Mit seinen Zöllen hat Donald Trump den Aktienmarkt ins Strudeln gebracht. Ein Post bei Truth Social deutet nun an: Der Crash könnte kein Versehen sein.
Es ist schlicht ein Blutbad: Allein seit Donnerstag hat der US-Aktienmarkt mehr als sechs Billionen Dollar an Wert verloren. Seit Donald Trump an seinem "Liberation Day" drastische Zölle gegen quasi jedes Land der Erde verkündete, kracht in den USA die Börse ein. Die Investoren fürchten eine Rezession in Folge der Zölle. Und Donald Trump? Der geht golfen. Und gießt nebenbei Öl ins Feuer.
Schon seit Verkündung der Zölle rätseln Experten, was Trump damit bezweckt. Es handle sich um Gegenzölle, behauptet Trump, man wehre sich nur gegen die Zölle der anderen Länder. Der Einbruch der Wirtschaft scheint ihn nicht zu stören. Im Gegenteil: Trump deutet an, ihn mit Absicht herbeigeführt zu haben.
Markteinsturz als Mittel zum Zweck?
Auf seiner Plattform Truth Social teilte Trump einen Clip, der genau das behauptet. "Trump bringt den Markt mit Absicht zum Einsturz", heißt es schon in der Einstiegsgrafik, es bleibt also wenig Spielraum für Interpretationen. "Trump spielt Schach, während alle anderen Dame spielen", preist der Post den Präsidenten. Dass Trump ihn versehentlich repostet hat, ist ausgeschlossen: Der von ihm geteilte Post wurde ursprünglich beim Kurznachrichtendienst X abgesetzt. Trump muss den Link also aktiv zu Truth Social kopiert haben.
Doch was genau soll Trump mit dem gezielten Absturz bezwecken? Der ursprünglich bei Tiktok gepostete Clip erklärt es so: Mit den Zöllen wolle Trump die Steuerkassen füllen, um so eine Zinssenkung der Zentralbank zu erzwingen. Dadurch ließen sich die US-Schulden günstig zurückzahlen, die Hypothekenpreise würden sinken, behauptet der Clip. Durch die Zölle würden außerdem Firmen gezwungen, in den USA zu produzieren. Bauern müssten ihre Lebensmittel in den USA verkaufen, was die Preise senken würde. "Es wird Sie reich machen", behauptet der Clip. "Trump nimmt von den Reichen und gibt es durch niedrigere Preise an die Mittelschicht weiter." Der bekannte Großaktionär Warren Buffet nenne die Strategie deshalb "die beste Wirtschaftspolitik seit 50 Jahren", so der Clip.
Was bezweckt Trump mit den Zöllen?
Ob Trump sich das so wirklich überlegt hat, sei dahingestellt. Mit dem Teilen des Clips macht er sich die Thesen allerdings zu eigen. Einige der im Clip behaupteten Effekte hatte Trump allerdings tatsächlich als wünschenswert genannt. In den vergangenen Tagen hatte er eine Senkung der Zinsen durch die Zentralbank gefordert, Notenbank-Chef Jerome Powell lehnte sie aber als "zu früh" ab. Auch dass er die Industrie zurück in die USA holen wolle, hatte Trump bereits mehrfach betont. Experten zweifeln allerdings, ob das überhaupt in dem von Trump erwarteten Maße möglich ist.
Dass die Mittelschicht auf Kosten der Reichen profitieren soll, ist ebenfalls eher nicht zu erwarten. Die USA importieren mehr Nahrungsmittel, als sie selbst exportieren. Die Preise dieser Importe steigen durch die Zölle jedoch, während die Exporte nicht zwingend sinken. Es ist also eher ein Anstieg der Lebensmittelpreise zu erwarten.
Tatsächlich erwarten Experten einen gegenteiligen Effekt. "Der Effekt wird für Menschen mit weniger Einkommen stärker ausfallen", erklärt Analyst Dipanjan Chatterjee gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Auch das Risiko eines Jobverlustes in Folge der Zölle ist nach Einschätzung von Experten für ärmere Teile der Bevölkerung größer, warnt Gustavo Flores-Macías von der Cornell-Universität. "Wenn die Folgen der Zölle sich durch die Wirtschaft fressen, werden die Jobs von einkommensschwachen Familien in der Regel als erste wegbrechen."
Das sagte Warren Buffet wirklich
Warum lobt also Warren Buffet Trumps Politik, wie der Clip behauptet? Die einfache Antwort: Das tut er nicht. Im Gegenteil: "Zölle sind, in einer Weise, eine Kriegserklärung", erklärte er Anfang März in einem Interview mit "CNN". "Die Zahnfee wird sie jedenfalls nicht bezahlen."
Quellen:Truth Social,Wall Street Journal, AP, CNN