kunden.

Windows ME

Auch wenn viele Nutzer auf Windows Vista oder Windows 8 schimpften: So schlimm wie Windows ME war keines der beiden. Der Nachfolger von Windows 98 wurde zunächst eher positiv wahrgenommen. Weil das System aber mit extremen Stabilitäts-Problemen zu kämpfen hatte, drehte sich die Stimmung aber schnell. Heute gilt es als eines der schlechtesten Betriebssysteme aller Zeiten. Nach nur einem Jahr wurde es von Windows XP abgelöst.

Cortana

Schwere Patzer dieser Art leistete sich die Sprachassistentin Cortana zwar nie, ein Flop blieb sie aber trotzdem. Als Konkurrenz für Amazons Alexa, Apples Siri oder Googles Assistant gedacht, schaffte Cortana es nie, eine größere Nutzerbasis aufzubauen. Und das, obwohl sie tief in Windows und Xbox verankert wurde. Wie sehr Cortana gescheitert war, machte Microsoft im Jahr 2017 selbst klar. Damals kündigte man an, künftig auch Amazon Alexa als Alternative im System zu erlauben. Mittlerweile wurde Cortana aus vielen Microsoft-Programmen wie Outlook entfernt.

Bing

Den letzten Flop auf der Liste kann man Microsoft nicht einmal richtig vorwerfen. Die Suchmaschine Bing sollte es mit Google aufnehmen, aber schaffte es trotz Windows-Integration nie richtig aus den Startlöchern. Dabei funktioniert sie durchaus passabel, vor allem für Bildersuchen. Die Dominanz von Google – der Marktanteil liegt seit Jahrzehnten über 90 Prozent – konnte man einfach nie knacken. Aktuell dümpelt Bing bei etwa vier Prozent Marktanteil herum. 

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