Erkältung? Was wirklich hilft: Drei Ernährungsexpertinnen erklären, welche traditionellen Hausmittel aus der Küche wirken – und welche nicht.
Der erste Schnupfen, ein kratzender Hals oder erschöpfende Hustenattacken – die Erkältungssaison hat uns wieder fest im Griff. Während die Apotheken-Regale vor Erkältungspräparaten überquellen, setzen viele Menschen lieber auf bewährte Hausmittel. Doch was hilft wirklich?
"Die alten Rezepte haben oft einen wahren Kern", sagt Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm. Gemeinsam mit der Ökotrophologin und Journalistin Jessica Bolewski und der Ernährungswissenschaftlerin und Expertin für Familienernährung Sarah Schocke erklärt sie, welche traditionellen Heilmittel tatsächlich gegen Erkältungen wirken – und warum die Wissenschaft den Hausrezepten unserer Großmütter heute mit neuem Respekt begegnet.
Die Kraft der scharfen Küche
"Sauerkraut, Zwiebeln und Knoblauch sind nicht nur traditionelle Heilmittel, sie haben es tatsächlich in sich", erklärt Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm. Besonders effektiv sei unpasteurisiertes Sauerkraut, das zusammen mit glycosinolatreichem Kohl und frischem Meerrettich eine starke Kombination bilde. Wichtig dabei: Die wertvollen Senfölglycoside überleben keine starke Erhitzung.
Knoblauch: Mehr als nur ein Geruchskiller
Die antibakterielle Wirkung von Knoblauch ist wissenschaftlich belegt – allerdings eher in konzentrierter Form als Kapsel. Wer den intensiven Geschmack scheut, kann ihn nach ayurvedischer Tradition mit Curry und etwas Salz dämpfen oder zerdrückt in Suppen verwenden.
Die legendäre Hühnersuppe
Sie ist der Klassiker unter den Erkältungsmitteln: die Hühnersuppe. "Die traditionelle Zubereitung mit Hühnerklein oder Suppenhuhn, kombiniert mit Gewürzen wie Ingwer, Nelken und Piment, scheint tatsächlich wirksam zu sein", so von Cramm. Auch wenn der wissenschaftliche Nachweis noch aussteht – die praktische Erfahrung spricht für sich. Hühnersuppe Erkältung 20.20
Honig: Der süße Helfer
"Honig wirkt antibakteriell und entzündungshemmend", erklärt Ökotrophologin und Journalistin Jessica Bolewski. "Seine klebrige Konsistenz kann den Hustenreiz effektiv lindern." Besonders in Kombination mit Thymian oder roher Zwiebel entfaltet Honig seine Wirkung. Wichtige Einschränkung: Kinder unter einem Jahr sollten keinen Honig bekommen.
Scharf essen gegen Erkältung?
"Schweißtreibendes Essen mit Chili, Ingwer oder Meerrettich wirkt schleimlösend und fördert die Durchblutung unserer Schleimhäute", erklärt Jessica Bolewski. "Dadurch können wir, zumindest kurzfristig, endlich wieder durchatmen." Eine komplette Heilung bewirken die scharfen Gewürze zwar nicht, aber sie können die Symptome deutlich lindern.
Immunsystem stärken durch richtige Ernährung
"Eine gemüselastige Ernährung nach japanischem Vorbild ist ein ausgezeichneter Schutz für das Immunsystem", erklärt Ernährungswissenschaftlerin Sarah Schocke. Der Grund liegt im Darm: Etwa 70 Prozent der Immunzellen befinden sich in der Darmschleimhaut. Ballaststoffreiche Kost wie Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut oder Kimchi fördern die Darmgesundheit und damit die Abwehrkräfte. Ernährungsreport
Viel trinken – aber was?
Bei einer Erkältung ist ausreichend Flüssigkeit besonders wichtig. "Die Schleimhäute müssen feucht bleiben, um ihre Barrierefunktion gegen Viren und Bakterien aufrechtzuerhalten", betont Schocke. Besonders empfehlenswert sind warme Getränke wie ungesüßter Tee, die die Durchblutung im Halsbereich anregen. Ein Geheimtipp: Kurkuma-Tee mit seiner antientzündlichen Wirkung. Auch die klassische Hühnersuppe punktet nicht nur mit Flüssigkeit, sondern auch mit der entzündungshemmenden Aminosäure Cystein. Vegetarier können auf Edamame in einer Ramen-Suppe ausweichen.
Zink und Vitamin C: Die Schutzengel des Immunsystems
Die beiden Nährstoffe spielen eine zentrale Rolle in unserem Immunsystem. "Zink unterstützt das Wachstum der Immunzellen und ist in Vollkorngetreide, Hülsenfrüchten und Kürbiskernen enthalten", erläutert Schocke. Vitamin C, reichlich vorhanden in Paprika, Brokkoli und Grünkohl, ist ein wichtiger Schutzstoff. Allerdings der Hinweis: Hitze zerstört Vitamin C, und beide Nährstoffe wirken vor allem vorbeugend.
Ingwer: Wissenschaftlich bestätigt
Neue Forschungen aus München liefern erste wissenschaftliche Belege für die immunstärkende Wirkung von Ingwer. "Bereits geringe Mengen des Wirkstoffs [6]-Gingerol können die Aktivität von Immunzellen beeinflussen", berichtet Schocke. Die Wissenschaftler empfehlen einen Liter Ingwertee, zubereitet aus 100 Gramm frischer, zerkleinerte Ingwerwurzel mit 15 Minuten Ziehzeit. Auch wenn noch Forschungsbedarf besteht, untermauern diese Erkenntnisse die traditionelle Verwendung von Ingwer bei Erkältungen. STERN PAID 32_24 Einfach Essen 12.20
Was nicht hilft
Dunkle Schokolade, oft als Hustenmittel gepriesen, hat sich in der Forschung nicht als wirksames Heilmittel erwiesen. "Als Stimmungsaufheller ist sie dennoch willkommen", räumt Bolewski ein.