2 days ago

Gesundheitsversorgung: Ausgezeichnete Ärzte: Wie Sie als Patient den Überblick behalten



Hochwertige medizinische Versorgung schenkt Lebensqualität. Die stern-Ärzteliste gibt einen Überblick über ausgezeichnete Ärztinnen und Ärzte. 

"Christine Stroh muss sofort kommen". Es ist Not an der Frau, um 5.11 Uhr am frühen Morgen. Einer frisch Operierten geht es schlecht, ihr Blutdruck fällt bedrohlich ab. Chefärztin Stroh wird von ihrem Team gerufen, vielleicht muss sofort nachoperiert werden. Und Stroh, die Professorin, ist schon auf dem Weg, 15 Minuten Eilfahrt, um zu helfen und zu retten.

So berichtet unsere Kollegin Kristin Kasten aus dem Alltag der Medizin, aus Gera in Thüringen, wo Christine Stroh in ihrem Spezialgebiet praktiziert. Es ist die Adipositas-Chirurgie, das Feld der Magenbypässe, -bänder und -verkleinerungen, unter anderem. Aus medizinischer Sicht, auch in Zeiten des Abnehmspritzen-Hypes, wird diese Arbeit weiterhin dringend gebraucht. Sie ist die Ultima Ratio, das letzte Mittel, das sehr übergewichtige Menschen vor schwersten Folgeerkrankungen bewahrt und ihre Teilhabe am Leben sichert. Und wie bei allem, was Medizin tut, pendeln sich auch hier Nutzen und Risiko gegeneinander aus, es gibt Operationsrisiken, Blutungen zumal, und dieser Notfall könnte eine solche sein. Wie er ausging und was Christine Stroh und ihre Kolleginnen und Kollegen täglich leisten, lesen Sie hier.

Die Geschichte ist Teil des aktuellen stern-Sonderhefts "Gute Ärzte für mich", das seit dem 15. Februar am Kiosk liegt. Es enthält neben Reportagen aus verschiedenen Bereichen der Medizin die stern-Ärztelisten mit mehr als 4000 Empfehlungen aus 100 Fachbereichen. Mit dem stern-Extra eröffnen wir bereits das vierte Jahr der Zusammenarbeit mit den erfahrenen Qualitätsexperten des Münchner Instituts MINQ. Und wir sind sehr dankbar dafür, wie wohlwollend unsere gemeinsame Arbeit sowohl von Leserinnen und Lesern als auch in Kliniken und Praxen aufgenommen worden ist – gleich mehrfach konnten wir uns entscheiden, Ausgaben nachzudrucken, weil die Erstauflage rasch vergriffen war. Das Projekt ist aber auch deshalb so erfüllend, weil wir immer wieder glückende Medizin sehen, Heilung und Linderung und immer wieder zunächst schwer kranke Mitmenschen treffen, die sich hernach wieder selbstbestimmt um ihre Gesundheit kümmern und ihr Leben leben können.

Hochwertige medizinische Versorgung schenkt Lebensqualität

Das gilt für alle Generationen. In Deutschland leben mindestens 35.000 Kinder und Jugendliche mit Typ-1-Diabetes, ihr Körper kann das zuckerregulierende Hormon Insulin nicht bilden. Erst ein Jahrhundert ist es her, dass diese Diagnose nicht mehr einem Todesurteil gleichkommt. Damals begann in Kanada die Entwicklung der Insulintherapie, zunächst mit tierischem Hormon. Heute beherrschen bereits die Jüngsten den Umgang mit dem Insulin-Pen, die Messung des eigenen Blutzuckerspiegels, oder sie nutzen eine automatische Insulinpumpe. Das gibt ihnen die Sicherheit und die Zeit, ein junger Mensch zu sein und an allem teilzuhaben, was dazugehört.

Constanze Löffler, Reporterin und selbst Ärztin, besuchte das Hamburger Wilhelmstift: ein katholisches Kinderkrankenhaus im Osten der Metropole, das eines der führenden Diabeteszentren für junge Betroffene unterhält. Sie zeigt, wie viel Lebensqualität, Eigenständigkeit und somit Freiheit eine hochwertige medizinische Versorgung schenken kann, wie weit sie über einen bloßen betriebswirtschaftlichen Zielwert messbarer "Gesundheitsproduktion" hinausgreift. Aber auch, wo notorische Schwachstellen unseres Medizinbetriebs liegen: Bis zu einem guten Drittel ihrer Patienten, so hat das Hamburger Team Constanze Löffler berichtet, gelingt der Übergang in die Erwachsenenversorgung nicht reibungslos. Die gewohnte gute Betreuung, die Verlässlichkeit ist dahin. Der Grund: Wechsel der Zuständigkeit. Entsprechend hochwertige Versorgung außerhalb der pädiatrisch ausgerichteten Strukturen zu finden, fällt oft schwer.

Und das ist leider eine ziemlich typische Situation, technokratisch als "Schnittstellenproblematik" bekannt. Zu den geläufigsten Sorgen im Gesundheitswesen insgesamt zählt, dass Kranke nicht finden, was sie suchen. Das wohl prominenteste Beispiel dazu, alle Jahre wieder in den Nachrichten: der fehlgeleitete Andrang in Deutschlands Notaufnahmen.

Als Reporterinnen und Reporter, die vielerorts Einblick nehmen können in die klinische Wirklichkeit, können wir sagen: Ja, es stimmt, es ist keine lobbyistisch-routinierte Klage, wenn es heißt, dass sich sehr viele Menschen in den Rettungsstellen einfinden, die von einem akuten Notfall ziemlich weit entfernt sind; darunter eigenartigerweise auch immer wieder welche, die seit Tagen schon an etwas herumlaborieren, was jede Hausarztpraxis innerhalb von Minuten in den Griff bekäme, einschließlich der damit verbundenen wohltuenden Sorgentilgung. Dennoch erscheinen gerade solche Geplagten regelmäßig samstags in einer Notaufnahme, weil sie Zeit haben, die Nerverei ein Ende haben soll und der Aufbau einer dauerhaft guten Bindung an eine Praxis durchaus Arbeit machen kann. Die Leidtragenden sind Menschen in akuter Not, vor allem aber das mehr als ausgelastete Personal in den Kliniken.

Den Anstrengungen gemeinsam stellen

Da Sie diesen Artikel lesen, der dem aktuellen stern-Sonderheft "Gute Ärzte für mich" entnommen ist, darf man darauf zählen, dass Ihre persönliche Gesundheitskompetenz, Ihr medizinisches Interesse und Ihre aktive Selbstsorge deutlich überdurchschnittlich sind. Dennoch sitzen wir alle in einem Boot. Alle wissen schließlich um das offensichtliche Dilemma, das sich schon seit Jahren abzeichnet: Deutschland altert, und das betrifft naturgemäß nicht nur Patientinnen und Patienten, sondern auch das medizinische und pflegerische Personal. Eine Verrentungswelle naht auch dort. Es ist deshalb nicht bloß nur ein Versuch, im Wahlkampf Aufmerksamkeit zu erlangen, wenn Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer, in jüngster Zeit mehrfach auf dringend erforderliche Anstrengungen hingewiesen hat, denen wir uns gemeinsam stellen müssen, um generationenübergreifend gesund leben und uns in der Not wie gewohnt auf unser Gesundheitssystem und sein vielerorts (noch?) hervorragendes Niveau verlassen zu können.

Das gilt insbesondere für seine Vielfalt, für den Reichtum an medizinischen Möglichkeiten und Spezialisierungen, die Deutschland sich als führende Industrienation aufgebaut hat. Angebot und Nachfrage mögen unzureichend gesteuert zu sein, aber es gibt, was die Präsenz der modernsten Therapien und auch deren Vermittlung an den medizinischen Nachwuchs angeht, nach wie vor Grund zur Zuversicht. Die Kernprobleme sind überwiegend struktureller, weniger professioneller Natur.

Was aber liegt strukturell im Argen und macht Gesundheitspolitik so kontrovers und schwierig? Es gibt, darauf hat Reinhardt noch einmal hingewiesen, in Deutschland, dem Land mit den höchsten Gesundheitsausgaben in der EU, keinen klaren Zusammenhang zwischen teuer und gut. Ein Teil der Medizin ist durch Ineffizienz und bürokratische Kompliziertmacherei entstellt. Wer jüngst einen Bescheid über die Erhöhung der Zusatzbeiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung erhalten hat, wird das nachvollziehen können. 

Gesundheitskompetenz stärken

Aber der Ärztepräsident nimmt uns auch alle in die Pflicht, wenn er ergänzt, dass schon die im Vergleich sehr hohe Zahl von Arzt-Patient-Kontakten in Deutschland das Land nicht per se gesünder macht. Er mahnt nachdrücklich an, dass sich die individuelle Gesundheitskompetenz der Deutschen in den letzten 20 Jahren (und dafür führt Reinhardt wissenschaftliche Belege ins Feld) aller Informationsschwemme zum Trotz nicht verbessert, sondern im Durchschnitt verringert habe. Auch das mag einen Teil des Klagens über die Verfügbarkeit von Arztterminen erklären. Nehmen wir seine Mahnung als neuerlichen Aufruf, sich aus guten Quellen klüger zu machen, was Körper, Seele und Geist stabil macht, was Warnzeichen von etwas Schwerwiegendem sind und was kein Grund zur Sorge ist.

Wo bleibt das Positive? Unter anderem steht es in unserem stern-Sonderheft. Denn die stern-Ärztelisten haben Empfehlungscharakter: Sie zeigen Ihnen, uns und auch den Medizinerinnen und Medizinern, den Pflegenden und den politischen Verantwortungsträgern gezielt, wo es gut läuft, wo Professionalität und Hingabe blühen, wo sich der Fortschritt Bahn bricht und Menschlichkeit siegt. Kathrin Schwarze-Reiters Reportage aus der Psychiatrie beweist, wie sehr sich auch großer Aufwand, Geduld und therapeutisches Bemühen lohnen können – und dass sie sich "im System" auch finden lassen. Da ist etwa der 28-jährige Patient, der auch nach Wochen der Behandlung auf der Station des führenden Schizophrenie-Spezialisten, Professor Alkomiet Hasan, in Augsburg draußen auf dem Klinikgelände noch immer eine schusssichere Weste trägt – seine Verfolgungsangst ist noch nicht weg. Man lässt ihn gewähren, justiert die Behandlung, sieben Monate bleibt er, bis die Paranoia verblasst, dann kann er zurück ins Leben. Er besteht wichtige Prüfungen, beginnt eine Ausbildung. Dass es solche Geschichten gibt, und nicht wenige, haben wir auch in diesem Jahr erfahren dürfen.

Ausgezeichnete Ärzte für mich

Wie kann es dann sein, dass gerade im Bereich der Versorgung seelischer Erkrankungen so große Lücken klaffen, dass die Wartezeiten lang, die Therapieplätze umkämpft sind? Hier zeigt sich das wohl dickste Brett, das die Gesundheitspolitik zu bohren hat: Es ist die Tatsache, dass es stets zu gleicher Zeit Unter-, Über- und Fehlversorgung in unserem System gab und gibt. Ein entscheidender Teil dieser fehlenden Balance ist politisch hausgemacht – das System der Fallpauschalen etwa hat, das haben beinahe alle Akteure heute eingesehen, dazu geführt, dass Lukratives viel zu oft angeboten und unwirtschaftlich Erscheinendes von Kliniken gezielt gemieden wurde. Die Krankenhausreform, die als eines der laufenden Projekte der Ampelkoalition noch erfolgreich verabschiedet wurde, könnte helfen.

Einstweilen gilt weiter, was Sie gewiss längst beherzigen: Leben Sie gesund, wissen Sie möglichst viel, und lassen Sie sich, wenn Sie sie brauchen, bei der Wahl Ihrer Spezialistinnen und Spezialisten zuallererst von medizinischen Gütekriterien leiten. Ja, es ist wichtig, hochwertige Krankenhauskost zu erhalten (und das findet zunehmend Aufmerksamkeit), es ist wichtig, dass Besucher kurze Wege haben, aber nichts ist so wichtig wie das Gelingen der Operation nach aktuellen Standards, die gute Nachsorge und die Qualität des Behandlungsergebnisses insgesamt. Für diese Priorisierung stehen die Ärztinnen und Ärzte, die Sie im stern-Extra finden, mit ihrer Überzeugung und mit ihrem guten Namen. Das ist ein guter Kompass.

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