
Seit langer Zeit versuchen Russlands Streitkräfte, die ukrainische Region Luhansk vollständig einzunehmen. Am letzten Prozent des Gebiets scheitern sie jedoch. Ein neuer Vorstoß soll wohl nun neue Möglichkeiten eröffnen.
Die russischen Streitkräfte sind in den vergangenen Wochen an einem kleinen Abschnitt der Front einige Kilometer vorgerückt und haben laut Daten von Deepstate und dem Institut für Kriegsstudien (ISW) einen Brückenkopf nordöstlich der Stadt Lyman bei Novoliubivka errichtet. Dort verläuft die Grenze der Regionen Donezk und Luhansk.
Von letzterer haben die Kreml-Truppen bislang 99 Prozent eingenommen, am letzten Prozent scheitern die Invasoren jedoch trotz großer Bemühungen seit langer Zeit. Für den Kreml eine unangenehme Situation. Moskau erhebt Ansprüche auf die Regionen Luhansk, Saporischschja, Donezk und Cherson, kontrolliert aber immer noch keine davon vollständig.
Laut dem ISW könnte der errichtete Brückenkopf dazu dienen, das langjährige Ziel der Einnahme von Luhansk zu verwirklichen. Moskau würde dies wohl als bedeutenden Sieg feiern und damit die "jahrelangen brutalen Personalverluste" rechtfertigen, schreibt die US-Denkfabrik.
Allerdings hält die Ukraine auch rund 30 Kilometer südlich noch einen kleinen Teil der Region im berüchtigten Wald von Serebryansky. Auch hier scheitern die Kreml-Truppen seit Langem mit ihren Eroberungsplänen.
Ukraine: Russland hat Personalvorteil
Die Bedeutung, die der Vorstoß bei Novoliubivka für Russland dennoch hat, lässt sich auch aus ukrainischen Berichten ablesen. Die Invasoren sollen in einigen Gebieten einen Personalvorteil von 10 zu 1 haben. Unter den Angreifern würden sich gut ausgebildete Vertragssoldaten befinden, heißt es. Russland setzt wohl vor allem auf Infanteristen, nicht auf gepanzerte Fahrzeuge. Das ISW schreibt, es habe in diesem Jahr keine nennenswerten mechanisierten Angriffe in dem Gebiet beobachtet.
Die Hoffnung auf eine vollständige Einnahme der Region Luhansk könnte auch einer der Gründe sein, weshalb der Kreml Friedensbemühungen der USA und der Ukraine ablehnt und verschleppt. Auch würde Russland eine Einnahme wohl nutzen, um sich "bei laufenden Waffenstillstandsverhandlungen und zukünftigen Friedensverhandlungen einen Vorteil zu verschaffen", schreibt das ISW.
Der Brückenkopf könnte aber nicht nur einer möglichen Eroberung des Restes von Luhansk dienen, sondern auch, um nach Westen hin einen Angriff auf die Stadt Lyman in der Region Donezk in den kommenden Monaten zu unterstützen.