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Oscar-Favorit "Emilia Pérez": Aufstieg und Fall des Musicals



Die Oscar-Hoffnungen von "Emilia Pérez" erlitten durch alte Tweets von Hauptdarstellerin Karla Sofía Gascón einen erheblichen Dämpfer.

Jacques Audiards, 72, Gangster-Musical "Emilia Pérez" galt noch vor einem Monat als einer der größten, wenn nicht der größte Oscar-Favorit. 13 Nominierungen konnte das Werk mit den Stars Zoe Saldaña, 46, und Selena Gomez, 32, in bedeutenden Rollen einheimsen. Das stellt für einen nicht-englischsprachigen Film einen absoluten Rekord dar. Bislang lagen in dieser Hinsicht Ang Lees, 70, "Tiger and Dragon" sowie "Roma" von Alfonso Cuarón, 63, mit jeweils zehn Nominierungen vorne.

Doch die Oscar-Chancen von "Emilia Pérez" sollten eine erheblichen Dämpfer erhalten, als Ende Januar 2025 alte, rassistische, antimuslimische und offen diversitätsfeindliche Tweets von Hauptdarstellerin Karla Sofía Gascón, 52, auftauchten. Eine Chronologie der Ereignisse.

Awards-Liebling "Emilia Pérez"

Der Siegeszug von "Emilia Pérez" schien unaufhaltsam. Schon bei der Weltpremiere in Cannes im vergangenen Jahr konnten der Preis der Jury sowie der Preis für das beste Schauspiel-Ensemble gewonnen werden. Streaming-Gigant Netflix erwarb die Distributionsrechte an dem französischen Film in der Folge für kolportierte acht Millionen US-Dollar, berichtete "Variety".

Zahlreiche weitere Auszeichnungen - etwa vier Golden Globe Awards und fünf Europäische Filmpreise - folgten. Netflix winkte somit bei den in der Nacht vom 2. auf den 3. März stattfindenden 97. Academy Awards erstmalig der Oscar in der Königs-Kategorie "Bester Film".

Hauptdarstellerin Gascón ist zudem als erste offen ihre trans Identität lebende Darstellerin für einen Oscar als beste Hauptdarstellerin nominiert - und hat damit bereits Filmgeschichte geschrieben.

Alte Tweets werden Karla Sofía Gascón zum Verhängnis

Mitten in die Oscar-Kampagne platzten dann, wie eingangs bereits erwähnt, alte Tweets, die Gascón zwischen 2016 und 2023 auf dem Kurznachrichtendienst X abgesetzt hatte.

Einer dieser Tweets, den die Schauspielerin im November 2020 gepostet hatte, lautete dem "Hollywood Reporter" zufolge etwa: "Entschuldigung, ist es nur mein Eindruck oder gibt es immer mehr Muslime in Spanien? Jedes Mal, wenn ich meine Tochter von der Schule abhole, gibt es mehr Frauen mit Kopftuch und Röcken, die bis zu den Knöcheln reichen. Vielleicht müssen wir nächstes Jahr Arabisch statt Englisch unterrichten."

In einem anderen Post kam sie auf den US-Amerikaner George Floyd zu sprechen, dessen Ermordung durch weiße Polizisten 2020 landesweite Proteste in den Vereinigten Staaten ausgelöst hatte. Floyd bezeichnete Gascón als "einen Drogenabhängigen und Gangster".

Halbherzige Entschuldigungen und die Andeutung einer Verschwörung

Es kam zu einem öffentlichen Aufschrei. "Emilia Pérez"-Star Gascón nahm in der Folge an renommierten Preisverleihungen wie den BAFTAs oder den Screen Actors Guild Awards nicht mehr teil. Netflix schloss die Darstellerin außerdem von der Oscar-Kampagne für "Emilia Pérez" aus und zahlte nicht mehr sonst übliche Dinge wie ihre Reisekosten oder Outfits für Awards-Zeremonien, berichtete "Variety".

Auch Gascóns Co-Stars reagierten. So erklärte der ebenfalls für "Emilia Pérez" oscarnominierte Marvel-Star Zoe Saldaña laut "Vanity Fair" bei einer Fragerunde in London: "Ich habe keine Toleranz für negative Rhetorik gegenüber Menschen jeglicher Gruppe."

Gascón selbst reagierte mit einer Entschuldigung und erklärte zunächst unter anderem, dass sie in der Vergangenheit die sozialen Medien als ein "Tagebuch" genutzt habe und dass sich ihre Ansichten über Muslime weiterentwickelt hätten, wie unter anderen die "Los Angeles Times" berichtete.

Wiederholt deutete sie in öffentlichen Äußerungen an, dass die Verbreitung ihrer alten Tweets Teil einer Hetzkampagne gegen sie wäre. Gegenüber "CNN en Español" sagte sie: "Ich glaube, ich bin verurteilt worden. Ich bin verurteilt, geopfert, gekreuzigt und gesteinigt worden, ohne Prozess und ohne die Möglichkeit, mich zu verteidigen."

Ihren X-Account löschte sie.

Im Hinblick auf die diesjährige Oscarverleihung ist daher mehr als fraglich, ob "Emilia Pérez" seinem Favoritenstatus noch gerecht werden wird. Ein Sieg in den Kategorien "Bester internationaler Film", "Bestes Make-up" und "Beste Frisuren" sowie für Saldaña als "Beste Nebendarstellerin" erscheint dennoch nach wie vor im Bereich des Möglichen.

Karla Sofía Gascón wird im Übrigen an der Oscarverleihung im Dolby Theatre in Los Angeles teilnehmen, nachdem sie zuvor Awards-Shows ausgelassen hatte. Netflix wird laut eines Berichts des US-Filmmagazins "Variety" die Kosten für ihre Teilnahme übernehmen. Unklar sei gegenwärtig noch, ob sie über den roten Teppich laufen, für Interviews zur Verfügung stehen und an der Seite ihrer Co-Stars und ihres Regisseurs sitzen wird. Auch wie das Publikum auf Gascón reagieren wird, bleibt abzuwarten.

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