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Marktbericht: DAX-Anleger gehen vor Trumps Zollplänen in Deckung



marktbericht

Stand: 02.04.2025 09:25 Uhr

Die Stimmung an den Börsen ist am Morgen angespannt. Wenige Stunden vor den erwarteten Zollankündigungen von US-Präsident Trump reduzieren die Anleger ihr Risiko, der DAX startet mit Kursverlusten.

Die Nervosität an den Börsen steigt: Anleger warten mit Spannung auf die Zollpläne, die US-Präsident Donald Trump heute Abend vorstellen will. Nach dem gestrigen "Turnaround Tuesday", der dem DAX nach vier Verlusttagen in Folge Kursgewinne von 1,7 Prozent beschert hatte, geht es zur Wochenmitte am deutschen Aktienmarkt erneut bergab. Der DAX büßt in den ersten Handelsminuten bis zu 0,5 Prozent auf 22.437 Punkte ein.

Damit nimmt das deutsche Börsenbarometer erneut Kurs auf seine 50-Tage-Linie (aktuell bei 22.385 Punkten), die es zu Wochenbeginn erst preisgeben musste, gestern dann aber zurückerobern konnte. Der gleitende Durchschnitt der vergangenen 50 Handelstage stellt einen wichtigen Indikator für den mittelfristigen Trend im DAX dar.

Wie es im DAX weitergeht, hängt nun zentral von den Zollplänen ab, die Trump heute vorstellen wird. Seit Wochen schon spricht Trump vom 2. April als "Liberation Day", dem "Tag der Befreiung in Amerika".

Erst zu Wochenbeginn hatte der US-Präsident gedroht, dass von den geplanten reziproken, also wechselseitigen, Zöllen der USA kein Staat verschont bleiben soll. Trump würde künftig also im gleichen Umfang Zölle für Importe von Partnerländern in die USA erheben, wie für US-Exporte in diese Länder fällig werden. Reziproke Zölle bedeuteten letztlich, dass die USA überall dort ihre Zölle anheben werden, wo sie derzeit weniger verlangen als ihre Handelspartner.

"Vieles wird von Trumps Ton abhängen - ob er Verhandlungsbereitschaft signalisiert oder auf weitere Konfrontation setzt", sagte Philip Wee, leitender Devisenstratege bei DBS. "Wenn die US-Zölle umfassend und aggressiv ausfallen, wird sich eine Risikoaversion durchsetzen. Sollten China und die EU rasch mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren, ist mit einer zweiten Welle der Volatilität zu rechnen", sagte Wee.

Auch an den asiatischen Börsen war daher die Stimmung am Morgen angespannt. Die Handelsplätze in Japan, China und Korea notierten überwiegend schwächer. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen fiel um 0,1 Prozent, während der Hang-Seng-Index in Hongkong 0,2 Prozent abgab. In Tokio notierte der Leitindex Nikkei mit rund 35.616 Punkten kaum verändert. Der breiter gefasste Topix fiel um rund 0,5 Prozent.

An der Wall Street ergab sich gestern ein gemischtes Bild: Der Dow Jones blieb unverändert bei knapp 41.990 Punkten. Der technologielastige Nasdaq rückte dagegen um 0,9 Prozent auf fast 17.450 Zähler vor, und der breit gefasste S&P 500 legte um 0,4 Prozent auf 5.633 Stellen zu.

Gold bleibt auch zur Wochenmitte gefragt. Das gelbe Edelmetall hat im Moment Rückenwind, gilt es vielen Anlegern doch angesichts der gestiegenen geopolitischen Risiken und Zollsorgen als "sicherer Hafen". Am Morgen kostet eine Feinunze Gold gut 3.118 Dollar - ein Plus von 0,1 Prozent. Gold bleibt damit in Reichweite seines Allzeithochs, das es gestern bei 3.149,03 Dollar markiert hatte.

Die Ölpreise geben zur Wochenmitte nach. Die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee notiert am Morgen 0,3 Prozent tiefer bei 74,29 Dollar je Barrel. Tags zuvor hatte die OPEC+ damit begonnen, ihre freiwilligen Förderkürzungen schrittweise zurückzufahren. Dadurch steigt die tägliche Ölproduktion der OPEC+ ab April jeden Monat um knapp 140.000 Barrel.

Im DAX könnten heute die Autobauer einen Blick wert sein. BMW ist auf dem US-amerikanischen Markt mit einem Verkaufsplus ins Jahr gestartet. Von der Hausmarke BMW lieferten die Bayern im ersten Quartal 87.615 Autos aus, das waren 3,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Auch Volkswagen hat den Absatz in den USA im ersten Quartal deutlich gesteigert. Die Zahl der verkauften Fahrzeuge sei um 7,1 Prozent auf 87.915 Fahrzeuge gestiegen, teilte das Unternehmen gestern mit. Die Verkäufe von Taos und Jetta trieben das Wachstum der Marke an.

Post setzt bei Briefmarken erstmals auf Recyclingpapier

Die Deutsche Post hat ihre erste Briefmarke herausgebracht, die aus Recyclingpapier besteht. Für die 95-Cent-Briefmarke habe man 12,8 Tonnen hundertprozentigen Recyclingpapiers genutzt, teilte die Firma in Bonn mit. Nach eigenen Angaben ist sie das weltweit erste Postunternehmen, das eine vollständige Umstellung ihrer nassklebenden Marken auf Recyclingpapier plant.

Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 hat im vergangenen Jahr dank der anziehenden Geschäfte und Kostensenkungen erstmals einen Gewinn unterm Strich eingefahren. Das Konzernergebnis lag bei 20,9 Millionen Euro. Ein Jahr zuvor hatte Auto1 noch 116,5 Millionen Euro Verlust gemacht.

Nach dem jüngsten Rückfall bis nahe an die 14-Euro-Marke können Nordex-Aktien heute von Neuaufträgen für den Windkraftanlagenbauer profitieren. Laut Mitteilung erteilte ein Windenergie-Projektentwickler aus der Türkei zwei Aufträge über insgesamt 108 Turbinen mit einer Gesamtkapazität von 750 Megawatt.

Boeing-Chef Robert "Kelly" Ortberg will nach Angaben seines Unternehmens bei einer heutigen Anhörung im US-Senat "schwerwiegende Fehltritte" des US-Flugzeugbauers einräumen. Ortberg wird demnach auch Boeings Verantwortung für die Abstürze von zwei Boeing-Maschinen mit insgesamt 346 Toten vor mehr als fünf Jahren anerkennen.

Von Tesla werden heute voraussichtlich gegen 15 Uhr MESZ Angaben zu den Auslieferungen im ersten Quartal erwartet. Die Zahlen werden zeigen, welchen Effekt der Generationswechsel beim Bestseller Model Y und die Kontroversen um die politischen Aktivitäten von Firmenchef Elon Musk auf das Geschäft des Elektroauto-Herstellers hatten.

Die Schweizer Großbank UBS will in Italien fast ein Drittel der Stellen streichen. In der Vermögensverwaltung, bei den Konzernfunktionen und im Wertpapierverwahrungsgeschäft sollen insgesamt 180 Jobs wegfallen, wie es in einem Brief der Großbank an die Gewerkschaften hieß, den Reuters einsehen konnte.

Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.

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