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60. Geburtstag Robert Downey Jr.: Das Stehauf-Iron-Männchen von Hollywood



Robert Downey Jr. ist als Iron Man der Held einer ganzen Generation. Dabei war er zuvor Jahrzehnte lang selbst sein ärgster Gegenspieler.

Hätte man um die Jahrtausendwende prognostiziert, dass Robert Downey Jr. eines Tages zu einem der bestbezahlten Schauspieler der Welt, zum gefeierten Comicfilm-Star und Oscarpreisträger aufsteigen würde, man wäre wohl offiziell für verrückt erklärt worden. So ließ Downey Jr., der am 4. April 60 Jahre alt wird, zuvor zwar mannigfach sein imposantes Talent aufblitzen. Mindestens ebenso häufig kam jedoch seine selbstzerstörerische Seite zum Vorschein, wegen der er um ein Haar in der Versenkung (oder schlimmer) verschwunden wäre. Ein Rückblick auf eine Karriere, die den Begriff "Achterbahnfahrt" redlich verdient.

"Ich möchte meiner schrecklichen Kindheit danken"

In Retrospektive waren die späteren Höhen und Tiefen im Leben von Robert Downey Jr. bereits in seiner frühsten Jugend vorgezeichnet. Sein Vater arbeitete als Filmemacher, seine Mutter trat vornehmlich in dessen Filmen als Schauspielerin in Erscheinung. Kurzum: Wie bei so vielen Stars war für Downey Jr. der Weg ins Entertainment-Business quasi die Übernahme des Familienbetriebs.

Doch auch die Schattenseiten lernte er von Kindesbeinen an kennen. Je nach Erfolg oder Misserfolg der Filme schwelgte die Familie mal in Wohlstand, mal fristete sie ein Dasein in Armut. Zudem war der Vater des heutigen Weltstars schwer drogenabhängig und versteckte die Sucht nicht etwa vor seinem Sohn, sondern animierte ihn sogar noch, daran teilzunehmen. In der Netflix-Doku "Sr." gab der 2021 verstorbene Robert Downey Sr. unverhohlen, immerhin aber reumütig zu, seinem Jungen im Alter von sechs Jahren den ersten Joint in die Hand gedrückt zu haben. 53 Jahre später, im Moment seines größten Triumphs bei den Academy Awards 2024, als er für "Oppenheimer" seinen ersten Oscar in Händen hielt, griff Downey Jr. diesbezüglich zu gewohnter Selbstironie: "Ich möchte meiner schrecklichen Kindheit und der Academy danken - in dieser Reihenfolge."

Der Weg ins "Brat Pack" und zu den Academy Awards

Mitte der 1980er Jahre und mit Anfang 20 gehörte Downey Jr. einer Riege vielversprechender junger Schauspielerinnen und Schauspieler an, die in Anlehnung an das "Rat Pack" um Frank Sinatra, Judy Garland und Co. kurzerhand zum "Brat Pack" ernannt wurde. In dieser Phase seines Schaffens spielte er zuweilen in leichten Coming-of-Age-Streifen, mitunter aber auch in tiefschürfenden Dramen mit, für die er Kritiker-Lorbeeren erhielt.

Eine Rolle mit Signalwirkung war sein Part in "Unter Null", der Verfilmung des gleichnamigen Romans von "American Psycho"-Wunderkind Bret Easton Ellis. Downey Jr. mimt darin einen hochverschuldeten, kokainabhängigen jungen Mann, der am Ende seinen Süchten erliegt - und an einer Überdosis zu Grunde geht...

Knapp fünf Jahre später folgte der Höhepunkt seiner bis dahin währenden Karriere: Für das Biopic "Chaplin" erhielt der Schauspieler seine erste von bislang drei Oscar-Nominierungen und seine erste als Hauptdarsteller, unter anderem neben Schwergewichten wie Clint Eastwood und Denzel Washington. Am Ende mussten sie sich alle einer weiteren Film-Legende unterordnen - Al Pacino gewann für "Der Duft der Frauen".

Der funktionierende Junkie

Beeindruckend wäre in diesem Zusammenhang das falsche Wort. Erstaunlich war es aber allemal, wie Downey Jr. trotz seiner zunehmenden Drogen-Eskapaden Hollywood in den 1990er Jahren zu dominieren wusste. Allein 1999, ein in negativer Hinsicht schicksalhaftes Jahr für ihn, war er in vier Produktionen zu sehen, darunter im stargespickten Ensemblecast-Drama "Black and White".

Seine Beziehungen zerbrachen dagegen. Sarah Jessica Parker, mit der er acht Jahre lang zusammen war, zog 1991 aufgrund seiner Drogensucht die Reißleine. Seine Ehe zu Deborah Falconer, aus der ein gemeinsamer Sohn hervorging, zerbrach ebenfalls während dieser Zeit.

Bereits 1996 war Downey Jr. wegen Besitzes diverser Drogen wie Kokain und Heroin erstmals festgenommen worden. Nach mehreren Therapien erlitt er 1999 einen schweren Rückfall, der ihm eine Haftstrafe von drei Jahren hinter Gittern des California Substance Abuse Treatment Facility and State Prison einbrachte. Weil er zuvor schon mehrere Monate in Entzugseinrichtungen verbracht hatte, musste er letztendlich aber nur rund ein Jahr einsitzen.

Zu diesem Zeitpunkt war Robert Downey Jr. weitestgehend mittel- und heimatlos. Zudem sahen ihn Filmstudios als nicht einstellbar an, da sich alle gängigen Versicherungsunternehmen weigerten, das Risiko einzugehen, den Schauspieler zu versichern. Und doch landete er irgendwie wieder auf den Beinen: In der Serie "Ally McBeal" ergatterte er eine Rolle, die ihm ein Jahr später sogar einen Golden Globe einbrachte.

Doch Downey Jr. wäre nicht Downey Jr., hätte er dieses Comeback nicht umgehend selbst wieder sabotiert. Wieder wurden bei ihm harte Drogen gefunden, nur mit viel Glück entging er einer weiteren Haftstrafe. Doch die Serienrolle war er nach den Eskapaden wieder los, seine Figur wurde eilig aus "Ally McBeal" geschrieben.

Wie Iron Man aus der Asche

Die ersten ernstzunehmenden Comeback-Versuche gelangen ihm 2003 mit "Gothika" und 2005 mit "Kiss Kiss, Bang Bang". Doch erst 2008 erhob er sich wie Phoenix - oder besser gesagt wie Iron Man - aus der Asche: Der Film von Jon Favreau stellte den Auftakt jenes Phänomens dar, das inzwischen als MCU und mit unzähligen Filmen und Serien Einzug in die Popkultur gehalten hat. Downey Jr., inzwischen seit Jahren clean, hatte in Form des extrovertierten Multimilliardärs Tony Stark seine Paraderolle gefunden, der er über zehn Jahre lang und bis "Avengers: Endgame" die Treue hielt. Zeitweise brachte ihm der Part als Superheld Iron Man den "Forbes"-Titel als bestbezahlter Schauspieler der Welt ein. Und siehe da: Endlich riss er sich den Erfolg nicht selbst wieder ein.

Im Gegenteil, zuletzt profitierte er von dem Fehltritt eines anderen Schauspielers. Jonathan Majors, der eigentlich als neuer Superschurke des MCU aufgebaut werden sollte, wurde eine Verurteilung wegen häuslicher Gewalt zum Verhängnis. Marvel feuerte ihn unverzüglich und ließ ihn durch einen Coup umgehend in Vergessenheit geraten: Der Ersatz-Schurke, Fanliebling Doctor Doom, wird doch glatt vom frischgebackenen Oscarpreisträger Robert Downey Jr. verkörpert!

Ihr verdankt er seinen Höhenflug

Ebenfalls in seiner "Oppenheimer"-Dankesrede bei den Oscars 2024 hatte Robert Downey Jr. jener Person gedankt, laut der er überhaupt dort auf der Bühne stehen durfte: Ehefrau Susan Downey, mit der er seit 2005 verheiratet ist und zwei gemeinsame Kinder hat, bedachte er mit den Worten: "Ich möchte meiner Tierärztin... ich meine meiner Ehefrau Susan Downey danken. Sie hat mich als knurrendes, ausgesetztes Haustier gefunden und mich zurück ins Leben geliebt. Deswegen bin ich hier. Ich danke dir."

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