Die Messe "Watches and Wonders" in Genf präsentiert die neuesten Luxusuhren auf Messeständen, die wie Paläste aussehen. Dabei sind es auch für die Uhrenbranche schwierige Zeiten.
Die Pariser Luxusmarke Van Cleef & Arpels hat ein kleines Luxus-Dorf in die Genfer Messehalle gebaut - die Wände erinnern an Pariser Hausfassaden, an stilisierten Bäumen glitzern bunte Glasblätter, die anmuten wie hauchdünn geschliffene Edelsteine. In einer Vitrine dreht sich ein edles Einzelstück um sich selbst. "Naissance de l’amour" heißt die Spieluhr, in der ein aus Weiß-, Rot- und Gelb-Gold geformter und mit Diamanten besetzter Liebesgott Amor auftaucht und wieder verschwindet.
Der Messestand von Van Cleef & Arpels erinnert an die Herkunftsstadt der Luxusmarke - an Paris.
Messestände wie Paläste
Größer, teurer, luxuriöser - das scheint auch dieses Jahr wieder das Motto zu sein bei Messe "Watches and Wonders" in Genf. 60 Uhrenmarken präsentieren ihre Neuheiten in palastähnlichen Messebauten. "Die Stände sind riesengroß, sehr luxuriös", sagt Oliver Müller. Er kennt die Luxusuhrenbranche wie kaum ein anderer in der Schweiz. Zusammen mit der Investmentbank Morgan Stanley gibt sein Unternehmen "LuxeConsult" jedes Jahr einen Bericht über die Schweizer Uhrenindustrie heraus.
"Da gibt es Marken, denen kostet jede Teilnahme -zig Millionen". so der Branchenexperte. "Ich würde mal sagen, bei einer großen etablierten Marke spricht man leicht von fünf bis zehn Millionen für die sieben bis acht Tage mit dem Aufbau und Personal und so weiter."
Schwächelnde Exporte, aber "positive Energie"
Ganz so grandios, wie sich die Marken bei "Watches and Wonders" präsentieren, gehe es der Branche allerdings nicht: "Es geht ihr nicht so gut, wie es ihr in den letzten Jahren gegangen ist", räumt Müller ein. Der Grund sei vor allem China: Vergangenes Jahr seien die Uhrenexporte dorthin noch einmal um 25 Prozent runtergegangen. Insgesamt seien die Exporte weltweit um drei Prozent gesunken. Aber: "Es ist eine Messe, man muss das Lächeln auflegen und tun, als ob alles normal wäre."
Messechef Mathieu Humair spricht von "reichlich positiver Energie" auf der Luxusuhrenmesse in Genf, der - wie es bei der offiziellen Eröffnung immer wieder hieß - "Welthauptstadt" der Uhren. Fast 50.000 Besucherinnen und Besucher hatte "Watches and Wonders" im vergangenen Jahr - dieses Jahr sollen es noch mehr werden, hoffen die Veranstalter.
Die Basis des Geschäfts
Auch Wilhelm Schmid, Chef der sächsischen Luxusmarke A. Lange und Söhne aus Glashütte, zeigt sich optimistisch. "Ich glaube, es ist fair zu sagen, dass es noch nie mehr Menschen gab, die interessiert waren an schönen Uhren als gerade jetzt, und ich glaube, das ist die Basis vom Geschäft", sagt Schmid.
Solange Begeisterung für mechanische Uhren da sei, mache er sich keine Sorgen. "Wenn man dann dieses Lachen in den Augen sieht, wenn man es den Sammlern und den Journalisten zeigt, dann weiß man, man hat die Jahre - und oft dauert es ja Jahre, bis so eine Uhr fertig ist - nicht umsonst verbracht. Es gibt nur einen Augenblick dann, und der ist wirklich hier und jetzt auf der Messe."
Luxusuhren aus Sachsen: Die traditionsreiche Uhrenmanufaktur A. Lange und Söhne aus Glashütte präsentiert in Genf ihre Neuheiten.
Limitierter Luxus fürs Handgelenk
Als Neuheit präsentiert Lange und Söhne unter anderem eine auf 50 Exemplare limitierte "Minute Repeater Perpetual" - eine "superkomplizierte Uhr", die Schmid erklärt: "Die Minuten-Repetition mit einem ewigen Kalender, mit einem Großdatum, was unser Markenzeichen ist." Dann gebe es ein neues Modell, das ist nur 34 Millimeter groß und sehr flach sei, "auch das ist ziemlich neu für uns", so Schmid. "Und dann eine Odysseus in Honeygold, das haben wir auch vorher noch nie gemacht."
Diese und die Neuheiten der 59 weiteren großen Uhrenmarken hat zunächst einmal das Fachpublikum entdeckt. Inzwischen ist die Genfer Luxusuhrenmesse für alle geöffnet - Eintrittspreis 70 Schweizer Franken, rund 73 Euro.