
marktbericht
Während an der Nasdaq die Angst vor einer Enttäuschung bei der heutigen Bilanzvorlage des KI-Highflyers Nvidia umgeht, üben sich die DAX-Anleger in Optimismus. Der DAX dürfte mit starken Gewinnen in den Tag starten.
Der DAX dürfte sich gegen die durchwachsenen Vorgaben von den Überseebörsen stemmen und einen neuerlichen Erholungsversuch wagen. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex zur Stunde 0,8 Prozent höher bei 22.582 Punkten. Gestern hatte der DAX nach zwischenzeitlichen deutlichen Gewinnen letztlich 0,1 Prozent im Minus bei 22.410 Stellen geschlossen.
Spannend ist nun, ob der DAX es schaffen wird, sein Vortageshoch bei 22.576 Zählern im regulären Handel zu bezwingen. Das würde die Tür in Richtung Rekordhoch wieder ein Stück weiter aufstoßen. In der Vorwoche war die Rekordrally des DAX bei 22.935 Punkten ausgelaufen, Gewinnmitnahmen setzten ein. Doch dann nutzte der deutsche Leitindex die Unterstützung bei 22.200 Zählern als Sprungbrett nach oben.
Mit den sich nun abzeichnenden Kursgewinnen trotzt der DAX der Furcht vor einer nachbörslichen Enttäuschung durch Nvidia. Der US-Konzern, der in den vergangenen Monaten wie kaum ein anderer von dem Boom um Künstliche Intelligenz (KI) profitiert hatte, legt heute Abend nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das abgelaufene Quartal vor. Nach dem DeepSeek-Schock werden Börsianer vor allem beim Ausblick des Weltmarktführers für KI-Prozessoren ganz genau hinsehen.
Doch nicht nur die wachsende Unsicherheit vor der Nvidia-Zahlenvorlage, sondern auch enttäuschende Konjunkturdaten und die Aussicht auf neue Exportbeschränkungen machten der Wall Street gestern zu schaffen. Der technologielastige Nasdaq schloss 1,3 Prozent tiefer auf 19.026 Zählern. Der breit gefasste S&P 500 büßte 0,5 Prozent auf 5.955 Stellen ein. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte gewann dagegen 0,4 Prozent auf 43.621 Punkte.
Die asiatischen Märkte finden zur Wochenmitte ebenfalls keine gemeinsame Richtung. Die Börse in Shanghai gewinnt aktuell 0,7 Prozent. Die japanische Börse verbucht dagegen Verluste und fällt zeitweise auf den tiefsten Wert seit vier Monaten. Im späten Tokioter Handel liegt der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 0,5 Prozent tiefer. Anleger zeigen sich besorgt über die Aussichten für die US-Wirtschaft und die Entwicklung des Yen.
Im asiatischen Devisenhandel verliert der Euro 0,3 Prozent auf 1,0492 Dollar. Der Goldpreis gibt ebenfalls leicht nach, die Feinunze Gold kostet am Morgen 2.915 Dollar und damit 0,1 Prozent weniger. Das gelbe Edelmetall entfernt sich damit ein Stück weiter von seinem Rekordhoch, das es am Montag bei 2.956 Dollar markiert hatte.
Am Rohstoffmarkt verteuert sich die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee um 0,2 Prozent auf 73,17 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notiert 0,2 Prozent fester bei 69,08 Dollar.
Unter den DAX-Unternehmen haben am Morgen bereits einige Firmen ihre Bücher geöffnet, darunter die Deutsche Telekom. Unter dem Strich verdiente die Telekom 11,2 Milliarden Euro nach knapp 17,8 Milliarden im Vorjahr. Den Anteilseignern soll pro Aktie für das abgeschlossene Jahr eine Dividende von 90 Cent ausgezahlt werden - so viel wie nie zuvor.
Der Energieversorger E.ON hat das vergangene Jahr besser abgeschlossen als am Markt erwartet. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) lag bei gut neun Milliarden Euro. Das sind zwar drei Prozent weniger als 2023, allerdings hatten Analysten einen noch stärkeren Rückgang erwartet.
Die VW-Tochter Porsche AG krempelt wie erwartet ihren Vorstand um. Ab heute übernimmt Jochen Breckner die Leitung der Ressorts Finanzen und IT und ersetzt damit den bisherigen Finanzchef und stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Lutz Meschke. Vertriebsvorstand Detlev von Platen wird gegen Matthias Becker zum ausgetauscht.
In US-Unternehmen werden gerade auf breiter Front Diversitäts-Programme zurückgefahren - doch Apples Aktionäre stehen weiter dazu. Auf der Hauptversammlung des iPhone-Konzerns wurde die Forderung abgelehnt, solche Aktivitäten aufzugeben.
Mit Informationen von Angela Göpfert, ARD-Finanzredaktion.