Die Unionsfraktion hinterfragt die Finanzierung bekannter NGOs wie Omas gegen Rechts. Die Linke und Verbände sehen darin einen gefährlichen Angriff auf die Zivilgesellschaft.
Die Unionsfraktion hat im Bundestag eine Anfrage zur Finanzierung von Nichtregierungsorganisationen gestartet, von denen mehrere zu den jüngsten Demonstrationen gegen Rechts aufgerufen hatten.
Die Kleine Anfrage mit dem Titel "Politische Neutralität staatlich geförderter Organisationen" stellt mehr als 550 Fragen zu Organisationen wie Omas gegen Rechts, BUND und Greenpeace. Die Linken-Fraktion kritisierte die Anfrage als "Frontalangriff" auf die Demokratie, mehrere Verbände äußerten sich empört.
Unionsfraktion hat Finanzierung von Omas gegen Rechts im Visier
Zu den in der Anfrage gestellten Fragen gehört unter anderem: "Wie groß ist der Anteil der finanziellen Mittel des Vereins Omas gegen Rechts Deutschland, der aus staatlichen Förderprogrammen stammt?" Und: "Gibt es direkte Verbindungen zwischen dem Verein Omas gegen Rechts Deutschland e. V. und bestimmten Parteien oder politischen Akteuren?" Ähnlich lauten die Fragen zu den anderen politisch tätigen Organisationen.
Für die Linken-Fraktion ist der Hintergrund klar: "Mit einer parlamentarischen Anfrage rächt sich die Union für die antifaschistischen Proteste der letzten Wochen und startet zugleich einen beispiellosen Angriff auf die demokratische Zivilgesellschaft", erklärte die Abgeordnete Clara Bünger. "Das erinnert an autoritäre Staaten und ist angesichts der Tatsache, dass die Union aller Wahrscheinlichkeit nach die nächste Bundesregierung anführen wird, äußerst besorgniserregend."
Linken-Fraktion kritisiert Anfrage als "Frontalangriff" auf die Demokratie
Die Fragen der Unionsfraktion beziehen sich unter anderem auch auf das Recherche-Netzwerk Correctiv, das Netzwerk Campact, das globalisierungskritische Netzwerk Attac, die Amadeu Antonio Stiftung, die Tierschutzorganisation Peta, die Organisation Animal Rights Watch, die Organisation Foodwatch, die Deutsche Umwelthilfe, Agora Agrar, Agora Energiewende, das Netzwerk Recherche und den Verein Neue deutsche Medienmacher*innen.
"Diese Anfrage zeigt: Der zu befürchtende Großangriff auf die emanzipatorische Zivilgesellschaft unter einer Regierung Merz hat begonnen", erklärte Attac zu der Anfrage. "Der Einsatz für soziale Gerechtigkeit und der Kampf gegen rechts sind der Union offensichtlich ein Dorn im Auge", hieß es weiter. "Mit einer von der Springer-Presse gestützten Kampagne versucht die Union, Akteure der demokratischen Zivilgesellschaft gezielt zu diskreditieren." Damit setze die Union ein Vorgehen fort, das sie vor zehn Jahren mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit für Attac begonnen habe.
"Ganz schlechtes Omen für die kommenden vier Jahre"
Kritik am Vorgehen der Union äußerte auch der Grünen-Europapolitiker Sergey Lagodinsky. "Diese Anfrage ist ein Angriff auf die freie Zivilgesellschaft in Deutschland", schrieb er im Onlinedienst X. Dies sei ein "ganz schlechtes Omen für die kommenden vier Jahre am Tag nach dem Wahltag". Lagodinsky sprach von "fast schon Trumpschen Verhältnissen".
"Am Tag nach der Bundestagswahl richtet sich die CDU/CSU gegen die Zivilgesellschaft", warf Amnesty International Deutschland der Unionsfraktion vor. Dabei werde den Nichtregierungsorganisationen unterstellt, "eine Schattenstruktur zu sein, die mit staatlichen Geldern indirekt Politik betreibt".