Im Warmen sitzen – oder lieber Geld sparen? Smarte Thermostate versprechen einen Kompromiss. Doch ist das wirklich praktikabel? Der stern hat es für Sie getestet.
Es ist eisig kalt in Deutschland – und trotzdem drehen viele wegen der Energiepreise die Heizung lieber weniger auf. Smarte Thermostate sollen dabei helfen, den Spagat zwischen Gemütlichkeit und Energiesparen etwas einfacher zu machen. Wir haben mit Geräten der Hersteller Tado und Eve getestet, ob man sich das auch als Normalbürger zutrauen kann.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Mit automatisch gesteuerter Heizung ist die Wohnung immer dann warm, wenn man es braucht. Das verbraucht weniger Energie und spart Geld. Neben dem Spareffekt gibt es aber noch einen weiteren Vorteil: Ist man mal länger nicht Zuhause, kann man die Wohnung ohne schlechtes Gewissen auskühlen lassen – und kann später in eine schön warme Wohnung zurückkommen.
Die smarten Thermostate Tado X (Mitte) und Eve Thermo (rechts) im Vergleich mit einem klassischen Regler
© Malte Mansholt
Smarte Thermostate: Erstaunlich einfache Installation
Im Alltag dürften vor allem zwei Hürden vor der Installation abhalten: Die Geräte sind nicht besonders günstig. Und viele Konsumenten trauen sich vielleicht die Installation und die Bedienung nicht selbst zu. Der erste Punkt erledigt sich auf Zeit quasi von selbst: Den Anschaffungspreis spart man durch die geringeren Energiekosten wieder ein. Vor der Umstellung quälte mich daher vor allem letztere Frage: Kann ich das wirklich selbst umrüsten? Schließlich habe ich von Heizungen nicht besonders viel Ahnung. Eine gewisse Hemmung war deshalb auch beim Auspacken noch da.
Tatsächlich war die größte Hürde aber das fehlende Werkzeug: Eine Rohrzange hatte ich zwar mal irgendwann besessen, aufzufinden war sie aber nicht. Im Bad, wo der modernste Heizkörper angebracht ist, brauchte ich aber nicht mal die. Die Manschette des alten Thermostats ließ sich einfach von Hand abdrehen. Anders als die Angst im Hinterkopf behauptete, strömte mir auch kein Wasserschwall entgegen. Stattdessen hielt ich nur das klassische Thermostat in der Hand. Und konnte das smarte sofort aufschrauben.
Das smarte Thermostat von Tado zeigt die aktuelle und die Zieltemperatur
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Sobald dann die Rohrzange besorgt war, ging es deutlich entspannter auch bei den anderen Heizkörpern ans Werk. Und tatsächlich: Mit einer Ausnahme ließen sich alle sieben Heizkörper in kürzester Zeit umrüsten. Nur bei einem war das Aufschrauben aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen etwas komplizierter. Da die anderen Geräte des Herstellers keine Probleme machten, dürfte es eher am Anschluss gelegen haben.
Den Schweiß trieb es mir aber aus anderem Grund ins Gesicht: Ist kein Thermostat aufgesetzt, läuft die Heizung auf voller Pulle. Als das widerspenstige Gewinde das Thermostat endlich akzeptiert hatte, bekam ich dann auch bestätigt, dass mich nicht die Arbeit zum Schwitzen gebracht hatte: Das Thermostat zeigte satte 29 Grad Umgebungstemperatur an. Zu viel Zeit sollte man sich bei der Installation also nicht lassen.
App-Gesteuert
Die Einrichtung der Geräte per App ist dagegen extrem einfach geworden. Scannt man einen kleinen Code auf der Packung, lassen sich die Thermostate sowohl von Tado als auch von Eve mit minimalem Aufwand in die jeweilige App hinzufügen. Besonders einfach macht das der noch relativ neue Smarthome-Standard namens Matter: Der erlaubt es, smarte Geräte unabhängig vom Betriebssystem hinzuzufügen und gemeinsam zu nutzen. Tado und Eve lassen sich so nicht nur gemeinsam koppeln, sie funktionieren auch mit Smartphones mit Apples iOS oder Googles Android oder lassen sich über Amazons Alexa steuern.
Die Automatisierung ist ohnehin die große Stärke der smarten Thermostate. Sie erlaubt es, die Temperatur je nach Raum an die eigenen Routinen anzupassen. Sind die Kinder etwa wochentags in der Schule, bleiben die Zimmer kalt. Und wärmen sich erst kurz vor der Rückkehr wieder auf. Die Küche muss man eigentlich nur zu den Koch- und Essenszeiten warmhalten. Und nachts sind 18 Grad im Schlafzimmer sowieso gesünder.
Das Einrichten benötigt etwas Einarbeitung, ist aber nicht allzu kompliziert. In beiden getesteten Systemen erlaubt es die App, vorgefertigte Zeitpläne zu nutzen oder diese an den eigenen Tagesrhythmus anzupassen. Das funktioniert umso besser, je routinierter der eigene Alltag ist. Dann richtet man etwa für Wochentage und Wochenende jeweils einen passenden Rhythmus ein – ab 21 Uhr reichen in der Küche 18 Grad, das Wohnzimmer soll aber noch bis 23 Uhr warm bleiben. Und im Schlafzimmer reicht morgens eine kurze Wärmephase, wenn man aus dem Bad kommt. Für Schichtarbeiter ist das dann aber schon deutlich fummeliger.
Die smarten Thermostate erkennen Abwesenheit und drosseln dann auf Wunsch automatisch herunter
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Etwas Flexibilität gibt es aber. Neben der Automatisierung erlauben die Thermostate beider Hersteller auch, auf An- und Abwesenheit zu reagieren. Da mein Homeoffice-Arbeitsplatz im Schlafzimmer ist, muss dieses natürlich tagsüber etwas geheizt werden. Außer, ich gehe ins Büro. Die Lösung: Die Apps erkennen über den Standort der Familien-Smartphones, ob sich einer von uns in der Wohnung aufhält. Und bieten mir an, die Heizpläne abzuschalten, wenn nZuhause ist. Wer seinen Standort nicht freigeben möchte, kann aber auch händisch abschalten.
Gut: Beide Modelle erlauben es, die Temperatur bei Bedarf auch einfach direkt am Gerät hochzuregeln. Bei Tado lässt sich das zudem mit einer für Erwachsene und größere Kinder einfach abzuschaltenden Kindersicherung sperren. Danach muss man allerdings auch darauf achten, den Zeitplan wieder zu aktivieren.
Schwer zu knipsen: Das smarte Thermostat von Eve zeigt die Temperatur nur sehr kurz an, um den Akku zu schonen
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Messung am Gerät oder extern?
Einer der größten Unterschiede zwischen Tado und Eve ist die Temperaturmessung. Während Eve auf einen separaten Sensor setzt, verbaut Tado die Sensoren für Temperatur und Luftfeuchtigkeit direkt im Gerät. Beides hat Vor- und Nachteile. Beim Einbau und der Inbetriebnahme ist Tado klar vorne: Einmal angebracht und gekoppelt, lassen sich die Thermostate gleich nutzen. Beim Eve dagegen muss man zusätzlich noch den Sensor in Betrieb nehmen, koppeln und einem Raum und Thermostat zuweisen. Vergisst man die Zuweisung, funktioniert die Automatisierung nicht – weil das Thermostat die Messdaten nicht zuordnen kann.
Trotzdem kann das externe Thermostat auch Vorteile haben. Etwa, wenn die Heizung in einer Ecke des Raumes angebaut ist. Dann kann man den Sensor auf der anderen Seite des Zimmers platzieren, um auch dort eine angenehme Temperatur zu gewährleisten. Auch zu dicke Vorhänge können die Messung verfälschen. Statt der tatsächlichen Raumtemperatur messen die verbauten Sensoren eventuell die hinter dem Vorhang – und hören viel zu früh zu heizen auf. Idealerweise sollte man den Vorhang vor dem Heizen natürlich ohnehin einfach aufmachen.
Wie gut funktioniert das automatische Heizen?
Einmal eingerichtet, funktioniert die Automatik bei beiden getesteten Thermostaten recht gut. Beide halten die Zeitschaltungen ein und versuchen, die Temperatur wie gewünscht zu halten. Versuchen, weil beide manchmal auch über das Ziel hinausschießen: Die Thermostate drehen das Ventil ab, wenn die Wunschtemperatur erreicht ist. Dann bleibt die Heizung aber natürlich noch heiß – und heizt entsprechend noch eine Weile weiter. Etwas smarter dürften die Thermostate also schon sein.
Auch andere Faktoren können die Messung stören. Knallt die Sonne auf die Thermostate (Tado) oder den Sensor (Eve), wird die Raumtemperatur zu hoch angesetzt. Auch eine zu nah am Sensor platzierte Teekanne oder die oben genannten Vorhänge können das Heizen verhindern. Weiß man das, kann man diese Störfaktoren aber natürlich bedenken.
Die Geräte messen auch das Raumklima, also die Kombination aus Temperatur und Luftfeuchtigkeit, und geben Hinweise, wenn man mal lüften sollte.
Etwas nervig kann die Erkennung von geöffneten Fenstern sein. Dabei ist es grundsätzlich praktisch: Tado erkennt Zugluft und empfiehlt, die Heizung während des Lüftens abzuschalten. Leider ist der Sensor für unsere Altbauwohnung manchmal zu empfindlich und schlägt auch bei geschlossenen Fenstern an. Wirklich sinnvoll ist die Funktion ohnehin nicht: Wird nur kurz stoßgelüftet, ist die Ersparnis durch die abgeschaltete Heizung absolut vernachlässigbar. Eve dagegen benötigt einen zusätzlichen Sensor, der direkt am Fenster angebracht wird. Der ist dann zuverlässiger – kostet aber extra.
Wie groß ist die Ersparnis?
Wie viel man mit smarten Thermostaten tatsächlich einsparen kann, hängt von mehreren Faktoren ab. Wer viel Zuhause ist, heizt natürlich auch mehr. Achtete man schon vor der Installation penibel darauf, dass nicht sinnlos geheizt wird oder lebt in einem modernen Energiesparhaus, sinkt das Einsparpotenzial ebenfalls.
Zu viel sollte man ohnehin nicht erwarten: Laut Stiftung Warentest sind durch das Herabsenken der Temperatur nachts und bei Abwesenheit zwischen fünf und zehn Prozent Ersparnis zu erwarten. Rechnet man das mit den Anschaffungskosten gegen, dauert es in der Regel also mehrere Jahre, bis sich die Geräte gerechnet haben
Achtung, Abo
Leider sind unter Umständden nicht alle Smartfunktionen im Lieferumfang enthalten: Bei Tado etwa wird die sogenannte Auto-Assist-Funktion an ein Abo gekoppelt. Die passt die Temperatur nicht nur noch smarter an, sondern erlaubt es auch erst, komplett selbstständig die Abwesenheitsfunktion zu nutzen. Ohne Abo fragt die App etwa jedes Mal nach, ob wirklich niemand Zuhause ist. Das Abo ist mit 30 Euro jährlich zwar nicht sehr teuer, die Zusatzkosten kommen aber natürlich zum Anschaffungspreis hinzu. Man kann die Thermostate aber auch ohne Abo nutzen.
Aufladen nicht vergessen
Anders als klassische Drehregler benötigen die smarten Thermostate natürlich selbst Strom. Das Tado X setzt dafür auf Akkus, die per USB-C-Anschluss aufladbar sind. Beim Eve Thermo kommen zwei klassische AA-Batterien zum Einsatz, hier kann man natürlich ebenfalls auf wiederaufladbare Varianten setzen.
Weil die Thermostate nur wenige Minuten am Tag im Einsatz sind, hält eine Akkuladung aber entsprechend sehr lange durch. Geht der Akku zur Neige, melden sich die Geräte. Am schlauesten ist das Aufladen natürlich im Herbst: Dann sind die Thermostate bereit, wenn man sie wirklich braucht.
Fazit: Kein Grund zur Angst – aber auch keine zu hohe Erwartung
Will man mit smarten Thermostaten Geld sparen, muss man keine Angst vor der Installation oder der Einrichtung haben. Beides ist bei modernen Geräten auch für Laien kein Problem. Im Alltag bieten die Geräte schnell und unkompliziert einen Mehrwert – vor allem das Vorheizen bei längerer Abwesenheit überzeugt.
Bei der Geldersparnis sollte man keine zu hohen Erwartungen haben. Abhängig von den eigenen Nutzungsbedingungen sind bis zu 10 Prozent Ersparnis drin – was aber schnell Hunderte Euro sein können. Verrechnet man das mit den Anschaffungskosten, dürften die meisten Haushalte die Geräte nach einigen Jahren gegenfinanziert haben.
Der größte Faktor sind die Kosten: Pro Thermostat muss man bei Tado zwischen 40 und 70 Euro rechnen, bei Eve sind es 70 Euro pro Einheit. Je nach den eigenen Heizkosten ist das aber nach wenigen Jahren wieder von selbst eingespart.