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Marktbericht: DAX außer Rand und Band



marktbericht

Stand: 17.02.2025 16:21 Uhr

Der DAX setzt seinen Rekordlauf unbeirrt fort. Rüstungswerte sind nach der ernüchternden Münchener Sicherheitskonferenz stärker gefragt denn je, auch steigende Zinsen sind ein Thema.

Nach der Atempause am Freitag greifen die Anleger bei Aktien wieder kräftig zu. Der DAX steht nahe seines neuen Rekordhochs bei 22.747 Punkten und gewinnt gut ein Prozent. Auch der MDAX der Werte aus der zweiten Reihe legt deutlich um rund 1,3 Prozent zu. Die Anleger an der Börse positionieren sich damit in Anbetracht eines sich verändernden geostrategischen Umfelds nach der ernüchternden Sicherheitskonferenz.

Unmittelbar profitieren die Rüstungsaktien unter der Führung von Rheinmetall den Markt, die Aktie steht heute im DAX mit einem Plus von über neun Prozent einsam an der Spitze. Perspektivisch muss sich Europa in den kommenden Jahren auf drastisch höhere Verteidigungsausgaben einstellen - und dies wird wohl nur über neue Schulden möglich sein.

"Die USA erwarten tatsächlich, dass Europa sich um ihre eigenen Sicherheitsinteressen kümmert", sagte Teeuwe Mevissen, Ökonom bei der Rabobank. "Derzeit geht es in der Diskussion nicht mehr darum, ob wir unsere Verteidigungsausgaben erhöhen sollen. Die Diskussion dreht sich jetzt darum, wie Europa diese finanzieren wird."

Die Äußerungen von US-Vizepräsident J.D. Vance in München und der Ausschluss Europas von den angekündigten amerikanisch-russischen Verhandlungen zur Ukraine unterstrichen die Notwendigkeit deutlich höherer Verteidigungsausgaben in der EU, kommentierten die Volkswirte der Dekabank.

"Vor dem Treffen des US-Außenministers mit dem Russlands in Saudi-Arabien in dieser Woche werden europäische Politiker heute in Paris versuchen, ihre Position abzustecken." Die Frage der Finanzierung deutlich höherer Verteidigungsausgaben werde sich auch auf die Niveaus der Renditen auswirken. Am Anleihenmarkt ziehen die Renditen heute an, zehnjährige Bundesanleihen liegen aktuell bei 2,48 Prozent.

Steigende Zinsen am Markt für Staatsanleihen bewegen heute auch die zinssensitiven Banken- sowie Immobilienaktien. Während die Anteilsscheine von Banken gefragt sind, geht es für die von Immobilienkonzernen nach unten.

Banken profitieren von höheren Zinsen an den Kapitalmärkten im klassischen Einlagen- und Kreditgeschäft. Auch Versicherungen als große Kapitalsammelstellen gelten als Profiteure höherer Zinsen, erhalten sie doch für die angelegten Kundengelder höhere Erträge.

Für Immobilienunternehmen sind höhere Zinsen hingegen ungünstig, denn sie verteuern die Schuldenaufnahme. Zudem schlagen höhere Marktzinsen tendenziell auf die Bewertung von Immobilien durch. So hatten Immobilienkonzern im Zuge der Zinswende der Europäischen Zentralbank 2022 und 2023 Milliarden abschreiben müssen.

Im DAX gehören Deutsche Bank ebenso wie die Versicherungsaktien zu den größten Gewinnern. Mit Vonovia steht der einzige Immobilienwert im Leitindex an Ende. Im MDAX, in dem zahlreiche Immobilien-Aktien enthalten sind, geben diese ebenfalls nach. Stahlhersteller Thyssenkrupp und Hensoldt, Hersteller von Rüstungselektronik, legen zum Teil deutlich zu.

Auf Impulse von den US-Börsen warten die Anleger unterdessen vergeblich. Die Wall Street bleibt heute wegen des Feiertages "Presidents' Day" geschlossen. Am Freitag hatte sich der US-Standardwerteindex Dow Jones mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 44.546 Punkten aus dem Handel verabschiedet.

Am Rohölmarkt geht es heute ruhiger zu, die Preise pendeln um ihre Niveaus vom Freitag und legen am Nachmittag leicht zu. Anleger warteten mit Spannung auf Gespräche zu einem möglichen Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine.

"Wenn die Verhandlungen zu einer Lösung führen, würden mehr Barrel russisches Öl in die globale Versorgung gelangen, was die Ölpreise erheblich negativ beeinflussen könnte", sagte Priyanka Sachdeva, Analystin bei Phillip Nova.

Der Euro zeigt sich auch am Nachmittag kaum bewegt. Die europäische Gemeinschaftswährung notiert bei 1,0478 Dollar und damit in etwa auf Vortagesniveau. Der Euro hatte sich zuletzt angesichts eines schwächelnden Dollar wieder etwas erholen können.

Größer Gewinner im MDAX ist die Thyssenkrupp-Aktie mit einem Plus von über 18 Prozent am Nachmittag. Hintergrund ist eine optimistische Einschätzung der Bank of America (BofA) zu einem etwaigen Börsengang der Schiffbausparte von Thyssenkrupp. Dies könnte in Sachen Bewertung Aufwärtspotenzial für die Titel bedeuten, so die BofA-Experten.

Der MDAX-Konzern Delivery Hero kauft Wandelschuldverschreibungen im Volumen von einer Milliarde Euro zurück. Der Essenslieferant hat hierfür ein offizielles Angebot vorgelegt. Die fraglichen Papiere haben Laufzeiten bis 2025, 2026 und 2027. Ihre Halter haben bis zum 18. Februar um 17.30 Uhr Zeit, die Schuldtitel anzudienen.

Eine erneute Niederlage in der Bundesliga setzt Borussia Dortmund nicht nur sportlich unter Druck. Mit einem Minus von 3,4 Prozent zählen die Aktien des Fußballvereins zu den größten Verlierern im SDAX. Mit der Niederlage bei Liga-Schlusslicht Bochum hängt Borussia Dortmund weiter im Tabellen-Mittelfeld fest. Der Rückstand auf die lukrativen Champions-League-Plätze beträgt acht Punkte.

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