2 days ago

Fitness: Wie Muskelkater entsteht und warum man darüber froh sein sollte



Lange war Muskelkater für die Wissenschaft ein großes Rätsel. Inzwischen versteht man, was im Körper passiert – und warum der Schmerz auch seine guten Seiten hat.

Wer Sport treibt, kennt diesen fies ziehenden Schmerz nach dem Training. Früher oder später erwischt Muskelkater jede und jeden. Lange gingen Sportmediziner davon aus, dass diese Schmerzen durch eine Ansammlung von unerwünschten Stoffwechselprodukten wie Milchsäure – auch Laktat genannt – hervorgerufen werden. Kai Zou, Wissenschaftler und Muskelexperte von der University of Massachusetts in Boston, kennt diese Theorie auch. Er sagt: "Heute weiß man sehr sicher, dass diese Theorie nicht stimmt." Wäre Laktat der Auslöser für die Beschwerden, so der Experte, müssten die bereits unmittelbar nach dem Sport auftreten. Denn nur dann sei das Laktat überhaupt im Körper nachweisbar.

Da Muskelkater aber in der Regel erst ein bis zwei Tage nach dem Training auftritt, muss es einen anderen Auslöser geben. Welchen? Kai Zou muss nicht lange nachdenken und antwortet schnell: "Wir sind sehr sicher, dass er durch kleine Risse in den Muskelfasern entsteht." Diese bilden sich unter der Trainingsbelastung und entzünden sich in den nachfolgenden Tagen – was dann die Schmerzen auslöst. Das hört sich schlimmer an, als es ist. "Das ist keine Verletzung, um die man sich Sorgen machen muss", beruhigt Zou. Das seien normale Vorgänge, die schnell auch wieder abheilen würden. 

Grundsätzlich gilt Muskelkater auch als durchaus positives Zeichen dafür, dass der Körper gefordert und damit ein Wachstumsreiz gegeben wurde. In der Folge werden die Muskelzellen größer und leistungsfähiger. "Nur wenn die Schmerzen übermäßig lange anhalten, dann ist das ein Hinweis, dass man es mit dem Training übertrieben hat", sagt Zou. Außerdem verändere sich mit der Zeit und dem regelmäßigen Training auch die Reizschwelle und der Muskelkater werde seltener.

Muskelkater zeigt, dass die Kraft wächst

Was aber tun, wenn man wieder einmal daran leidet? Auch da weiß Zou die Antwort. Er sagt: "Wärme steigert die Durchblutung der Muskulatur und kann für eine schnellere Reparatur sorgen." Auch leichte Bewegungsübungen wie lockeres Radfahren seien hilfreich. Hohe Belastungen sollte man dagegen vermeiden. Und Massagen und Kälteanwendungen haben in Untersuchungen keine lindernde Wirkung gezeigt. Das gilt auch für die derzeit häufig propagierte Einnahme von Aminosäuren als Nahrungsergänzungsmittel. Einen wissenschaftlichen Beleg, dass sie positiv auf Muskelkater wirken, gibt es nicht. "Wer sich gesund und ausgeglichen ernährt, sollte eigentlich ohne die Einnahme von solchen Mitteln und Pulvern auskommen", sagt Zou.

Gesamten Artikel lesen





© Varient 2025. All rights are reserved