Timothée Chalamet könnte als jüngster Hauptdarsteller mit einem Oscar ausgezeichnet werden. Wie er es in zehn Jahren so weit schaffte.
Als Timothée Chalamet (29) 2015 das erste Mal über den roten Teppich der Berlinale schritt, nahm ihn kaum jemand wahr - ein 19-jähriger, gelockter Junge mit einer schlaksigen Figur, die ihm damals viele Vorsprechen vermasselte. Zehn Jahre später sieht das anders aus: Bei der Berlinale 2025 wurde er mit Kreischkonzerten und Blitzlichtgewitter frenetisch gefeiert und seine Pressekonferenz platzte aus allen Nähten.
Dazwischen liegt ein Karriereaufstieg der Superlative: Seinen Durchbruch hatte er 2017 mit dem Sommer-Italien-Drama "Call Me by Your Name", in dem er als junger Mann mit erwachender Sexualität das Publikum und die Academy gleichermaßen verführte. Danach bewies er mit Rollen wie dem drogenabhängigen Sohn in "Beautiful Boy" und Paul Atreides in "Dune", dass er mehr ist als Hollywoods nächster Teenieschwarm. Auch Greta Gerwig (41), Woody Allen (89), Wes Anderson (55) und Netflix ("Don't Look Up") sicherten sich seine Präsenz. Spätestens mit "Wonka" wurde er zum Blockbuster-Garanten.
Auf dem Boden bleiben
Der Erfolg brachte ein neues Leben mit sich: Chalamet hängt mittlerweile mit seinen großen Idolen ab, allen voran Rapper Kid Cudi (41), und datet mit Kylie Jenner (27) eine der berühmtesten Frauen der Welt. Seit zwei Jahren tauchen sie immer wieder gemeinsam bei Konzerten, Sportevents und Preisverleihungen auf, zuletzt kichernd und Händchen haltend am Valentinstag im Berlinale-Kino.
Der "GQ" berichtete er 2023 von dem Rausch seiner Karriere und dem Versuch, auf dem Boden zu bleiben: "Man muss auch echte Erfahrungen machen. Menschliche Erfahrungen. Man muss sich verlieben, man muss sich langweilen." So wirkt Chalamet bei seinen öffentlichen Auftritten weiterhin geerdet. Er tritt stets höflich auf, nimmt sich mehr Zeit für seine Fans als für die Fotografen, geht weiterhin mit seiner Mutter auf Preisverleihungen, spricht voller Bewunderung für seine Kollegen und Kolleginnen und schleicht sich schon mal auf einen Chalamet-Look-A-Like-Contest in New York (ohne ihn zu gewinnen). Chalamet ist immer noch beides: das Wunderkind und der Welpe Hollywoods.
Chalamet als Dylan: Die Rolle seines Lebens?
Die größte Herausforderung seiner Karriere, das betont er in etlichen Interviews, aber war "Like A Complete Unknown", in dem er Bob Dylan (83) verkörpert. Fünf Jahre bereitete er sich darauf vor, arbeitete mit Gesangs- und Gitarrenlehrern, Dialektcoaches und Bewegungstrainern. Selbst am Set von "Dune" und "Wonka" spielte, sang und übte er Dylan.
Für den tatsächlichen Dreh ließ er keine Freunde oder Familie ans Set, vermied private Gespräche mit Co-Stars wie Edward Norton (55) und Elle Fanning (26). "Ich hatte drei Monate, um Bob Dylan zu sein, nach fünf Jahren Vorbereitung. Gott bewahre, dass ich einen falschen Schritt mache, weil ich Timmy bin. Ich könnte für den Rest meines Lebens Timmy sein!", verriet er dem "Rolling Stone" über seine Herangehensweise.
Offenbar hat er keinen falschen Schritt gemacht. Die Kritiken sind herausragend, die Academy hat ihn nominiert - und jetzt rückt der Oscar in greifbare Nähe.
Mit nur 22 Jahren wurde Chalamet für "Call Me by Your Name" als jüngster Hauptdarsteller seit 70 Jahren für einen Oscar nominiert. Im Februar 2025 gewann er als jüngster Schauspieler aller Zeiten den SAG-Award für seine Darbietung des Dylan. Und am 3. März könnte er als jüngster Oscarpreisträger in der Kategorie "Bester Hauptdarsteller" in die Geschichte eingehen. Damit würde er Adrien Brody (51) vom Thron stoßen, der den Preis 2003 gewonnen hatte - ebenfalls im Alter von 29 Jahren, aber mit einigen Monaten mehr auf dem Buckel. Und manchmal kommt es auf die Details an.