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Marktbericht: Gewinnmitnahmen drücken den DAX ins Minus



marktbericht

Stand: 07.03.2025 09:25 Uhr

Die Achterbahnfahrt geht weiter. Der DAX startet mit starken Kursverlusten, da die Investoren sich angesichts der unsicheren Gesamtlage zu Gewinnmitnahmen entscheiden. Wie es weitergeht, wird von US-Jobdaten abhängen.

Der DAX sinkt im frühen Handel um 1,2 Prozent auf 23.140 Punkte. Der deutsche Leitindex hatte gestern in einer Berg- und Talfahrt seine Rekordrally fortgesetzt und eine Bestmarke bei 23.475 Punkten markiert. Er schloss 1,5 Prozent fester bei 23.419,48 Zählern.

Die Kurse wurden in den vergangenen Tagen durch das geplante Finanzierungspaket für Militär und Infrastruktur beflügelt. Anleger und Ökonomen erwarten positive Auswirkungen auf die schwächelnde Konjunktur.

Robert Greil, Chefstratege bei Merck Finck, kommentiert: "Immer mehr Staaten sind bereit, mehr Schulden zu machen und damit mehr Wachstum zu ermöglichen. Nach den USA bestimmt nun auch in Europa zunehmend die Politik die Richtung an den Finanzmärkten, mit gleichzeitig zunehmender Volatilität."

Aber Experten mahnten zur Vorsicht. "Auch im DAX steigt die Bereitschaft für Gewinnmitnahmen. Die Ausbrüche nach oben führen nicht mehr zu Anschlusskäufen, sondern werden dazu genutzt, Kasse zu machen. Das war zu Wochenbeginn so und scheint sich nun erneut abzuspielen", sagte Jochen Stanzl, Chefanalyst beim Broker CMC Markets.

Die deutsche Industrie startet 2025 mit dem stärksten Auftragsminus seit einem Jahr. Ihre Bestellungen sanken im Januar um 7,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist ein deutlich stärkerer Rückgang als Ökonomen erwartet hatten. Im Dezember waren die Aufträge noch um 5,9 Prozent gestiegen.

"Zum Jahresauftakt mal wieder eine Ernüchterung", lautet die Einschätzung von Jens-Oliver Niklasch, Ökonom bei der LBBW. "Natürlich verzerren die Großaufträge derzeit das Bild von Monat zu Monat. Aber man muss die Zahlen schon ganz schön quälen, um ihnen noch etwas Positives abzugewinnen."

Im heutigen Handelsverlauf wird der Fokus auf dem monatlichen Arbeitsmarktbericht in den USA liegen. Der US-Jobmarkt spielt eine wichtige Rolle für die Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve. Sollte der sich der Arbeitsmarkt stark zeigen, wären Zinssenkungen der Fed unwahrscheinlich, weil die Konjunktur noch zu stark ist.  

Insgesamt werde es wohl einen weiteren Beschäftigungszuwachs geben, ob die Konsensschätzung aber erreicht oder sogar überschritten werde, sei fraglich, heißt es von der Helaba. "Die Fed-Zinssenkungserwartungen könnten per saldo leicht unterstützt werden", lautet die Einschätzung der Fachleute.

Marktbeobachter Thomas Altmann von QC Partners weist, wie auch die Marktbeobachter der Helaba, auf die Bedeutung der Lohnentwicklung hin. "Zuletzt war der Anstieg bei den Löhnen steil. Und ein schnelles und starkes Lohnwachstum könnte die Fed noch länger von weiteren Zinssenkungen abhalten", schrieb er.

Die US-Aktien stehen angesichts der sich eintrübenden Wachstumsaussichten in der weltgrößten Volkswirtschaft und der Unsicherheit über die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump noch immer unter Druck. Der US-Standardwerteindex Dow Jones hatte sich gestern mit einem Minus von 1,0 Prozent bei 42.579 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 verlor 1,8 Prozent auf 5.738 Zähler, und der technologielastige Nasdaq gab 2,6 Prozent auf 18.069 Stellen nach.

Der Nasdaq bestätigte mit diesen Kursverlusten, dass er sich seit dem Höchststand im Dezember in einer Korrektur befindet. "Ich habe im Moment nicht genug Vertrauen, um Geld in den Markt zu stecken, weil es einfach zu viele Unwägbarkeiten gibt", sagte Tony Sycamore, Marktanalyst bei IG. "Für Anleger ist das ein schreckliches Umfeld."

Japanische Aktien gaben deutlich nach. Der Nikkei 225 schloss 2,2 Prozent tiefer mit 36.887 Punkten. Der australische Leitindex S&P/ASX 200 sank ebenfalls merklich um 1,8 Prozent auf 7.948 Zähler."Die Marktteilnehmer in Asien sind vor dem Wochenende nervöser geworden und haben an vielen Aktienmärkten Gewinne mitgenommen", stellte Marktexperte Andreas Lipkow fest. Zudem herrschte vor dem US-Arbeitsmarktbericht auch in Asien Zurückhaltung.

Etwas besser hielten sich die chinesischen Börsen. Der Hang Seng der Sonderverwaltungszone Hongkong sank zuletzt um 0,7 Prozent auf 24.194 Punkte. Der mit den wichtigsten chinesischen Festlandswerten bestückte CSI 300 verlor 0,3 Prozent auf 3.944 Punkte.

Der chinesische Außenhandel ist unterdessen verhalten ins neue Jahr gestartet. Wie aus Daten des chinesischen Zolls hervorgeht, legten die Exporte der zweitgrößten Volkswirtschaft im Januar und Februar verglichen mit den ersten beiden Monaten des Vorjahres um 2,3 Prozent auf rund 540 Milliarden US-Dollar zu. Die Einfuhren gingen um 8,4 Prozent auf 369 Milliarden US-Dollar zurück. Beide Werte blieben hinter den Erwartungen von Analysten zurück.

Der Euro ist heute wieder über die Marke von 1,08 US-Dollar geklettert. Der Kurs des Euro ist im Aufwind, seit sich in Deutschland Union und SPD am Dienstagabend darauf geeinigt hatten, Milliardenkredite für Verteidigung und Infrastruktur zu ermöglichen. Dazu soll die im Grundgesetz verankerte Schuldenbremse für bestimmte Verteidigungsausgaben gelockert werden. Seit der Ankündigung hat der Kurs des Euro um mehr als drei Cent zugelegt. Ein starker Euro wirkt sich nachteilig für eine exportorientierte Ökonomie aus, weil die Produkte außerhalb des Währungsraums teurer werden.

Der Chef der Airbus-Rüstungssparte, Michael Schöllhorn, hat das geplante Milliardenpaket von Union und SPD für Verteidigung begrüßt, die Bundesregierung aber davor gewarnt, Rüstungsgüter in den USA zu bestellen. "Wenn wir das Mehr an Verteidigungsausgaben nutzen, um weiter Produkte von der Stange in den USA zu kaufen, zementieren wir unsere Abhängigkeit von anderen", sagte er der Augsburger Allgemeinen.

"Dass das vielleicht keine so gute Idee ist, sehen gerade die Dänen mit ihren amerikanischen F-35-Flugzeugen, falls sie auf die Idee kämen, Grönland zu verteidigen. Die kämen gar nicht bis dahin", fügte er hinzu.

Endspurt bei der Übernahme von About You durch den größeren Rivalen Zalando. Europas größter Online-Modehändler erklärte, die restlichen Aktionäre von About You zwangsweise abfinden zu wollen. Wie hoch die Abfindung im Zuge des Squeeze-Outs ausfällt, stehe noch nicht fest. Zalando hatte gestern bekanntgegeben, sich mehr als 90 Prozent des Grundkapitals von About You gesichert zu haben. Die Annahmefrist für das Übernahmeangebot war in der heutigen Nacht abgelaufen, das endgültige Ergebnis soll am 11. März veröffentlicht werden.

Erste Details zur US-Reserve für Digitalwährungen haben bei den Anlegern an den Kryptomärkten am Freitag zunächst ein Stück weit für Ernüchterung gesorgt. Der Bitcoin fiel auf der Handelsplattform Bitstamp wieder unter die Marke von 90.000 US-Dollar und notierte zuletzt bei 87.864 Dollar. Damit erholte er sich aber schon wieder etwas vom Tagestief, nachdem er in der Nacht in einer ersten Reaktion auf Details zur US-Digitalwährungsreserve noch unter die Marke von 85.000 Dollar gerutscht war.

Anleger hätten gehofft, dass sich US-Präsident Donald Trump nicht nur abermals als Schutzherr für Bitcoin und Co positionieren werde, "sondern das Fundament für eine Symbiose zwischen der US-Regierung und der Kryptobranche gelegt wird", so Marktexperte Timo Emden von Emden Research.

Der Chiphersteller Broadcom punktet mit einem überraschend starken Ausblick. Broadcom teilte gestern mit, im zweiten Quartal einen Umsatz von etwa 14,90 Milliarden Dollar zu erwarten. Analysten waren bislang im Schnitt von 14,76 Milliarden ausgegangen. Grund dafür ist die starke Nachfrage nach Chips für Künstliche Intelligenz für Unternehmen, die große Datenmengen verarbeiten. Broadcom bietet kundenspezifische Chips für Firmen, die nach einer Alternative zu den teuren Prozessoren des Marktführers Nvidia suchen. Für das erste Quartal meldete Broadcom einen Umsatz von 14,92 Milliarden Dollar. Der KI-Umsatz stieg um mehr als 77 Prozent auf 4,1 Milliarden Dollar.

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