
marktbericht
Die DAX-Anleger lassen es am letzten Handelstag der Woche etwas ruhiger angehen. Nach seinem jüngsten Rekordhoch liegt der Börsenindex leicht im Minus - auf Wochensicht steht aber ein deutlicher Gewinn zu Buche.
Es ist gerade einmal eine Woche her, da hatte der DAX bei 21.787 Punkten geschlossen. Seither hat der deutsche Leitindex Gewinne von 3,8 Prozent in der Spitze angehäuft, erstmals in seiner Geschichte die Marke von 22.000 Punkten überwunden und bei 22.625 Zählern das 16. Rekordhoch in diesem Jahr aufgestellt.
Insofern dürften die meisten Anleger die leichten Kursverluste zum Wochenschluss gut verkraften können. Zur Mittagszeit liegt der DAX 0,2 Prozent im Minus. Auf Wochensicht belaufen sich die Gewinne immer noch auf rund 3,6 Prozent.
US-Zölle, steigende Inflation und die Angst vor ausbleibenden Zinssenkungen in den Vereinigten Staaten scheinen die Anleger hierzulande kalt zu lassen. Doch Experten sehen in dieser Sorglosigkeit auch eine Gefahr.
"Der DAX hat seit Jahresanfang auf das Gaspedal getreten. Vor allem in den vergangenen zwei Wochen gab es für das heimische Börsenbarometer kein Halten mehr", kommentiert IG-Analyst Christian Henke das Marktgeschehen. "Immer schneller und höher ging es. Und darin liegt eine Gefahrenquelle. Der parabelförmige Kursanstieg im Tageschart sollte mit Argwohn beobachtet werden."
Für frische Kursimpulse könnten am Nachmittag noch US-Konjunkturdaten sorgen. Dabei dürften vor allem die um 14.30 Uhr zur Veröffentlichung anstehenden US-Einzelhandelsumsätze im Fokus stehen, tragen die privaten Konsumausgaben in den Vereinigten Staaten doch mehr als zwei Drittel zur Wirtschaftsleistung bei.
Im Vorfeld der wichtigen Datenveröffentlichung zeichnen sich an der Wall Street Verluste ab. Der Future auf die Standardwerte im Dow-Jones-Index notiert aktuell 0,3 Prozent im Minus, der Future auf den technologielastigen Nasdaq 100 gibt um 0,2 Prozent nach.
Am Rohstoffmarkt haben die Ölpreise ihre frühen Gewinne ausgebaut. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verteuert sich aktuell um 0,8 Prozent auf 75,65 Dollar je Barrel (159 Liter).
Der Preis für die Feinunze Gold steigt am Mittag um 0,1 Prozent auf 2.934 Dollar je Feinunze. Damit bleibt das gelbe Edelmetall in Reichweite seines Rekordhochs, das es am Dienstag bei 2.942 Dollar aufgestellt hatte.
"Anhaltende Sorgen über einen globalen Handelskrieg, der das Wirtschaftswachstum behindern und die Inflation antreiben könnte, befeuern die Nachfrage nach sicheren Anlagen", erläutert Analyst Ricardo Evangelista vom Broker ActivTrades. Der Goldpreis profitiert zudem auch von der Abschwächung des Dollars gegenüber anderen wichtigen Währungen.
Trotz des verschärften Kurses der US-Handelspolitik unter Präsident Donald Trump geht es für den Dollar zum Wochenschluss bergab. Der Dollar-Index gibt in der Spitze 0,3 Prozent auf 107,001 Punkte nach und fällt damit auf den tiefsten Stand seit zweieinhalb Wochen. Der Euro notiert kaum verändert bei 1,0461 Dollar.
Im DAX sind FMC-Aktien im mittäglichen Handel mit einem Minus von über vier Prozent der mit Abstand größte Verlierer. Mit Enttäuschung aufgenommene Geschäftszahlen des US-Dialyseunternehmens DaVita drücken laut Börsianern die Papiere des deutschen Konkurrenten. DaVita-Aktien fielen im nachbörslichen US-Handel um elf Prozent.
Stark gefragt sind dagegen Rüstungsaktien vor der Sicherheitskonferenz (MSC) in München an diesem Wochenende. Die Rheinmetall-Aktie steigt erstmals über die Marke von 800 Euro, aktuell gewinnt sie als stärkster DAX-Wert knapp sechs Prozent. Analysten schraubten ihre Kursziele für Rheinmetall weiter nach oben. Dabei fiel besonders die britische Großbank HSBC mit einem Kursziel von 1.000 Euro auf.
Stark zulegen können zum Wochenschluss auch die Anteile des Rüstungselektronik-Spezialisten Hensoldt mit einem Plus von fast zehn Prozent an der MDAX-Spitze. Sie sind damit so teuer wie zuletzt im April 2024. Zusätzlichen Auftrieb bekommen die Papiere vor dem Wochenende von der Meldung zu einer Vertragserweiterung über 350 Millionen Euro für das Eurofighter-Radar. Gemessen an ihrem Vortagestief haben Hensoldt um mehr als 21 Prozent gewonnen, bei Rheinmetall sind es fast 17 Prozent.
United Internet hat 2024 wegen Problemen bei seiner Tochter 1&1 sein operatives Ergebnis nicht so deutlich gesteigert wie erhofft. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte von 1,292 Milliarden Euro im Vorjahr auf 1,294 Milliarden Euro zu - der Konzern selbst hatte 1,38 Milliarden Euro angepeilt.
Die französische Justiz nimmt die Mineralwasserhersteller Nestlé und Sources Alma nach Vorwürfen der Verbrauchertäuschung und möglicherweise unzulässigen Behandlung von Wasser ins Visier. Hintergrund sind zwei Klagen der Organisation Foodwatch, die sich auf die Verfahren zur Aufbereitung von Mineralwasser sowie den Vorwurf der Täuschung und irreführender Geschäftspraktiken beziehen.
Mexiko erwägt wegen der Umbenennung des gesamten Golfs von Mexiko in "Golf von Amerika" auf dem Kartendienst Google Maps eine Klage gegen Google. Die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum sagte, man habe Google aufgefordert, in seinem Kartendienst die historische Bezeichnung des Gewässers für den nicht-US-amerikanischen Teil zu respektieren.
Applied Materials hat die Märkte mit seiner Umsatzprognose enttäuscht und seine Aktie damit auf Talfahrt geschickt. Der Chipindustrie-Zulieferer sagte gestern nach US-Börsenschluss für das zweite Quartal einen Umsatz von etwa 7,1 Milliarden Dollar, plus oder minus 400 Millionen, voraus. Analysten waren im Durchschnitt von 7,21 Milliarden ausgegangen. Applied-Aktien fielen nachbörslich um fünf Prozent.
Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.