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Reaktionen aus Russland: "Konsequenter Russenfeind" – Moskau ätzt gegen mögliche Merz-Regierung



Moskau hät sich offiziell bei der Kommentierung der Wahl zum Bundestag zurück. Doch die Kreml-Propagandisten feuern bereits gegen einen möglichen Kanzler Merz.

Ein offizielles Statement des Kremls oder von Putin gibt es noch nicht zur Wahl des neuen Bundestages. Von einer Gratulation an den Wahlsieger Friedrich Merz gar nicht zu reden. Doch schon vor dem Wahlsonntag schossen sich die Kreml-Propagandisten auf das wahrscheinliche Wahlergebnis ein. Allen voran die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Marija Sacharowa. 

Auf ihrem Telegram-Kanal rechnete sie mit Deutschland ab, machte dabei aber keinen Unterschied zwischen der Ampel und einer möglichen Merz-Regierung. Die deutliche Kritik aus Deutschland an den Ukraineverhandlungen zwischen Russland und den USA über die Köpfe der Ukrainer und der Europäer hinweg gab den Anlass. Der "Zeitenwende"-Kanzler habe sein Land "von einem wohlhabenden Leben 'erlöst'", ätzte Sacharowa. Geschickt spielte sie die Spaltung des Landes in der Ukrainefrage aus. "Die Deutschen tun mir trotzdem leid, vor allem die Ostdeutschen – nicht alle haben eine solche Perversion verdient."

Moskau sieht Merz als "Russenfeind"

Friedrich Merz wurde danach in einem Artikel der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Novosti aufs Korn genommen. Merz hatte im Wahlkampf seine harte Haltung gegenüber Moskau betont und der Ukraine eine größere Unterstützung zugesichert. Er sei ein "konsequenter Russenfeind", machte Ria Novosti daraus. Insbesondere die Absicht von Merz, weit reichende Marschflugkörper vom Typ Taurus an die Ukraine zu liefern, ist dem Kreml ein Dorn im Auge. Merz’ Tätigkeit beim Anlagegiganten Blackrock macht ihn aus Moskaus Sicht ohnehin verdächtig. Senator Alexej Puschkow beschwor eine Konfrontation mit Berlin: "Angesichts der Aggressivität von Merz gegenüber Russland sind dramatischere Szenarien in Form einer noch aktiveren Beteiligung Deutschlands am Krieg möglich." Genüsslich werden von allen Kommentatoren die wirtschaftlichen Schwierigkeiten Deutschlands ausgeschlachtet. "Deutschland hat noch Raum zum Abstieg", höhnte Puschkow.

Taurus-Lieferung in der Diskussion

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Föderationsrates, Konstantin Kossatschow, hob auf die russlandfreundlichen Parteien in Deutschland ab, "etwa ein Drittel der Wählerschaft hat für Parteien gestimmt, die die derzeitige Politik des Landes gegenüber Russland und der Ukraine nicht teilen", sagte er der Tass. Der AfD attestierte er einen "historischen Rekord". Er nannte Merz und Scholz beide "gesichtslos". Er erwarte keine Verbesserung im Verhältnis zu Deutschland. 

Substanzielle offizielle Äußerungen darf man nicht zu schnell erwarten, da Moskau traditionell erst nach einer Analyse der Koalitionsaussichten Stellung bezieht. Kreml-Sprecher Dmitrij Peskow äußerte sich am Montag nach der Wahl dann zwar höflich, aber in der Sache ausweichend. Er sagte: "Jedes Mal (wenn es eine neue Regierung gibt) hoffen wir auf einen nüchterneren Umgang mit der Realität, auf einen nüchterneren Umgang mit Themen, die von beiderseitigem Interesse und gegenseitigem Nutzen sein könnten."

"Aber schauen wir mal, wie es in der Realität sein wird."

Quellen:"Kölner Stadt-Anzeiger", Reuters

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