1 day ago

Amélie Thöle: "Der Club ist für mich wie eine zweite Familie"



Foto: fcn.de
fcn.de: Im Sommer 2021 bist du aus Ingolstadt zum Club gewechselt. Hättest du damals gedacht, dass du knapp vier Jahre später bei 100 Spiele für den Club absolviert hast, ein Jahr Bundesliga gespielt hast und mittlerweile kurz vor dem zweiten Aufstieg stehst? Thöle: Nein, gedacht habe ich mir das nicht, aber dennoch irgendwie darauf gehofft. Ich bin damals gekommen, weil ich wusste, dass der Verein eine gute Infrastruktur hat und viel näher an meiner Heimat ist. Ich habe mich für den Wechsel entschieden, da es mir bewusst war, dass die Mannschaft eine unfassbar hohe Qualität hatte. Dass wir dann so durchgestartet sind hätte niemand erwartet, aber das war mehr als verdient. fcn.de: Du bist vor den Toren Nürnbergs geboren. Wie fühlt es sich für dich an für den Club zu spielen? Thöle: Es erfüllt einen auf jeden Fall mit Stolz. Ich war früher oft im Stadion und war auch Einlaufkind. Es ist weiterhin unglaublich dieses Wappen auf der Brust zu tragen. fcn.de: Du spielst aktuell deine vierte Spielzeit für Rot-Schwarz. Wie bilanzierst du deine bisherige Zeit am Valznerweiher? Thöle: Alles in allem durchwegs positiv. Ich habe hier auf den unterschiedlichsten Positionen gespielt und konnte mich auch sportlich und menschlich hervorragend weiterentwickeln. Der Club ist für mich wie eine zweite Familie und ich fühle mich hier sehr wohl. fcn.de: Du hast es gerade selbst erwähnt: Du hast bisher die verschiedensten Positionen besetzt. Als Mittelfeldspielerin angefangen, über die rechte Außenbahn in die Innenverteidigung als zentraler Baustein. Was hat das mit deiner eigenen Entwicklung gemacht? Thöle: Ich bin als Mittelfeldspielerin hierhergekommen, jedoch auch ziemlich schnell in die Verteidigung gerutscht. Da wir viele verletzte Spielerinnen hatten, hat mich damals unser Trainer Osman Cankaya zurück in die Abwehr gezogen. Ich war schon immer eher defensiv veranlagt, deshalb hat mir auch das spielen als Schienenspielerin wenig ausgemacht, da wir mit der Fünferkette in der Bundesliga allgemein sehr defensiv ausgelegt waren. fcn.de: Gibt es für dich diese eine spezielle Erinnerung, an die du sofort denken musst, wenn du an deine bisherige Zeit beim Club denkst? Thöle: Ja, die gibt es. Das war das DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Wolfsburg im Max-Morlock-Stadion vor über 17.000 Zuschauern. Ich glaub das würden auch die meisten hier in der Mannschaft antworten, die damals dabei waren. Auch das erste Bundesligaspiel war besonders, aber nachdem das auswärts war, würde ich dennoch zum Pokalspiel tendieren. Da haben wir gezeigt, dass wir mit dem Frauenfußball in Nürnberg den nächsten Step gemacht haben. fcn.de: Du bist als Clubfan aufgewachsen. Gibt es ein Moment aus deiner Jugend, den du direkt mit dem Verein verbindest? Thöle: Ich war ganz oft im Stadion, da durfte ich sehr viel erleben. Mit sechs Jahren war ich Einlaufkind und durfte auch schon einmal als Ballmädchen aushelfen. Diese Momente bleiben in Erinnerung. fcn.de: Der zweite Aufstieg in deiner FCN-Laufbahn steht kurz bevor. Wie geht man damit um? Versucht man diese Chance auszublenden und einfach nur das nächste Spiel zu gewinnen oder möchte man aus dieser Chance vielleicht auch etwas Energie ziehen und nimmt das mit in die Spiele und Trainingseinheiten? Thöle: In der Hinrunde haben wir noch nicht viel darüber geredet, jedoch war da schon klar, dass wir unbedingt aufsteigen möchten. Mit der Herbstmeisterschaft im Rücken haben wir in der Rückrunde deutlich gesagt: Wir steigen auf. Es ist schön, dass es nun immer näher rückt und wir dem Ganzen ein Ende setzen können. Auch dass wir es bereits frühzeitig festmachen können, ist umso besser, denn dadurch fällt viel Druck von einem ab und man kann sich auch auf andere Dinge konzentrieren. fcn.de: Du bist jetzt fast ein halbes Jahrzehnt beim FCN und hast einiges hautnah miterlebt. Kannst du einzelne Punkte nennen, bei denen man genau gemerkt hat, dass der Frauenfußball in Nürnberg den nächsten Schritt gemacht hat? Thöle: Der Startschuss war das DFB-Pokalspiel gegen Wolfsburg. Wir hatten zwar im Vergleich zu anderen Mannschaften schon immer viele Zuschauer, doch nach dieser Partie hat man den Zuwachs auch deutlich am Valznerweiher gespürt. Dort hat der Frauenfußball bei den Zuschauern einen höheren Stellenwert bekommen. fcn.de: Anfang des Jahres hast du deinen Vertrag verlängert. Wie stellst du dir deine nächsten Jahre in Nürnberg vor? Thöle: Im Optimalfall steigen wir in dieser Saison auf, kommen in die erste Liga und können uns dort etablieren. Wir möchten oben bleiben und dort auch Fuß fassen – das ist unser absolutes Ziel. Nachdem ich jetzt lange beim Verein bin und schon einige Erfahrungen sammeln konnte, möchte ich die jüngeren und neuen Spielerinnen gerne mit an die Hand nehmen. fcn.de: Du bist erst 21 Jahre alt, doch hast mittlerweile etliche Jahre auf höchstem Niveau gespielt. Wie ist es in diesem jungen Alter schon als erfahrene Führungskraft und Leaderin zu zählen? Thöle: Es ist auffällig, dass in der zweiten Liga viele Mannschaften deutlich älter sind als wir und ich in anderen Teams mit meinem Alter eine der Jüngsten wäre. Mir war es aber schon immer klar, dass beim Club auf junge Talente gesetzt wird und das ist auch gut so. Ich kann die Rolle sehr gut annehmen, da ich einfach die Erfahrungen schon früh sammeln konnte und so auch einen guten Draht zu den jungen Spielerinnen habe.
Gesamten Artikel lesen





© Varient 2025. All rights are reserved