1 day ago

Zurück nach Deutschland?: Sorge um deutsche Goldreserven in US-Tresoren



Deutschland besitzt die zweitgrößten Goldreserven der Welt. Ein Teil davon liegt in New York – für Krisenfälle. Doch nun werden Sorgen um die Gold-Milliarden laut. 

3.351.546,9356 Kilogramm – oder anders ausgedrückt: 3351 Tonnen. Soviel Gold besitzt die Deutsche Bundesbank. Damit hat Deutschland nach den USA die zweitgrößten Goldreserven der Welt.

Ein Teil der deutschen Reserven liegt in den USA, in den Tresoren der Federal Reserve Bank of New York, kurz auch "Fed" genannt.

Die Bundesbank lagert dort 1236 Tonnen im Wert von rund 113 Milliarden Euro ein. Das sind mehr als 36 Prozent der deutschen Goldbestände. Der größte Teil der gesamten Reserven, mehr als 50 Prozent, liegt mit 1710 Tonnen in Frankfurt am Main. Der Rest befindet sich bei der Bank of London.

Diese Goldreserven sollen der Bundesbank in Krisenzeiten oder zur Schuldentilgung ermöglichen, das Gold in US-Dollar oder britische Pfund zu tauschen. Ende 2021 betrug der Wert des Goldbestandes laut Bundesbank rund 174 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Ausgaben des Bundeshaushalts beliefen sich 2021 auf rund 498,6 Milliarden Euro.

Forderungen nach Kontrolle des deutschen Goldes in den USA

Doch um die 1236 Tonnen in den USA macht man sich nun Sorgen. Denn seit Donald Trump im Weißen Haus das Sagen hat, gibt es Bedenken, ob man den USA vertrauen kann, wenn es um das deutsche Gold geht. Trumps Zolldrohungen und sein Wunsch nach mehr Kontrolle über die politisch unabhängige Fed haben diese Sorgen verstärkt.

Politiker von CDU und CSU fordern deshalb, die Goldreserven nach Deutschland zurückzuholen oder zumindest darüber zu diskutieren.

Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz hatte bereits in der Vergangenheit gefordert, die deutschen Goldreserven im Ausland regelmäßig zu kontrollieren oder zurückzuholen. Der "Bild"-Zeitung sagte Wanderwitz kürzlich: "Natürlich stellt sich die Frage jetzt neu."

Ähnlich äußerte sich der langjährige EU-Abgeordnete Markus Ferber (CSU) in der "Bild": "Ich fordere die regelmäßige Kontrolle der deutschen Goldreserven. Dazu müssen offizielle Vertreter der Bundesbank die Barren persönlich durchzählen und ihre Ergebnisse dokumentieren."

"Holt unser Gold nach Hause!"

Michael Jäger vom Europäischen Steuerzahlerbund fordert sogar, das deutsche Gold aus den USA sofort zurückzuholen. Er sagte der "Bild": "Gerade in einer Zeit, in der in Berlin und in Brüssel über immense Neuverschuldung diskutiert wird, brauchen wir im Notfall sofortigen Zugriff auf alle Goldreserven."

Der ehemalige CSU-Kommunalpolitiker fordert daher, das deutsche Gold in den USA zu kontrollieren und auch die Goldbarren in New York "physikalisch zu prüfen". Am liebsten würde er aber die gesamten deutschen Goldreserven aus den USA nach Deutschland oder Europa holen. "Unsere Forderung: Holt unser Gold nach Hause!", sagte er dem ZDF.

Bei der Bundesbank hat man diese Sorgen offenbar nicht. Präsident Joachim Nagel sagte im Februar, man habe keinen Zweifel daran, dass die Fed New York ein vertrauenswürdiger, verlässlicher Partner bei der Aufbewahrung der Goldbestände sei. Er habe "vollstes Vertrauen" in die Fed und "keine schlaflosen Nächte". Diese Haltung gelte laut "Bild" auch weiterhin.

Warum liegt Deutschlands Gold in den USA?

Die Bundesbank hat bereits in der Vergangenheit Gold nach Deutschland zurückgeholt. Bis 2017 lagerte ein Teil der deutschen Goldreserven in Paris. Die dort bei der Banque de France gelagerten 374 Tonnen wurden nach Frankfurt gebracht. Die Bundesbank begründete dies damit, dass Frankreich wie Deutschland den Euro hat und ein Tausch in eine der internationalen Reservewährungen nicht sinnvoll sei. Außerdem sei Paris kein Handelsplatz für Gold wie etwa London.

Doch warum liegt so viel Bundesbank-Gold in den USA? Thorsten Polleit, bis 2023 Chefvolkswirt der Degussa Goldhandel GmbH und Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Bayreuth, erklärte dem ZDF, dass dies historische Gründe habe. Nach dem Zweiten Weltkrieg exportierte Deutschland mehr in die USA, als es von dort importierte. Dieser Handelsüberschuss wurde mit Gold bezahlt.

"Dann wurde ein Goldbarren aus dem Fach der amerikanischen Notenbank genommen und in das Fach der Deutschen Bundesbank gelegt. Durch die Exportüberschüsse häufte sich das an. Ein erheblicher Teil des Goldes liegt deshalb in den USA", erklärte er. Das deutsche Gold wurde also nicht dorthin gebracht, es befand sich quasi schon immer dort.

Polleit sieht möglichen Schwierigkeiten für das deutsche Gold unter der Trump-Regierung gelassener entgegen. "Ich bin nicht so dramatisch gestimmt", sagte er dem ZDF. Es sei aber eine "gute und disziplinierende Maßnahme, das Ganze mal der Revision zu unterziehen". Dies sei man dem deutschen Steuerzahler schuldig.

Dabei werden die deutschen Goldbarren im In- und Ausland jährlich inventarisiert. Die Bundesbank veröffentlicht sogar eine sogenannte "Goldbarrenliste", die für jeden Goldbarren seine Inventarnummer, sein Gewicht und seine Feinheit detailliert auflistet. Außerdem gibt es an den drei Standorten Frankfurt, London und New York regelmäßige Bestandskontrollen, wie die Nachrichtenagentur DPA in einem Faktencheck schreibt. Johannes Beermann, ehemaliges Vorstandsmitglied der Deutschen Bundesbank, sagte laut DPA, dass es bislang bei keiner Überprüfung Beanstandungen gab.

Quellen: Deutsche Bundesbank, "Bild", "Politico", ZDF, Statista, DPA

Gesamten Artikel lesen





© Varient 2025. All rights are reserved