
Die Reaktionen auf Trumps neues Zollpaket folgten prompt: Der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Lange, sprach in den tagesthemen von "Willkür". Der Schaden für Europa liege im zweistelligen Milliardenbereich. Auch andere äußerten Kritik.
Das neue Zollpaket von US-Präsident Donald Trump ist gewaltig und trifft viele Länder hart - auch die EU-Mitgliedsstaaten. Die Reaktionen ließen dementsprechend nicht lange auf sich warten.
Von "Willkür", die "völlig inakzeptabel" sei, sprach der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament, Bernd Lange von der SPD, in den tagesthemen. Die Ankündigungen seien eine "Kampfansage". Lange erwartet für die EU einen Schaden in einem hohen zweistelligen Milliardenbereich. Trumps Zölle seien eine Kampfansage. Man sei jedoch vorbereitet und werde mit Gegenmaßnahmen reagieren, so Lange.
Wütende Reaktionen und Gegenzölle
Eine "Vollkatastrophe" und "eine handelspolitische Geisterfahrt des US-Präsidenten" nannte der Chef der deutschen Unionsabgeordneten im Europaparlament, Daniel Caspary, die Zollankündigungen aus dem Weißen Haus. Manfred Weber, Präsident der Europäischen Volkspartei EVP im Europäischen Parlament, sieht Europa bereit, seine Interessen im Handelsstreit mit den USA zu verteidigen. "Für unsere amerikanischen Freunde ist heute kein Tag der Befreiung, sondern ein Tag der Verbitterung", schrieb der CSU-Politiker auf der Plattform X. Donald Trumps Zölle schadeten beiden Seiten des Atlantiks. "Europa steht vereint, ist bereit, seine Interessen zu verteidigen und offen für faire, entschlossene Gespräche."
Die Grünen forderten dies auch für den Dienstleistungsbereich, zum Beispiel eine EU-Digitalsteuer oder Einschränkungen für amerikanische Banken auf dem europäischen Markt. Die EU-Kommission hat bereits ein Paket mit Gegenzöllen angekündigt, die am 14. April in Kraft treten sollen. Einzelheiten dazu sind bislang allerdings noch nicht bekannt. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will sich in den Morgenstunden äußern.
Folgen auch für Deutschland
Außenhandelspräsident Dirk Jandura erwartet auch negative Folgen für die deutsche Wirtschaft. "Ich sage es ganz offen: Das werden wir spüren", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Zölle werden wir in Preissteigerungen umsetzen müssen, und das bedeutet in vielen Fällen einen Umsatzrückgang." Bei kleineren Unternehmen, die schon geschwächt aus den letzten schwierigen Jahren gekommen seien, könne das auch das Aus bedeuten. Damit treffe es dann auch deren Arbeitnehmer.
Die Präsidentin des deutschen Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, bezeichnete den US-Schritt als fundamentalen handelspolitischen Einschnitt. "Es ist die Abkehr der USA von der regelbasierten globalen Handelsordnung - und somit die Abkehr von der Grundlage für weltweite Wertschöpfung und entsprechendes Wachstum und Wohlstand in vielen Regionen der Welt. Das ist kein America first, das ist America alone", erklärte die VDA-Präsidentin.
Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) bedauerte die Entscheidung der US-Regierung. "Jetzt gilt es für alle Beteiligten, einen kühlen Kopf zu bewahren", sagte VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup. "Eine Eskalationsspirale würde den Schaden nur vergrößern. Unser Land darf nicht zum Spielball eines ausufernden Handelskrieges werden." Brüssel müsse in seiner Reaktion flexibel und im engen Dialog mit Washington bleiben. Europa brauche ein starkes Mandat, auch im Interesse der deutschen Industrie. "Das Ziel muss eine beidseitig faire Lösung sein - für Europa und die USA", sagte Große Entrup.
Betonte Gelassenheit in anderen Ländern
Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni bezeichnet die US-Zölle als "falsch". Sie hoffe vielmehr auf eine Zusammenarbeit der USA und Europas, um einen Handelskrieg zu vermeiden, sagt sie. Dieser würde den Westen schwächen.
Der französische Branchenverband FEVS erwartet einen Rückgang der Wein- und Spirituosenexporte von mindestens 20 Prozent. Das sagte der Verbandsvorsitzende Gabriel Picard dem Sender BFM TV.
Großbritannien wird Wirtschaftsminister Jonathan Reynolds zufolge angesichts der US-Zölle "ruhig und entschlossen" bleiben, ein Wirtschaftsabkommen mit den USA anzustreben. "Wir haben eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung und werden nicht zögern zu handeln", heißt es in einer Erklärung. Darin weist Reynolds auch darauf hin, dass die USA der engste Verbündete des Königreichs seien. Die USA haben für Großbritannien Zölle von zehn Prozent vorgesehen.
Australien wird Ministerpräsident Anthony Albanese zufolge auf Vergeltungszölle verzichten. "Wir werden weiterhin mit Nachdruck dafür eintreten, dass diese ungerechtfertigten Zölle für unsere Exporteure aufgehoben werden", sagte er. Die von den USA angekündigten Aufschläge seien "nicht die Tat eines Freundes". Die Maßnahme werde die Kosten für amerikanische Haushalte in die Höhe treiben.
Auswirkungen auch an den Börsen
Kanadas Ministerpräsident Mark Carney kündigte allerdings Gegenmaßnahmen an. Diese würden am Donnerstag bekanntgegeben, sagte er vor einer Kabinettssitzung. "Es ist wichtig, zielgerichtet und mit Nachdruck zu handeln, und genau das werden wir tun." Dem US-Präsidialamt zufolge gilt der neue Basiszoll von zehn Prozent zwar nicht für Kanada. Allerdings bleiben die US-Zölle von 25 Prozent für viele Güter im Zusammenhang mit Drogen- und Einwanderungsfragen in Kraft.
Der amtierende südkoreanische Präsident Han Duck-soo ordnete Sofortmaßnahmen zur Unterstützung von Unternehmen an, die von den US-Zöllen betroffen sind. Dies teilte das Industrieministerium mit. "Da der globale Handelskrieg zur Realität geworden ist, muss die Regierung all ihre Fähigkeiten einsetzen, um die Handelskrise zu überwinden", sagte Han nach Angaben des Ministeriums bei einem Treffen mit dem Finanzminister und anderen Spitzenbeamten.
Die Aktien großer Technologiekonzerne geben im nachbörslichen US-Handel zunächst deutlich nach. Apple fällt zeitweise um 6,1 Prozent, Microsoft um zwei Prozent und Nvidia um 4,7 Prozent. Amazon gibt fünf Prozent nach, Meta fällt ebenfalls 4,7 Prozent und Tesla 5,9 Prozent. Für Alphabet geht es drei Prozent runter, für Alibaba 3,9 Prozent und für Netflix 2,8 Prozent. Auch Unternehmen der Chipbranche lassen im nachbörslichen Handel Federn.
Mit Informationen von Thomas Spickhofen, ARD-Studio Brüssel