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Marktbericht: DAX versucht erneut die Erholung



marktbericht

Stand: 12.03.2025 07:47 Uhr

Sorgen um Donald Trumps Handelspolitik lasten auf den Aktienmärkten - auch heute kann der DAX nicht auf Unterstützung der US-Indizes hoffen. Dennoch könnte er einen weiteren Stabilisierungsversuch unternehmen.

Nach drei schwachen Tagen startet der DAX am Mittwoch offenbar einen weiteren Stabilisierungsversuch: Der Broker IG taxierte den deutschen Leitindex zweieinhalb Stunden vor dem Xetra-Start rund ein Prozent höher auf 22.552 Punkte. Gestern hatte der DAX nach einer moderaten Kurserholung am frühen Nachmittag ins Minus gedreht und ging schließlich 1,29 Prozent tiefer bei 22.328 Punkten aus dem Handel.

Von seinem Rekord am vergangenen Donnerstag bei 23.475 Punkten war der deutsche Leitindex zuletzt um fast fünf Prozent zurückgefallen und hatte dabei auch seine 21-Tage-Linie gerissen. Sie bietet dem kurzfristigen Trend eigentlich charttechnisch Unterstützung. Falls der Stabilisierungsversuch nicht gelingt, droht dem DAX unter seinem Vierwochentief von 22.226 Punkten eine kleine Top-Bildung.

"Fundamental preisen die Investoren gerade eine Rezession in den USA in die Kurse ein. Alle Euphorie, die nach dem Wahlsieg Trumps die Kurse nach oben katapultierte, ist in Sorge umgeschlagen", kommentierte Kapitalmarktstratege Jürgen Molnar von RoboMarkets.

Auf Unterstützung der US-Indizes kann der DAX weiterhin nicht zählen. Denn Dow und die Nasdaq-Indizes rutschen auf dem tiefsten Niveau seit September 2024 von Tief zu Tief. Lediglich die Hoffnung auf einen Waffenstillstand im Ukraine-Krieg grenzte die Verluste gestern etwas ein. Positiv wirkte sich auch aus, dass die USA Militärhilfen und Geheimdienstinformationen für die Ukraine wieder freigaben. Der US-Standardwerteindex Dow Jones verabschiedete sich gestern dennoch erneut mit einem Minus von 1,1 Prozent bei 41.433 Punkten aus dem Handel. Der breit gefasste S&P 500 verlor 0,8 Prozent auf 5.572,07 Zähler.

Besser hielten sich die konjunktur- und zinssensiblen Technologiewerte. Der Nasdaq 100 verlor 0,28 Prozent auf 19.377 Punkte. Der Technologieindex war am Montag mit 3,8 Prozent so stark abgesackt wie seit 2022 nicht mehr.

An den US-Börsen hatte gestern erneut Trumps erratische Zoll-Politik für Unruhe gesorgt: Er hatte Kanada mit einer Verdoppelung des Zinssatzes auf 50 Prozent drohte, nachdem Ontario einen Aufschlag auf Stromexporte an die USA angekündigt hatte. Der Ministerpräsident von Ontario, Doug Ford, stimmte jedoch zu, das auszusetzen. Trump machte daraufhin einen Rückzieher. Zudem sind die von Trump angekündigten Zölle von 25 Prozent auf Stahl und Aluminium in Kraft getreten.

Auch heute dürften Trumps Zölle die Börsen erneut beschäftigen: Die EU hat eine entschiedene Reaktion auf die an diesem Mittwoch in Kraft getretenen US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte angekündigt. Wie die Europäische Kommission am Morgen mitteilte, sollen in einem ersten Schritt von April an wieder EU-Extrazölle auf die Einfuhr amerikanischer Produkte wie Bourbon-Whiskey, Jeans, Motorräder, Boote und Erdnussbutter fällig werden.

Weitere Gegenmaßnahmen würden dann nach Abstimmung mit den EU-Mitgliedstaaten Mitte April folgen, hieß es. Nach Angaben der EU-Kommission treffen die neuen US-Zölle in Höhe von 25 Prozent Exporte der EU im Gesamtwert von 26 Milliarden Euro, was in etwa fünf Prozent der gesamten Warenexporte der EU in die USA entspricht.

Trump äußerte sich auch zum jüngsten Börsenbeben. Der Republikaner erklärte vor Journalisten im Weißen Haus, er sei nicht über den Ausverkauf an den New Yorker Börsen besorgt. Die Märkte schwankten über die Zeit. Die Zollentscheidungen seien notwendig, um amerikanische Arbeitsplätze zu erhalten und Fabriken zu eröffnen. Die USA würden florieren. Er sei optimistisch mit Blick auf die US-Wirtschaft.

Der "Zuckerschock" an den Börsen nach den US-Wahlen im November "hat sich in einen unangenehmen Kater verwandelt, da die politischen Realitäten von Trump 2.0 allmählich deutlich werden", kommentierte Marktbeobachter Benny Adler von Goldman Sachs.

Die US-Zollpolitik hat an den asiatischen Aktienmärkten weiter für Verunsicherung gesorgt. In Japan bewegte sich die Börse am Morgen kaum. In Tokio blieb der 225 Werte umfassende Nikkei-Index fast unverändert bei 36.826 Punkten und der breiter gefasste Topix notierte 0,9 Prozent höher bei 2.694 Zählern. Die Börse Shanghai verlor 0,1 Prozent auf 3.375 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 0,3 Prozent auf 3.929 Punkte.

Mercedes-Benz hat Jason Hoff zum neu geschaffenen Nordamerika-Chef ernannt. Hoff, derzeit Leiter des Qualitätsmanagements von Mercedes-Benz Cars & Vans, wird somit für die strategische Ausrichtung des Autobauers in den USA verantwortlich sein, wie Mecedes-Benz am Dienstag mitteilte. Die USA sind der zweitgrößte Markt für Mercedes-Benz, der Fokus darauf soll verstärkt werden.

Handelsspannungen und starke Schwankungen der Wechselkurse lassen den Sportartikelkonzern Puma vorsichtig auf das laufende Jahr schauen. Zwar dürfte der Umsatz 2025 währungsbereinigt im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich zulegen, teilte der MDAX-Konzern am Dienstagabend mit. Beim um Sondereffekte bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stellt sich der Vorstand aber auf einen Rückgang auf 520 bis 600 Millionen Euro ein. 2024 waren es noch 622 Millionen. Die Puma-Aktie verlor im nachbörslichen Handel auf der Plattform Tradegate 1,4 Prozent.

Der Onlinehändler About You fliegt im Zuge der Übernahme durch Zalando raus aus dem Nebenwerte-Index SDAX. Weil der Streubesitz bei den Hamburger nun unter 10 Prozent liege, solle das Unternehmen durch den T-Sicherheitsdienstleister Secunet ersetzt werden, teilte die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx Ltd. am Dienstagabend mit. Die Umsetzung tritt am Montag, 24. März, in Kraft.

Nach dem Kurssturz bei Tesla springt US-Präsident Donald Trump der Firma seines Verbündeten Elon Musk zur Seite. Trump ließ mehrere Teslas vor dem Weißen Haus auffahren und suchte sich eines der Elektroautos zum Kauf aus. "Ich liebe Tesla", verkündete Trump und kaufte ein rotes Model S. Der Preis für ein Model S liegt bei etwa 80.000 Dollar.

Bei dem gemeinsamen Auftritt kündigte Konzernchef Musk an, dass Tesla in den kommenden zwei Jahren seine Fahrzeugproduktion in den USA verdoppeln werde. Außerdem wolle er Chef des E-Auto-Pioniers bleiben, sagte Musk weiter. Die Tesla-Aktie legte nach dem Treffen um bis zu fünf Prozent zu, um schließlich mit einem Anstieg von 3,8 Prozent aus dem Handel zu gehen.

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