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Marktbericht: Kalte Dusche am Nachmittag



marktbericht

Stand: 12.02.2025 16:24 Uhr

Nach dem Sprung über die Marke von 22.000 Punkten hat der DAX gleich am Morgen sein 15. Rekordhoch in diesem Jahr markiert. Doch dann brachten die US-Inflationsdaten eine unliebsame Überraschung.

Gleich am Morgen ging die Börsenparty im DAX weiter: In der Spitze ging es um 0,4 Prozent auf einen neuen Rekordstand von 22.128 Punkten aufwärts.

"Starke Quartalszahlen und ein günstiges Zinsumfeld erzeugen weiterhin ein positives Marktklima und rücken die US-Zollandrohungen in den Hintergrund", konstatierte Jochen Stanzl, Analyst beim Broker CMC Markets.

Um 14.30 Uhr sorgten die aktuellen Verbraucherpreisdaten aus den USA aber für einen scharfen Einbruch, den der DAX bisher allerdings weitgehend ausgebügelt hat. Mit einer Jahresrate von 3,0 Prozent hat sich die Inflation im Januar überraschend verstärkt und den höchsten Stand seit einem halben Jahr erreicht. Damit rückt die nächste Zinssenkung der Federal Reserve (Fed) in weitere Ferne. Experten rechnen nun erst zum Jahresende mit einem weiteren Schritt nach unten.

Kurzzeitig hatte der DAX die Marke von 22.000 Punkten wieder preisgeben müssen, seine dynamische Erholung zeugt aber von seiner robusten Verfassung. Zuletzt hatten die zahlreichen Handelskonflikte, die die neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump provoziert, für immer weniger Schreckmomente an den Börsen gesorgt. Viele Investoren scheinen die daraus resultierenden Unsicherheiten und Risiken für die Weltwirtschaft fürs Erste beiseite zu schieben.

Experten warnen aber vor zu viel Gelassenheit. Spätestens nach der Bundestagswahl dürften auch die Drohungen Trumps Richtung Deutschland angesichts des massiven Handelsbilanzüberschusses der Bundesrepublik gegenüber den USA wieder zunehmen.

An der Wall Street schlagen sich die Preisdaten bisher deutlich nieder. Der Dow Jones ist rund 0,9 Prozent niedriger gestartet, und hat seither nur wenig Boden gut gemacht. De Technologiewerte an der Nasdaq tendieren derzeit ebenfalls über 0,8 Prozent tiefer.

Am Devisenmarkt hat der Euro nach den US-Preisdaten wieder ins Minus gedreht. Zur Stunde büßt die europäische Gemeinschaftswährung 0,16 Prozent auf 1,0346 Dollar ein.

Der Goldpreis kann seine Rekordjagd zur Wochenmitte nicht fortsetzen. Der Preis für das gelbe Edelmetall fällt aktuell um 0,24 Prozent auf 2.891 Dollar zurück. Erst gestern hatte Gold bei 2.942,71 eine neue historische Bestmarke aufgestellt.

Der "sichere Hafen" Gold profitiert von den gewachsenen Unsicherheiten an den Börsen. Zugleich geht am Markt die Furcht vor neuen Zöllen der Trump-Regierung auf Rohstoffimporte in die USA um - inklusive Goldbarren.

Öl wieder billiger

Die Ölpreise sind von ihren jüngsten Höchstständen zurückgekommen, die sie wegen der Sorgen um die russischen und iranischen Lieferungen erreicht hatten. Am Rohstoffmarkt verbilligt sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee derzeit um 1,3 Prozent auf 75,86 Dollar je Barrel (159 Liter).

Im DAX macht die Deutsche Börse auf sich aufmerksam. Der den Aktionären zurechenbare Überschuss stieg 2024 um 13 Prozent auf 1,95 Milliarden Euro. Das Unternehmen stellte den Aktionären daher eine höhere Dividende von 4,00 Euro je Aktie in Aussicht - nach 3,80 Euro im Vorjahr. Zudem will es 2025 eigene Anteilsscheine für 500 Millionen Euro erwerben.

Anleger decken sich nach Zahlenvorlage mit Aktien des Elektrotechnikkonzerns Siemens Energy ein. "Die positive Cashflow-Entwicklung sollte Gutes verheißen", konstatierte ein Händler. Der DAX-Konzern konnte den Free Cashflow vor Steuern zuletzt auf 1,528 Milliarden Euro verbessern, nach einem Fehlbetrag von 283 Millionen Euro vor Jahresfrist.

Im Lufthansa-Konzern entsteht ein neuer Veranstalter für Pauschalreisen. Bereits zum 1. April wird die neu gegründete Eurowings Holidays GmbH die Flugreisen mit anderen touristischen Angeboten wie Übernachtungen, Transfers oder Mietwagen kombinieren.

Eine weiterhin schwache Nachfrage vor allem im Gerätegeschäft hat beim Medizintechnikanbieter Carl Zeiss Meditec den Start in das neue Geschäftsjahr überschattet. Die Ebita-Marge fiel auf 7,2 von 9,7 Prozent. Auftragseingang und -bestand jedoch zogen deutlich an, was beim Management für vorsichtigen Optimismus sorgt.

Papiere von Heidelberger Druckmaschinen fallen um bis zu 13 Prozent auf 1,03 Euro und sind damit größter Verlierer im SDAX. Der Maschinenbauer rutschte wegen Einmalbelastungen unter dem Strich im Quartal in die roten Zahlen. Operativ gelang Heidelberger Druck aber eine Ergebnisverbesserung.

Der Technologiekonzern Jenoptik hat im vergangenen Jahr vor allem von einer höheren Nachfrage im Bereich Halbleiterausrüstung profitiert. 2024 stieg das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) im Jahresvergleich um 6,0 Prozent auf etwa 222 Millionen Euro.

Der Biokraftstoffhersteller Verbio hat sich besser geschlagen als erwartet. Im vergangenen Quartal ging der Umsatz um 6,5 Prozent auf 393,6 Millionen Euro zurück. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) blieb Verbio mit 20,8 Millionen Euro gut ein Fünftel weniger. Analysten hatten allerdings bei beiden Kennziffern mit drastischeren Rückgängen gerechnet.

Im Klimaverfahren gegen den britischen Öl- und Erdgaskonzern Shell ziehen die niederländischen Umweltschützer nun vor das höchste Gericht. Die Umweltschutzorganisation Milieudefensie kündigte in Den Haag Revision gegen das Urteil von 2024 an. Das Zivilgericht von Den Haag hatte geurteilt, dass der Konzern den CO2-Ausstoß nicht drastisch reduzieren muss - und damit ein historisches Klimaurteil der ersten Instanz aufgehoben.

Der zweitgrößte Brauereikonzern der Welt, Heineken aus den Niederlanden, hat im vergangenen Jahr wieder mehr Bier verkauft. Der weltweite Absatz stieg um 1,6 Prozent. Die Aktie macht einen Kurssprung und zieht auch Papiere des Konkurrenten AB Inbev nach oben.

Nach Google folgt nun auch Apple in seiner Karten-App der von US-Präsident Donald Trump verfügten Umbenennung des Golfs von Mexiko in Golf von Amerika. Der neue Name wird zunächst nur Nutzern in den USA angezeigt, eine Anpassung in anderen Regionen soll aber folgen, wie Apple dem Finanzdienst Bloomberg mitteilte. Wie Apple die Namensänderung außerhalb der USA umsetzen wird, blieb zunächst unklar.

Der Münchner Wirecard-Prozess wird mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft abgekürzt. Die Anklagebehörde folgt damit einem Vorschlag des Gerichts, das seit über zwei Jahren andauernde Mammutverfahren um den größten Betrugsfall der deutschen Nachkriegsgeschichte auf die zehn wichtigsten Anklagepunkte zu beschränken. Wann der Prozess enden wird, steht nicht fest.

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