
marktbericht
Vor der heutigen Bundestagsabstimmung über das Fiskalpaket hoffen die Anleger auf frische Wachstumsschübe für die deutsche Konjunktur. Der DAX nimmt das Rekordhoch wieder ins Visier.
Der DAX startet mit einem Plus von 0,4 Prozent auf 23.247 Zähler in den Handelstag. Nach zuletzt zwei guten Handelstagen nimmt das Börsenbarometer damit erneut Kurs auf das Rekordhoch vom 6. März bei knapp 23.476 Punkten.
Gestern war der DAX 0,7 Prozent fester bei 23.154 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Anleger würden sich auf die künftigen möglichen Wachstumsschübe in Deutschland durch die geplanten Milliardenprogramme für Verteidigung und Infrastruktur konzentrieren, stellt André Sadowsky, Aktienexperte bei der Commerzbank, fest.
"Seitdem CDU und SPD sich auf eine starke Ausweitung der Staatsausgaben für Verteidigung und Infrastruktur geeinigt haben, ist die konjunkturelle Zuversicht an den Finanzmärkten gestiegen, und durch die angekündigte Zustimmung seitens der Grünen bekommt das Szenario einer deutlichen Schuldenausweitung immer mehr Konturen", schreiben die Marktbeobachter der Helaba.
Wie so oft sei vermutlich nicht alles Gold, was glänze. "Zu beachten sind die Auswirkungen der schuldenfinanzierten Programme auf das allgemeine Zinsniveau", so die Fachleute.
Heute wird mit Spannung erwartet, ob bei der Abstimmung eine Zweidrittelmehrheit zustande kommt. Scheitert die Lockerung der Schuldenbremse für Verteidigungsausgaben und das 500 Milliarden Euro schwere Sondervermögen für Infrastruktur, dann könnten auch die Koalitionsverhandlungen platzen.
"Eine Bazooka bei den Staatsausgaben hilft allein nicht", gibt Michael Heise, Ökonom vom Vermögensverwalter HQ Trust, zu bedenken. Nennenswertes Wachstum sei nur dann zu erwarten, "wenn wir nicht in einen Handelskrieg mit den USA hineingezogen werden und erste Reformen bei Steuern, Sozialausgaben und Bürokratieabbau beginnen".
Ein wichtiges Thema für die Marktteilnehmer ist ferner der Zinsentscheid der US-Notenbank Federal Reserve am Mittwoch. Viele Experten rechnen damit, dass der Leitzins wie schon im Januar in der Spanne von 4,25 bis 4,50 Prozent belassen wird.
"Die Fed muss mit Abwärtsrisiken beim Wirtschaftswachstum zurechtkommen, während sich für die Inflation gleichzeitig Aufwärtsrisiken abzeichnen. Kurzfristig wird die Fed angesichts der Inflationsgefahr wahrscheinlich dazu neigen, ihre Geldpolitik weiterhin restriktiv zu gestalten, aber das könnte sich schnell ändern", meint Michael Krautzberger, Marktstratege bei Allianz Global Investors.
Es bestehe die Gefahr, dass die Zoll- und Einwanderungspolitik der Regierung unter Präsident Donald Trump zu steigenden Warenpreisen beziehungsweise stärker zulegenden Löhnen führen könnte, kommentiert Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel. "Die Fed dürfte vor diesem Hintergrund bei ihrem datenabhängigen Kurs bleiben und auf schwächere Inflations- und/oder Arbeitsmarktdaten warten, bevor sie die Zinszügel lockert."
Die Wall Street hatte gestern ihren Aufwärtskurs vom Freitag fortgesetzt. Der US-Standardwerteindex Dow Jones hatte sich mit einem Plus von 0,9 Prozent bei 41.841 Punkten aus dem Handel verabschiedet. Der breit gefasste S&P 500 gewann 0,6 Prozent auf 5.675 Zähler, und der technologielastige Nasdaq zog um 0,3 Prozent auf 17.808 Stellen an.
Die asiatischen Börsen sind den über Nacht erzielten Gewinnen der Wall Street gefolgt. Der 225 Werte umfassende japanische Nikkei-Index stieg um 1,5 Prozent auf 37.947 Punkte, und der breiter gefasste Topix notierte 1,4 Prozent höher bei 2.787 Zählern. "Die Anleger waren erleichtert über einige positive Signale, wie die Kursgewinne an der Wall Street und die Rallye der inländischen Handelshäuser, aber die Gesamtsituation hat sich nicht geändert", sagte Yusuke Sakai, ein leitender Händler bei T&D Asset Management.
Die Börse Shanghai blieb fast unverändert bei 3.429 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,2 Prozent auf 4.002 Punkte.
Die Rekordjagd beim Goldpreis geht weiter. Nach einer Verschnaufpause gestern verteuert sich das Edelmetall heute um bis zu einem halben Prozent auf 3.017,01 Dollar je Feinunze und erklimmt damit eine Bestmarke. Anleger greifen derzeit beherzt beim als sicherer Hafen geltenden Gold zu, da sie unter anderem negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf die Konjunktur fürchten. "Auch die israelische Offensive im Nahen Osten könnte dazu führen, dass die Spannungen wieder aufflammen, was den Goldpreis zusätzlich in die Höhe treiben könnte", sagte Kyle Rodda, Chefanalyst beim Broker Capital.com.
Die Kursfantasie bei den Aktien von Steyr Motors setzt sich heute fort. In nur gut zwei Wochen hat sich der Aktienkurs in etwa versechzehnfacht. Am 11. März hatte das Unternehmen eine Vereinbarung mit Rheinmetall über die Entwicklung und Lieferung von Motoren für den militärischen Einsatz veröffentlicht. Daraufhin beschleunigte sich der Kursanstieg massiv. Großaktionär von Steyr Motors ist die Beteiligungsgruppe Mutares.
Der Berliner Wissenschaftsverlag Springer Nature hat im vergangenen Jahr Umsatz und Ergebnis gesteigert und peilt auch 2025 Wachstum an. Die Erlöse kletterten auf rund 1,85 Milliarden Euro. Organisch - also ohne Wechselkurs- und Portfolioveränderungen - sei dies ein Plus von fünf Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis stieg organisch um sieben Prozent auf 512 Millionen Euro.
Die Kursrally von Rheinmetall könnte bald zu einer Aufnahme der Aktien des Rüstungskonzerns in den Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 führen. Auf Basis des Schlusskurses vom 17. März liege Rheinmetall nun über der Schwelle für einen sogenannten Fast Entry im Juni, schrieb Analyst Pankaj Gupta von der US-Bank JPMorgan. Die Rheinmetall-Aktien sind seit Beginn des Angriffskrieges Russlands gegen die Ukraine im Aufwind. Allein 2025 haben die Aktien ihren Wert schon mehr als verdoppelt auf 1.368 Euro. Vor Kriegsbeginn im Februar 2022 hatten sie noch um die 100 Euro gekostet.
Die Allianz trennt sich von ihren indischen Beteiligungen. So soll der 26-prozentige Anteil an zwei Sach- und Versicherungs-Gemeinschaftsunternehmen an den Partner Bajaj Finserv verkauft werden, teilte der Konzern mit. Der Gesamtkaufpreis belaufe sich auf etwa 2,6 Milliarden Euro, der Verkauf muss noch behördlich genehmigt werden. Indien soll für die Allianz ein Wachstumsmarkt bleiben. Die Verkaufserlöse könnten dabei in Indien reinvestiert werden.