
Dreizehn oder vierzehn? Sicher ist nur: Elon Musk hat mehr Kinder als die FDP Wähler. Ruft er alle Namen hintereinander, dauert das länger als Inventur bei den Wollnys.
Was für eine Woche. Die zahlreichen Teilnehmer des politischen Crash-Diskurses sprinten dieser Tage in Spendierhosen durch den Kommentarspalten-Debattierclub, die praller gefüllt sind als Elon Musks Scheckbuch, wenn mal wieder irgendwo ein uneheliches Kind von ihm auftaucht. Musk, dem inoffiziellen Superminister aus Donald Trumps Legendenadministration wurde nämlich gerade nicht nur das Karriereaus im Weißen Haus prognostiziert - nein, die "Autorin" Ashley St. Clair beteuert darüber hinaus aktuell auf Social Media und vor Gericht, Musk sei der Vater ihres im Herbst 2024 geborenen Sohnes. Gleichzeitig prangert sie an, ebenjener Musk schere sich um die Erziehung dieses gemeinsamen Sohnes und seine väterlichen finanziellen Pflichten noch weniger als um den Aktienkurs von Tesla. Weswegen sie, also St. Clair, sich zur einzig logischen Reaktion entschied: medienwirksam den 100.000-Dollar-Tesla zu verkaufen, den Musk ihr geschenkt hatte. Interessant, denn inzwischen hätten die meisten Frauen lieber ein Auto als ein Kind von ihm.
Offizieller Tesla-Protest also aus der Miterzeugerfraktion. Ein mutiger Schritt. Vor allem in einem Land, in dem der amtierende Präsident so penetrant unverfroren die Werbetrommel für Musks Megaprodukt Tesla rührt, dass TV-Sender hierzulande seine Presseauftritte aufgrund des Rundfunkstaatsvertrags nur noch mit dem Hinweis "Dauerwerbesendung" ausstrahlen dürften. Man stelle sich mal vor, Olaf Scholz stünde im Vorgarten des Kanzleramtes, hinter ihm ein hübsch drapierter VW Polo, und redete dem Volk eindringlich ins Gewissen, als echter Patriot müsse das nächste Auto auf jeden Fall ein Volkswagen sein.
Wenn dann (vielleicht) nach einigen Monaten des streng regierungsergebenen Konsumverhaltens durch den deutschen Automichel eine spontane Neuwagen-Kaufwelle über die Wolfsburger Produktionshallen hereinbräche, die den Aktienkurs von VW rettete, würde die Presse mit kritischen Nachfragen zur Rolle von Olaf Scholz bei dieser überraschenden Trendwende am Dax beginnen. Der würde jedoch die Cum-Ex-Karte ziehen und sich traditionell an nichts erinnern. Ungünstig an dieser Stelle lediglich: Deutschland ist eben nicht Amerika. Das wusste schon Franz Beckenbauer, als er feststellte: "Die Schweden sind keine Brasilianer!" Wobei, wenn das mit Donald Trump so weitergeht, sind sowohl Schweden wie auch Brasilianer demnächst vermutlich ohnehin Amerikaner. Jedenfalls, wenn es der Frau von US-Vize J.D. Vance dort nicht zu kalt ist.
It Musk Have Been Love, But It's Over Now
Jetzt aber schnell zurück zur omnipotenten Befruchtungsmaschine Elon Musk. Der hat inzwischen so viele Kinder, selbst deutsche Qualitätsmedien verlieren gelegentlich den Überblick. Über das neueste Mitglied der Elon-Musk-Erbengemeinschaft sprechen beispielsweise die Fertilitäts-Chronisten vom "Spiegel" von Musks 14. Kind, während sich das Politmagazin "Gala" sicher ist, Ashley St. Clair sei die Mutter von Musks 13. Kind. So oder so: Elon Musk hat mehr Kinder als die FDP Wähler. Ruft er alle Namen hintereinander, dauert das länger als Inventur bei den Wollnys.
Eindeutig definierbar ist an der Geschichte momentan erst etwa so viel, wie an der außenpolitischen Philosophie der neuen US-Regierung. Ashley St. Clair etwa taucht, zumindest für Nicht-Amerikaner, aus dem Nichts auf - und ihr Name erinnert dann auf den ersten Blick auch noch an mittelmäßig hyperkreativ ausgewählte Künstlernamen von Porno-Darstellerinnen. Wobei das natürlich sexistischer Quatsch ist. Aber mal was anderes: warum liegt hier eigentlich Stroh rum?
Der Elefant auf der gemischten Toilette
Jene Ashley St. Clair wünscht sich mehr finanzielle Zuwendung. Musk beteuert derweil, er habe bereits 2,5 Millionen Dollar beigesteuert. Darüber hinaus verdient St. Clair ja auch selbst ordentlich. Die ursprünglich als rechte Influencerin bekannt gewordene Trump-Supporterin firmiert inzwischen als Autorin. Logisch, "Autorin" hört sich intellektueller an als "Fake News Superspreader". Und immerhin hat sie (nicht allein zwar, aber immerhin) ein Kinderbuch auf den Markt geworfen, das mit Sicherheit nicht durch die Trump-Cancel-Culture-Offensive an Schulen verboten wird. Ihr Meisterwerk heißt "Elefanten sind keine Vögel" und erklärt Kindern, da kommen Sie nie drauf: dass Elefanten keine Vögel sind.
Die eigentliche Message, die "Elephants Are Not Birds" in die Kinderzimmer transportiert, lautet natürlich: Jungs sind keine Mädchen. Oder wie der Verlag sagt: "Ein christlich konservatives Kinderbuch zum Thema Geschlechtsidentität." Darin begleiten die wissbegierigen Kinder dann einen Kevin dabei, wie er lernt, dass er kein Vogel ist, nur weil er singen kann. Und das, obwohl diese linksgrün zersetzte Gesellschaft eine Kultur der Woke-Wahrnehmung geschaffen hat, die ihm genau das einreden möchte. Alles in allem also ein sehr sympathisches Buch, in dem garantiert noch weniger gegendert wird als bei einer Festrede von Christoph Ploß. Und sehr logisch. Die Fortsetzung wird sich vermutlich mit einem Mädchen befassen, das Jane heißt und lernt: Eine Banane ist kein Auto, nur weil sie gelb ist.
Was Ashley St. Clair bewogen hat, ein Pamphlet gegen Geschlechtsidentität zu verfassen, ist unklar. Vielleicht wollte sie frühzeitig sicherstellen, dass Elon Musk nicht nochmal erleben muss, wie eines seiner Kinder sich mit seinem Geschlecht unwohl fühlt. Musks Tochter Vivian Jenna Wilson war 2004 als "Xavier" auf die Welt gekommen, dann "weiblich und später transgender geworden" und hatte ihrem biologischen Vater unlängst vorgeworfen, er hätte bei ihr die sexselektive In-Vitro-Fertilisation verwendet. Eine Methode, bei der das Geschlecht eines Embryos vor der Implantation bestimmt und ausgewählt wird.
Lars, Friedrich und die kleinen Paschas
Keine 14 Kinder, aber fast so große Probleme wie Elon Musk hat unterdessen Friedrich Merz. Der Mann, der noch sehnlicher Kanzler werden möchte als Elon Musk Intellektueller, steht weiterhin in harten Koalitions-Verhandlungen mit der SPD. Und stark unter Druck. Nachdem er mit seinem Schuldenbremsen-Rückwärtssalto bereits einiges an konservativer Wählergefolgschaft verprellt hatte, muss er nun dringend mal punkten. Da bietet sich natürlich das Lieblingsthema der Rechts-Bubble an: Migration. Leider ausgerechnet der Bereich, bei dem SPD-Chefverhandler Lars Klingbeil ihn bislang gnadenloser auf die Tartanbahn der Erklärungsnotstände geblutgrätscht hatte als Jürgen Kohler und Katsche Schwarzenbeck zusammen.
Die SPD, mit desaströsen 16,4 Prozent aus der Bundestagswahl hervorgegangen, kommt seit dem 23. Februar vor Verwunderung nicht mehr in den Schlaf. Wie man mit einem Ergebnis, über das mittlerweile sogar die AfD nur noch müde lächelt, eine so dominante Rolle in den Regierungsanbahnungsgesprächen einnehmen kann, ist das größte Rätsel der parlamentarischen Demokratie. Wobei die Nibelungentreue der SPD zum möglichst sorglosen Umgang mit der Migrationssituation durchaus Fragen aufwirft. Vor allem in einer Zeit, in der das Thema wie kein zweites die Stammtische des Landes beschäftigt. Und das in den Kneipen wie auch das in den Kommentarspalten. Andererseits: Wenigstens redet Friedrich Merz aktuell nicht mehr andauernd von "kleinen Paschas", "Sozialtourismus" oder Zahnarztterminen.
Schrödingers harte Hand des Gesetzes
Ebenfalls Schlagzeilen am sogenannten Fließband produzierte diese Woche die französische Justiz mit ihrem Urteil gegen die Rechtspopulistin Marine Le Pen. Die hätte nach aktueller Einschätzung vieler Experten die kommende Wahl gewonnen. Hätte. Denn nun ist sie wegen Veruntreuung zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Außerdem tritt umgehend ein Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern in Kraft. Folglich kann sie 2027 nicht als Kandidatin antreten. Der Supergau für jeden, der Merz für zu weit links hält. Nach Ungarn, Italien oder den Niederlanden galt unter glühenden Verfechtern der Stolzmonat-Bewegung Frankreich als das nächste Land, in dem alsbald jeder in Reichtum und Sicherheit leben würde, weil endlich Gendern verboten wird und natürlich Migration. Und jetzt? Schlimmere Katerstimmung als bei Tino Chrupalla, wenn jemand nach Lieblingsgedichten fragt.
Und obwohl die turbopatriotische Deppen-Armada beim absichtlichen Fehlinterpretieren von Kriminalstatistiken noch einfallsreicher ist als Donald Trump bei neuen Zöllen, kommt sie durch den Le-Pen-Downfall in ein Erklärungsdilemma. Jahrelang hatte man gepredigt, die Justiz möge bei Straftaten endlich konsequent durchgreifen. Heute echauffiert man sich, das Urteil gegen Marine Le Pen sei demokratiefeindlich und daher schon mal mindestens ein Justizskandal. Dabei hatte Le Pen selbst schon 2013 genau die konsequente Vorgehensweise gegen exakt die Vergehen gefordert, wegen der sie nun verurteilt wurde. Die volle Klaviatur des Rechtsstaats wird offenbar nur vehement gefordert, wenn es um politische Gegner geht. Oder wie wir Philosophen sagen: Schrödingers harte Hand des Gesetzes. Wie Europas Rechtspopulisten den Verlust ihrer Galionsfigur Marine Le Pen verkraften, das verrate ich vielleicht schon kommende Woche genau hier!