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Islamistische Attentäter könnten nach einer Turboradikalisierung auch in der Karnevalssaison zuschlagen. Ein entsprechender Aufruf des Islamischen Staates verbreite sich schnell, berichten Staatsschützer. Vier konkrete Ziele listet die Terrororganisation auf, die Polizei bereitet sich vor.
Islamisten haben in sozialen Netzwerken zu Anschlägen unter anderem im Kölner Karneval aufgerufen. Auf einer Website der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS) ist laut einem Bericht der Bild-Zeitung ein Plakat mit vier Anschlagszielen zu sehen, davon zwei in Köln, eines in Nürnberg und eines in der niederländischen Hafenstadt Rotterdam.
Konkret nannte der IS folgende vier Ziele: Die Weiberfastnacht auf dem Alter Markt in Köln. Die Karnevals-Party von GreenKomm in Köln. Eine Rosenmontagsfeier in Nürnberg. Die Schlager-Party "Festival der Liebe" in Rotterdam. "Diese Attentats-Aufforderungen verbreiten sich schnell", sagte ein Staatsschützer dem Blatt. "Gerade in den letzten Monaten gibt es eine wachsende Mobilisierung und Radikalisierung unter Islamisten." Die Strategie, selbstradikalisierte Einzeltäter über das Internet zu motivieren, scheine zunehmend erfolgreich.
Solche Veröffentlichungen zielten auch darauf ab, die Bevölkerung zu verunsichern, sagte der Einsatzleiter der Kölner Polizei für die Karnevalstage, Martin Lotz. Man werde das Einsatzkonzept noch einmal anpassen. Eine Polizeisprecherin in Nürnberg sagte: "Wir haben keine Erkenntnisse auf konkrete Anschlagspläne oder eine konkrete Gefährdung. Das ändert nichts an unseren bisherigen Plänen."
Polizei: Wir sind vorbereitet
Aus Sicherheitskreisen hieß es, die Aufrufe seien bekannt und würden auch ernst genommen. Das decke sich mit der aktuellen Gefährdungsbewertung, wonach eine abstrakt hohe Gefahr bestehe, hieß es. Neu seien solche Aufrufe zu Gewalttaten über IS-Propagandakanäle nicht. Der Kölner Einsatzleiter Lotz sagte: "Wir werden die Einsatzkräfte aufgrund des Posts noch einmal sensibilisieren und fortlaufend informieren." Aufgrund der angespannten Sicherheitslage sei die Polizei auf derartige Entwicklungen vorbereitet.
In der vergangenen Woche hatte die Kölner Polizei bereits mitgeteilt, dass sie sich nach dem Anschlag in München und anderen Gewalttaten in Deutschland mit einem strengen Sicherheitskonzept auf die Karnevalstage vorbereite. "Die Sicherheitslage nach den Taten radikalisierter Einzeltäter ist angespannter als in den Vorjahren", hatte Lotz gesagt. Konkrete Hinweise auf Anschlagspläne gebe es zwar nicht - umso mehr sei man aber gefordert, auf alles eingestellt zu sein.
An den Karnevalstagen will die Kölner Polizei in der Spitze rund 1500 Beamte mehr aufbieten als an normalen Tagen. Der Straßenkarneval beginnt an diesem Donnerstag mit Weiberfastnacht.