
fcn.de: Servus Rouwen, du hast vergangene Woche eine Hospitanz beim Club absolviert. Wusstest du schon zu deiner aktiven Zeit, dass du einmal den Trainerschein machen möchtest oder entstand dieser Wunsch erst nach deinem Karriereende im letzten Jahr? Rouwen Hennings: Für mich stand schon früh fest, dass ich diesen Weg einschlagen möchte. Mit zunehmendem Alter beginnt man, die Entscheidungen der Trainer und die Spielweise stärker zu hinterfragen. Man überlegt sich: Könnte man es nicht auch anders machen? Ich hätte es vielleicht so oder so angegangen. Diese Gedanken wurden mit der Zeit immer größer und der Wunsch, den Trainerschein zu machen, wuchs. fcn.de: Wie bist du dabei zum FCN gekommen? Rouwen Hennings: Heute benötigt man etwas mehr Zeit, die Scheine zu machen, als früher. Ich habe Anfang der Saison meine B-Lizenz gemacht und möchte mich nun weiterbilden. Dafür wollte ich gerne bei einem Profiverein hospitieren, den ich noch nicht so gut kannte, um neue Einblicke zu bekommen. Über Joti habe ich angefragt, ob das möglich wäre, und zum Glück hat es geklappt. Ich hatte eine tolle Zeit und spannende Tage, in denen ich einiges mitnehmen konnte. fcn.de: Wie war der Austausch mit den Verantwortlichen, Trainern und Spielern des FCN? Gab es bestimmte Gespräche oder Eindrücke, die für dich besonders wertvoll waren? Rouwen Hennings: Die Herangehensweise oder die taktische Ausrichtung, die Spielphilosophie sind bei jedem Club unterschiedlich und daraus konnte ich neue Erkenntnisse gewinnen. Ich habe zum Beispiel einen Vortrag zum Athletiktraining von Hannes Wieber sowie einen Vortrag von Jerome Polenz zur Spielphilosophie mitbekommen. Das Thema Athletik kenne ich natürlich aus meiner eigenen Karriere als Spieler, deshalb war nicht alles neu für mich. Dennoch habe ich versucht, so viel wie möglich aufzusaugen. Alle haben sich Zeit für mich und meine Fragen genommen. Ich habe mich sehr gut aufgenommen gefühlt in den Tagen. Ich fand es spannend, in allen Bereichen Einblicke zubekommen, von Athletik über Spielvor- und -nachbereitung, Videoanalyse, organisatorische Abläufe bis hin zu individuellen taktischen Aspekten. Ich habe mich dabei auch intensiv mit Pino austauschen können. Die drei Tage kamen mir vor wie zwei Wochen, so viel wie ich hier mitgenommen habe. fcn.de: Die aktuelle Saison der 2. Bundesliga ist zurzeit sehr ausgeglichen. Wie empfindest und bewertest du diese insgesamt? Rouwen Hennings: Ja, ich finde die Saison sehr ausgeglichen. Lange Zeit waren Platz eins bis acht nur drei oder vier Punkte getrennt. Inzwischen haben sich die ersten sechs etwas abgesetzt, aber mit einem eigenen Sieg und einer Niederlage der Gegner, ist man ganz schnell wieder dran. Aber auch in der unteren Tabellenhälfte ist es ziemlich eng. Für die meisten Teams geht es noch um etwas. Deshalb denke ich, dass es noch bis zum letzten Spieltag sehr spannend bleibt. Für den neutralen Zuschauer ist es natürlich optimal, wenn noch alles offen ist. Vielleicht bekommt aber auch ein Team im April eine Konstanz rein und setzt sich ab. Ich persönlich hoffe, dass es spannend bleibt. fcn.de: Gibt es ein Überraschungsteam in dieser Saison, das deiner Meinung nach noch in den Aufstiegskampf eingreifen könnte? Rouwen Hennings: Elversberg ist definitiv eine Überraschung. Nach der letzten guten Saison mischen sie auch jetzt wieder oben mit. Ich finde auch Kaiserslautern spielt eine ordentliche Saison und ist für mich eine positive Überraschung. Aber auch der Club mit der jungen, frischen Mannschaft ist als Überraschung zu werten. Vor der Saison gab es viele Fragezeichen: Ein Weltmeister als Trainer, sein erster Profijob in Deutschland – wie würde das funktionieren? Doch es ist beeindruckend, wie gut der Club mit den vielen jungen Spielern performt. Eigentlich war die Zielsetzung, eine ruhige Saison zu spielen, und die hast du jetzt schon in der Tasche. Jetzt gilt es darum, dranzubleiben, um nochmal ein Wort um die oberen Plätze mit reden zu können. fcn.de: Du bist 2018 selbst mit Fortuna Düsseldorf in die Bundesliga aufgestiegen. Welche Teams siehst du aktuell als die größten Aufstiegskandidaten? Rouwen Hennings: Ich glaube, dass der HSV fällig ist. Sie wirken sehr bereit und haben selbst Ausfälle wie den von Glatzel sehr gut kompensiert. Selke ist genau zur richtigen Zeit in Topform, insgesamt machen sie einen extrem gefestigten Eindruck. Köln ist aufgrund der großen Kaderqualität ein Aufstiegskandidat. Kaiserlautern oder Paderborn können vielleicht diese positive Überraschung sein. Und natürlich hoffe ich, dass meine Düsseldorfer noch ins Rennen eingreifen können, zumindest um den Relegationsplatz. Und dann vielleicht dieses Mal mit einem besseren Ausgang.