Mit Aussagen zum Tod von Walter Lübcke sorgte Friedrich Merz vor der Bundestagswahl für Empörung. Die Witwe des ermordeten CDU-Politikers bezieht dazu klar Stellung.
Am Tag vor der Wahl holte Friedrich Merz noch einmal zum Rundumschlag gegen das linke politische Spektrum aus. In München kündigte er an, nicht "für irgendwelche grünen und linken Spinner auf dieser Welt" Politik zu machen und nahm auch auf die Demonstrationen gegen die CDU Bezug: "Ich frage mal die ganzen, die da draußen rumlaufen, Antifa und 'Gegen Rechts': Wo waren die denn, als Walter Lübcke in Kassel ermordet worden ist von einem Rechtsradikalen?"
Die Äußerungen hatten für Empörung gesorgt, schließlich hatte es nach dem Mord an dem hessischen CDU-Politiker 2019 durchaus Demonstrationen gegen Rechts gegeben. Und auch die Witwe von Walter Lübcke kritisiert Friedrich Merz. Seine Aussage habe sie und ihre Familie "sehr befremdet", erklärte Irmgard Braun-Lübcke in einem Statement für die "Hessische/Niedersächsische Allgemeine": "Ich möchte sie so nicht stehenlassen."
Witwe von Walter Lübcke widersprich Friedrich Merz
Es habe nach dem Mord an ihrem Mann "ein starkes gesellschaftlich breites Bekenntnis zu unserer Demokratie und ihren Werten" gegeben, widerspricht Braun-Lübcke dem CDU-Chef und wahrscheinlich nächstem Bundeskanzler. "Dies gab uns als Familie sehr viel Kraft und zeigte, wir sind nicht allein, du bist nicht allein, wir treten gemeinsam ein für den Bestand unserer Demokratie."
Nach der Bundestagswahl, bei der die AfD mehr als 20 Prozent erreichte, spricht sich Irmgard Braun-Lübcke für einen starken Zusammenhalt der Demokraten aus: "Heute, in dieser schwierigen Zeit, in der so vieles, was bisher selbstverständlich war, ins Wanken gerät oder keine Gültigkeit mehr hat, sind wir alle mehr denn je gefordert, insbesondere die Politik, die Menschen zusammenzuführen und gemeinsam für Werte einzutreten, wie es mein Mann getan hat."
Walter Lübcke hatte sich als Regierungspräsident von Kassel für die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland eingesetzt. Dadurch geriet er ins Visier von Rechtsextremen. Am 1. Juni 2019 wurde er von dem Rechtsextremen Stephan E. auf der Terrasse seines Wohnhauses erschossen. Der Täter wurde zu lebenslanger Haft verurteilt.