
marktbericht
Die ohnehin schon unheimliche Rally des DAX erhält heute von politischer Seite zusätzlichen Anschub. Beenden US-Präsident Trump und Kremlchef Putin womöglich den Ukraine-Krieg? Die Aussicht elektrisiert die Anleger.
Auch der vierte Gewinntag in Folge sorgt an der Börse nicht für Ermüdungserscheinungen. Im Gegenteil, der DAX stößt nach Meldungen, dass Donald Trump und Wladimir Putin miteinander telefoniert haben in neue Höhen vor. Dabei kündigte US-Präsident Trump an, dass es bald Verhandlungen geben werde. Das kommt bei den Investoren gut an.
Bei bisher 22.566 Punkten erreicht der deutsche Leitindex bisher ein fantastisches neues Allzeithoch und hat damit seit Anfang letzter Woche rund 1.300 Punkte zugelegt. Aktuell steht der Index bei einem stolzen Plus von rund 1,8 Prozent nur leicht darunter, so dass weitere Bestmarken jederzeit möglich bleiben. Gestern war der deutsche Leitindex mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 22.148 Punkten aus dem Handel gegangen, im Handelsverlauf hatte er bei 22.193 Punkten ein Allzeithoch markiert. Auch der MDAX der mittelgroßen Werte zieht deutlich in der gleichen Größenordnung an.
"Die Rally bleibt politisch getrieben. Diesmal ist es die Hoffnung auf einen schnellen Frieden, die die Kurse treibt", sagte Thomas Altmann, Portfoliomanager beim Vermögensverwalter QC Partners.
Zur Erinnerung: Am Monatsanfang hatten Trumps Zollankündigungen noch Schockwellen durch die Märkte geschickt. Auch diese Schwankungen waren natürlich politisch begründet, zumal ein Ende des besonders für deutsche Exportwirtschaft gefährlichen Zoll-Problems keinesfalls vom Tisch ist. Es tritt derzeit nur in den Hintergrund, zumal Trump bisher auch gegen Europa noch keine konkreten Maßnahmen verkündet hat.
Trotz der bevorstehenden Gespräche über die Zukunft in der Ukraine, sollten die Anleger die Zollpolitik Trumps im Blick behalten, da sie einen erheblichen Einfluss auf Europa haben könnte, meint Beate Meyer, Head of Wholesale Deutschland bei UBS-AM. "Wir rechnen mit volatileren Märkten. Die wirtschaftliche Zukunft Europas und die transatlantischen Beziehungen stehen vor wegweisenden Veränderungen."
Fundamental wurden die DAX-Gewinne aber auch durch zuletzt überwiegend solide Unternehmensbilanzen gestützt, so auch durch die heutigen Zahlen des Technologiekonzern Siemens. Die Münchener haben dank des Verkaufs ihrer Tochter Innomotics zum Jahresauftakt deutlich mehr verdient.
Nach Steuern stieg das Ergebnis in den drei Monaten bis Ende Dezember auf 3,9 Milliarden Euro. Durch den Verkauf flossen Siemens dabei 3,1 Milliarden Euro zu. Im Vorjahr betrug der Gewinn noch knapp 2,6 Milliarden Euro. Operativ verzeichnete Siemens wegen der anhaltenden Schwäche im Automationsgeschäft jedoch einen Rückgang.
Das Siemens-Papier steigt in der Spitze bisher auf 227,50 Euro und markiert damit ein weiteres Rekordhoch. Aktuell steht die Aktie leicht darunter und gewinnt knapp sechs Prozent.
Verkehrte Börsenwelt auch beim Blick auf die Wall Street. Diese gibt normalerweise den Ton an, wird derzeit aber von den europäischen Märkte abgehängt. Die jüngste Rally haben die US-Indizes nur bedingt mitgemacht, lediglich der S&P 500 hatte knapp eine neue Bestmarke markiert. Auch heute eröffnen die großen Aktienindizes verhalten, immerhin aber unisono leicht im Plus.
Hauptgrund für die Zurückhaltung der Anleger dürfte die weiter zögerliche Geldpolitik der Notenbank Federal Reserve (Fed) sein. Zur Wochenmitte hatte ein überraschend starker Anstieg der US-Verbraucherpreise für neue Inflationssorgen gesorgt und die Wall Street etwas ausgebremst. Die nun veröffentlichten Erzeugerpreise legten zwar ebenfalls stärker als erwartet zu, verpassten den Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank Fed aber offenbar keinen weiteren Dämpfer.
Auch hier zur Erinnerung: Noch zum Jahresende 2024 waren die US-Investoren von bis zu vier Zinssenkungen im Jahr 2025 ausgegangen. Mittlerweile schließen erste Stimmen sogar Zinserhöhungen nicht mehr aus, sollte die Inflation weiter so hartnäckig bleiben wie zuletzt. Auch bei diesem Thema bliebt Trumps Zollpolitik die große Unbekannte, sorgen doch Zölle laut Lehrbuch für höhere Importpreise und damit steigende Inflationsrisiken.
Zudem sind die US-Börse, angetrieben durch die hochbewerteten Technologieaktien, stärker gelaufen als die europäischen Märkte, denen die großen Tech-Aktien zum Fantasie-Thema Künstliche Intelligenz (KI) fehlen.
Unter den Einzelwerten in New York stehen Cisco im Fokus, deren Aktie zur Eröffnung zulegt. Der anhaltende Boom Künstlicher Intelligenz (KI) beschert dem Netzwerkausrüster erneut ein überraschend starkes Quartalsergebnis. Die Umsätze stiegen im abgelaufenen Quartal um neun Prozent auf 14 Milliarden Dollar. Der Gewinn lag mit 0,94 Dollar je Aktie über den Erwartungen. Für das gesamte Geschäftsjahr peilt Cisco nun Erlöse von 56 bis 56,5 statt 55,3 bis 56,3 Milliarden Dollar an. Die Quartalsdividende wird um drei Prozent auf 0,41 Dollar je Aktie angehoben.
Am Devisenmarkt stabilisiert sich der Euro am Nachmittag weiter und wird um die Marke von 1,04 Dollar gehandelt. Auch am Währungsmarkt dominiert das Thema Ukraine.
"Die zunehmenden Erwartungen auf ein mögliches Kriegsende in der Ukraine dominieren das Marktgeschehen in Europa", heißt es in einem Kommentar der Dekabank. Mit der stärkeren Risikoneigung der Anleger geriet der als sicher geltende US-Dollar unter Druck, während der Euro weiter zulegen konnte.
Zu den Gewinnern am Devisenmarkt zählt auch das britische Pfund bei aktuell 1,2479 Dollar nach unerwartet starken Konjunkturdaten. Im Schlussquartal 2024 war die britische Wirtschaft leicht gewachsen, während Analysten von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung ausgegangen waren. Vor allem im Dezember hatte sich die britische Wirtschaft überraschend stark gezeigt.
Die Commerzbank will sich im Abwehrkampf gegen die italienische UniCredit mit dem Abbau Tausender Jobs Luft verschaffen. Etwa 3.900 Vollzeitstellen werden bis Ende 2027 abgebaut, 3.300 davon in Deutschland, wie der DAX-Konzern mitteilte. Außerdem soll der Gewinn wachsen: Nach knapp 2,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr solle der Überschuss bis 2028 auf 4,2 Milliarden Euro steigen. Im laufenden Jahr dürfte der Gewinn jedoch auf 2,4 Milliarden Euro sinken, weil der Stellenabbau zunächst Geld kostet.
Die Aktien des Rüstungsherstellers Rheinmetall sanken heute zeitweise auf unter 700 Euro. Mittlerweile haben es sich die Anleger wieder anders überlegt, die Titel legen kräftig zu.
Denn auch nach einem möglichen Ende des Ukraine-Krieges dürften die Rüstungsausgaben in Europa deutlich steigen. Seit Beginn des Kriegs Russlands gegen die Ukraine im Februar 2022 hatten die Aktien sich im Zuge der "Zeitenwende" in der europäischen Verteidigungspolitik bis zuletzt mehr als verachtfacht.
Der Zusammenschluss der japanischen Unternehmen Nissan und Honda zum weltweit viertgrößten Autobauer ist gescheitert. Die beiden Konzerne sagten ihre Fusionsgespräche heute ab. Honda-Chef Toshihiro Mibe sagte, es sei "enttäuschend", dass die Gespräche gescheitert seien. Sein Unternehmen wolle nun Möglichkeiten ausloten, sich mit anderen Autobauern zusammenzuschließen.
Honda und Nissan hatten im Dezember angekündigt, eine Fusion im Wert von umgerechnet 60 Milliarden Dollar auszuloten. Dabei wäre der viertgrößte Autobauer weltweit entstanden - nach Toyota, Volkswagen und Hyundai.
Steigende Kosten für Rohstoffe und Marketing sowie ein schrumpfender Umsatz haben dem Nahrungsmittelriesen Nestlé 2024 einen Gewinnrückgang eingebrockt. Unter dem Strich verdiente der Hersteller von Nespresso, Maggi und KitKat 10,9 Milliarden Franken, ein Minus von 2,9 Prozent. Weil die Verbraucher nicht mehr in gleichem Ausmaß bereit waren, Preiserhöhungen zu schlucken, ging das Umsatzwachstum aus eigener Kraft auf 2,2 (Vorjahr 7,2) Prozent zurück.