
marktbericht
Die Bekanntgabe neuer Zölle auf Autoimporte durch US-Präsident Donald Trump dürfte an den Börsen heute das alles beherrschende Thema sein. Dem DAX drohen nach einem schwachen Vortag weitere Verluste.
Nach einem schwachen Vortag drohen dem DAX heute weitere Verluste. Der Broker IG taxiert den deutschen Leitindex gut zwei Stunden vor dem XETRA-Start gut 0,7 Prozent tiefer auf 22.671 Punkte. Damit würde er den jüngsten Kampf um seine 21-Tage-Linie, einem kurzfristigen Trendindikator, zunächst verlieren. Sie hatte ihm in der Konsolidierung vom Rekordhoch bei 23.476 Punkten jüngst noch Halt geboten. Bereits gestern hatte der DAX die 23.000 Punkten preisgegeben und ging 1,2 Prozent tiefer bei 22.839 Punkten aus dem Handel.
US-Präsident Donald Trump kündigte 25 Prozent Zölle auf alle Autoimporte an und verschärfte damit den Handelsstreit auch mit der Europäischen Union. Die Zölle gelten für alle importierten Autos - von Kleinwagen über Limousinen und SUV bis zu leichten Nutzfahrzeugen. Der Importzoll wird auch bei zentralen Autoteilen fällig. Die hohen Zölle sollen am 3. April in Kraft treten.
Als Trumps Zoll-Ankündigung gestern die Wall Street erreichte, nahmen die Marktteilnehmer das positiv auf. Schließlich wird damit das Rätselraten über die Absichten des US-Präsidenten beendet. Allerdings kann der Markt erst heute auf die Pläne reagieren, was den Dow Jones im Minus verharren ließ. Nach leicht positivem Start war der US-Leitindex zuvor nach unten abgedriftet und schloss 0,3 Prozent tiefer bei 42.454 Punkten.
An der Technologiebörse Nasdaq standen die Kurse von Handelsbeginn an unter Druck. Die Aktien der "Glorreichen Sieben", der größten und bedeutendsten Tech-Werte, gaben allesamt nach. Der Nasdaq 100 ging 1,8 Prozent tiefer bei 19.917 Punkten aus dem Handel.
In Asien sind die Börsen nach der Bekanntgabe neuer Zölle auf Autoimporte durch US-Präsident Donald Trump abgerutscht. In Tokio gab der 225 Werte umfassende Nikkei-Index 1,1 Prozent auf 37.609 Punkte nach, und der breiter gefasste Topix notierte 0,6 Prozent niedriger bei 2.794 Zählern. "Die Marktreaktion hielt sich in Grenzen, da die Zollankündigung im Rahmen der Erwartungen lag", sagte Hiroyuki Ueno, Chefstratege bei Sumitomo Mitsui Trust Asset Management.
Besonders die japanischen Autohersteller verzeichneten Verluste, da Bedenken über die möglichen Auswirkungen der angekündigten Autozölle die Stimmung belasteten. Die Aktien von Toyota waren mit einem Minus von 3,4 Prozent Schlusslicht im Topix. Mazda verlor 6,4 Prozent und war damit die schlechteste Bewertung im Nikkei.
Der japanische Ministerpräsident Shigeru Ishiba erklärte, Tokio werde bald auf die neuen Autozölle der USA reagieren. Nach Angaben des japanischen Finanzministeriums machten Automobile im vergangenen Jahr 28,3 Prozent der japanischen Gesamtexporte in die USA aus, der höchste Anteil unter allen Waren.
Positiver war die Stimmung dagegen in China: Die Börse Shanghai gewann 0,3 Prozent auf 3.379 Stellen. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzhen stieg um 0,4 Prozent auf 3.935 Punkte. Anleger in China hoffen nun auf niedrigere Zölle: US-Präsident Donald Trump hat niedrigere Zusatzzölle für China im Austausch gegen die Zustimmung der chinesischen Regierung zum TikTok-Verkauf in Aussicht gestellt. Trump räumte ein, dass Peking "möglicherweise" ein Mitspracherecht bei dem Deal haben werde - und er denke, dass China einen Verkauf freigeben werde:"Vielleicht gebe ich ihnen eine kleine Senkung der Zölle oder etwas anderes, damit es klappt", sagte Trump gegenüber Reportern.
Schlechte Nachrichten gab es dagegen von konjunktureller Seite: Die Gewinne der chinesischen Industrie sind in den ersten beiden Monaten des Jahres 2025 gesunken. Nach Angaben des Nationalen Statistikamtes (NBS) sanken die Industriegewinne im Zeitraum Januar bis Februar um 0,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im Dezember waren die Gewinne noch um elf Prozent gestiegen.
Die Ölpreise sind im frühen Handel geringfügig gestiegen. Zuvor hatten die USA aufgrund von Befürchtungen über eine Verknappung des weltweiten Angebots gedroht, Länder, die venezolanisches Öl kaufen, mit Zöllen zu belegen. Am Rohstoffmarkt stagnierte die Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee bei 73,85 Dollar je Barrel (159 Liter). Das US-Öl WTI notierte kaum verändert bei 69,74 Dollar.
Der ehemalige Chef der Deutschen Börse, Theo Weimer, und die Finanzexpertin Dagmar Valcárcel werden den Aufsichtsrat der Deutschen Bank einem Bericht des "Handelsblatts" zufolge verlassen. Das Blatt berief sich in seiner Berichterstattung auf mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen. Wer Weimer und Valcárcel im Aufsichtsrat ersetzen könnte, wird die Bank vermutlich in der kommenden Woche mitteilen.
Die Übernahmespekulationen rund um ProSiebenSat.1 haben sich bewahrheitet. Am Abend kündigte der Großaktionär MediaForEurope (MFE) ein Übernahmeangebot für den Fernsehkonzern an. Die von der Familie des ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dominierte MFE will den gesetzlichen Mindestpreis bieten, der sich aus dem Durchschnittskurs der drei Monate vor dem Gebot errechnet. MFE hält bereits 29,99 Prozent an ProSiebenSat.1.
Der Großküchen-Ausrüster Rational blickt verhalten optimistisch auf das laufende Jahr und hält ein Absatz- und Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich für realistisch. Im vergangenen Jahr war der Umsatz um sechs Prozent auf 1,19 Milliarden Euro gewachsen. Die operative Umsatzrendite (Ebit-Marge) soll mit rund 26 Prozent daher leicht unter dem Vorjahresniveau von 26,3 Prozent liegen.
Der Spezialist für Biosimilars - Nachahmerpräparate für Biopharmazeutika - Formycon musste 2024 wegen eines schwierigen Preisumfelds in den USA auf zwei seiner Präparate insgesamt 134 Millionen Euro abschreiben, wie das SDAX-Unternehmen heute mitteilte. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kam in der Folge bei minus 13,7 Millionen Euro heraus, nach plus 1,52 Millionen Euro ein Jahr zuvor. Unter dem Strich verbuchte Formycon 2024 einen Verlust von 125,7 Millionen Euro. Für 2025 rechnet der Konzern nun mit einem operativen Ergebnis von minus 10 bis minus 20 Millionen Euro.
Das KI-Unternehmen OpenAI rechnet einem Medienbericht zufolge ab dem Jahr 2029 mit einem positiven Cashflow. Bis dahin erwartet die Firma hinter ChatGPT einen Umsatz von mehr als 125 Milliarden Dollar, meldet die Agentur Bloomberg unter Berufung auf einen Insider. Im laufenden Jahr geht OpenAI demnach von einer Verdreifachung seines Umsatzes auf 12,7 Milliarden Dollar aus. Eine Stellungnahme von OpenAI gab es zunächst nicht.
Der schweizerische Nahrungsmittelkonzern Nestlé verhandelt offenbar mit Finanzinvestoren über einen Einstieg bei seiner Wassersparte, die mit rund fünf Milliarden Euro bewertet werden könnte, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg gestern unter Berufung auf informierte Personen. Zu den Interessenten gehörten wohl die Investmentfirmen PAI Partners und Bain Capital, ebenso Clayton Dubilier & Rice sowie KKR & Co.