Die Aids-Stiftung von Elton John wurde in Russland zur unerwünschten Organisation erklärt. Der Vorwurf: Propaganda westlicher Werte und Kritik an Russlands Politik.
Die russische Generalstaatsanwaltschaft hat die Aids-Stiftung des britischen Musikers Elton John zur unerwünschten Organisation erklärt. Dies kommt einem offiziellen Verbot gleich. Laut den Behörden verhalte sich die Stiftung negativ gegenüber einer Politik, die "traditionelle geistig-moralische Werte verteidigt".
Die Begründung der Generalstaatsanwaltschaft führt aus, dass die Stiftung zwar Vereinigungen zur Aids-Prävention und -Bekämpfung unterstütze, jedoch stärker auf die "Propaganda nicht traditioneller sexueller Beziehungen, westlicher Familienmodelle und Geschlechtsumwandlungen" konzentriert sei.
Zudem wird der Stiftung vorgeworfen, sich seit Beginn der sogenannten militärischen Spezialoperation – dem russischen Begriff für den Angriffskrieg gegen die Ukraine – an einer Kampagne des Westens zur Verunglimpfung Russlands zu beteiligen.
Stiftung von Elton John ist in Russland nicht willkommen
Die Elton John Aids Foundation setzt sich seit Jahrzehnten weltweit für den Kampf gegen HIV und Aids ein. In der Ukraine unterstützt sie seit mehr als 20 Jahren Partnerorganisationen und hat seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 über vier Millionen US-Dollar bereitgestellt.
Russlands Entscheidung trifft auf internationale Kritik, da das Land selbst stark von der HIV-Epidemie betroffen ist. Nach Angaben des russischen Epidemiologen Wadim Pokrowski leben etwa 1,2 Millionen Menschen in Russland mit HIV. Im Vergleich dazu schätzt das Robert Koch-Institut die Zahl der HIV-positiven Menschen in Deutschland auf rund 96.700.
HIV-Zahlen sind in Russland alarmierend hoch
Das UN-Programm für HIV und Aids berichtete zuletzt von einer besorgniserregenden Entwicklung in Osteuropa und Zentralasien. Während weltweit die Zahl der Neuinfektionen seit 2010 zurückgeht, steigen sie in dieser Region – besonders in Russland – weiterhin an. Die Kriminalisierung und Diskriminierung gefährdeter Gruppen erschweren dort die Prävention und den Kampf gegen Aids erheblich.